<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623</id><updated>2011-09-05T14:14:53.191+02:00</updated><title type='text'>krakau</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>73</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114367421762543026</id><published>2006-03-30T06:25:00.000+02:00</published><updated>2006-03-30T01:18:30.490+02:00</updated><title type='text'>Abschied</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/pinguallein.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/200/pinguallein.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;In drei Stunden verlasse ich Krakau-Balice – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem hinkenden und einem tanzenden Bein. Mit einem schweren Koffer. Und einem leichten Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In vier Stunden lande ich in Berlin-Schönefeld – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Mit einem tanzenden und einem hinkenden Bein. Mit einem leichten Koffer. Und einem schweren Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe im letzten halben Jahr in Krakau wie ein Antonymwörterbuch gelebt. Der Herbst war sehr bunt, der Winter sehr kalt, meine Gedanken sehr klar, die Sprachen scharf getrennt, die Träume aufgehoben. Im Himmel. Über dem Dach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bedanke mich bei allen, die mir Gesellschaft geleistet haben!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Krakau-blog wird Ende Monat abgeschlossen (bleibt aber vorläufig weiterhin online). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich freue mich auf den Frühling!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114367421762543026?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114367421762543026/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114367421762543026' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114367421762543026'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114367421762543026'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/abschied.html' title='Abschied'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114366665102585113</id><published>2006-03-27T15:10:00.000+02:00</published><updated>2006-03-29T23:10:51.036+02:00</updated><title type='text'>Das Antonymwörterbuch</title><content type='html'>Das Wochenende verbrachte ich in Kwiatonowice. Verabschiedete mich von den Unteren Beskiden. Weißüberzuckert das schöne Land. Und von Magda und Kasper. Fleißig, wie immer. Vorläufig, versteht sich. Nichts blühte. Der April mit seinen Flunkerblumen ist noch weit. Wie der dünne Schnee auf den Nordhängen. Der Regen hört nun nicht mehr auf. Bis alles Weiß weggespült ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kasper und ich arbeiteten. Überprüften den Index für das Antonymwörterbuch. Von „agogika” bis „quasi”. Mehr Buchstaben gab uns die Zeit nicht. Geizig, wie sie ist. Wir überprüften nicht die Wörter. Deshalb habe ich keine Ahnung, wie das Antonym von „agogika” ist, oder von „quasi”. Wir überprüften nur die hinter den Wörtern angegebenen Nummern. Die Zahlen der Seiten, auf denen das betreffende Wort auftaucht. Mein Hörverständnis Polnisch ist ausgezeichnet. Kasper las die Zahlen (insgesamt ungefähr 14 639), denn ihm kamen sie besser und eindeutig schneller von den Lippen, während ich auf Richtigkeit und Druck (gerade, fett, kursiv) achtete. Und das alles im Tempo eines japanischen Shinkansen. Wir rasten mindestens dreimal über die Inseln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Buchstaben „ó” hatte nur zwei Einträge: „ów” und „ówczesny”. Am meisten Wörter gab es unter „n”. Alle Verneinungen von was auch immer fangen an mit „nie-“ und hockten sich sofort in meinem Nacken fest. Plötzlich saß mir die ganze polnische Sprache mit all ihren eigensinnigen Zahlen (175 sto siedemdziesiąt pięć, 313 trzysta trzynaście, 777 siedemset siedemdziesiąt siedem ...) im Nacken und versteifte meine Wirbelsäule bis zum Steißbein hinunter. Für immer und ewig setzten sich Wörter im Mark fest wie „prowodyr”. Oder „orli (nos)” – sic! Unter „ć” fanden sich auch nur drei Ausdrücke: „ćma“, „ćpać“ und „ćwierćinteligent“. Ich frage mich, wie das Antonym von „ćwierćinteligent” (der Viertelintelligenzler) lauten könnte. Halbintelligenzler oder Achtelintelligenzler? Leider weiß ich gar nichts von Fußnoten oder Verweisen. In diesem Wörterbuch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend erfreute Magda meinen ganz versteiften Rücken und meine ganz versteifte Seitenzahlenseele mit dem Zitat des Tages: „Jesteśmy żadnym społeczeństwem. Jesteśmy wielkim sztandarem narodowym.” [Wir sind keine Gesellschaft. Wir sind eine große Nationalfahne] (Cyprian Norwid in einem Brief an Michalina Zaleska, aus dem Hause der Dziekońskis, vom 14. November 1862). Leichter verdaulich ist die volkstümliche Zitierweise: „Die Polen sind ein wunderbares Volk, aber eine absolut wertlose Gesellschaft.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ach, wie herrlich sind doch Antonyme.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114366665102585113?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114366665102585113/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114366665102585113' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114366665102585113'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114366665102585113'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/das-antonymwrterbuch.html' title='Das Antonymwörterbuch'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114326687307461527</id><published>2006-03-25T06:58:00.000+01:00</published><updated>2006-03-25T07:09:54.673+01:00</updated><title type='text'>Blumenland</title><content type='html'>Ich verreise. Ins Land der Blumen. Nach Kwiatonowice. Ins Bögli-Haus. Angeblich hat das Dorf den Namen von der Königin Jadwiga bekommen. Der Blumen wegen ["kwiat" - wir erinnern uns, an den April und die Flunkerblume]. Die Königin Jadwiga spielt keine geringe Rolle in meinem Krakauer Leben. Die Strasse, die nach ihr benannt ist, führt mich jeden Tag in die Welt hinaus. &lt;br /&gt;Wer mitkommen will, kann das über www.kwiatonowice.za.pl tun.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114326687307461527?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114326687307461527/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114326687307461527' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114326687307461527'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114326687307461527'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/blumenland.html' title='Blumenland'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114322421250498691</id><published>2006-03-24T19:16:00.000+01:00</published><updated>2006-03-24T23:52:14.590+01:00</updated><title type='text'>Der zweite Koffer</title><content type='html'>Wolfgang ist bereits wieder verschwunden. So wie fast alles. Aus meinem Zimmer unter dem Dach. Er hat den zweiten Koffer mitgenommen. Randvoll. Und ihn dem Bauch einer orangefarbenen easyjet-Maschine übergeben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Zusatzgepäck nahm er die Traurigkeit mit. In einem sehr unrentablen. Unfassbaren. Und ungezähmten. Metallkoffer. Mit Lebendgewicht. Schwiegermutter ist ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ihr Herz kann nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinem Großvater in Amerika geht es auch schlecht. Er ist mehrmals gestürzt. Hat sich Rippen gebrochen. Den Kopf aufgeschlagen. &lt;br /&gt;Sein Puls hämmert ungestüm in den Schläfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da hilft keine Widerrede. Übergewicht muss bezahlt werden. Alles muss bezahlt werden. Ein überfüllter Removakoffer genauso wie das Leben auf halben Touren. Wolfgangs Mutter, meine Schwiegermutter ist eine sogenannte „Trümmerfrau“. Sie gehört zu der Generation von Frauen, die nach dem Krieg zerbombte Städte von Trümmern leer räumten. Im konkreten wie im übertragenen Sinn. Sie gehört zu der Generation von Frauen, die immer irgendwie zurechtkommen mussten. Die nie ihre Kräfte schonten. Nie ausruhten. Wolfgangs Mutter kann nicht sagen, dass sie sich schlecht fühlt. Immer heißt es: „Das wird schon wieder!“ So war das vor fünf Jahren. Als sie den ersten Infarkt hatte. Und fand, das würde schon wieder. Ein Aspirin schluckte und sich hinlegte. Am nächsten Tag fuhr sie in einem überfüllten BVG-Bus zum Arzt. Immerhin. Der schickte sie sofort mit der Feuerwehr ins Krankenhaus. Auf die Intensivstation.&lt;br /&gt;Es war nicht ganz zu spät. Aber ihr halbes Herz pumpt seither nicht mehr.&lt;br /&gt;Und jetzt ist die andere Hälfte müde.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114322421250498691?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114322421250498691/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114322421250498691' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322421250498691'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322421250498691'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/der-zweite-koffer.html' title='Der zweite Koffer'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114322301739310415</id><published>2006-03-23T18:56:00.000+01:00</published><updated>2006-03-25T07:00:25.143+01:00</updated><title type='text'>Der dritte Tag, wie bei der Schneiderin</title><content type='html'>Gestern kam Wolfgang. Heute hörte es auf zu schneien. Aber der thermische Frühling ist noch immer nicht da.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fuhren an die Priester-Turek-Strasse. Zur dritten Anprobe. Bei meiner Schneiderin. Sie näht mir vier oder fünf Teile. Zum Anziehen. Ein Kleid. Einen Rock. Ein Oberteil. Ich weiß nicht, was noch. Andauernd kommen mir Wörter abhanden. Aus einem Stoffrest soll nun noch ein Schal genäht werden. Andauernd muss etwas anprobiert werden. Die rechte Seite liegt gut. Die linke schlecht. Seltsam, dass meine Brüste so ungleich sind. Die Zeit nimmt ab. Wie der Vorrat an Naturseide. Bei Konwicki las ich eine Anekdote über den Schneider von Władysław Gomułka. Die Zensur strich ihm damals die Preise. Den einen Preis (den nationalen, in polnischer Währung) sowie den anderen Preis (den internationalen, in der Währung der Geschwätzigkeit, die überall auf der Welt für Nachlass sorgt). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich zitiere die zensierte Version: „Die Anzüge ließ sich Gomułka von einem gewissen Schneider anfertigen, der für seine Arbeit 700 zł verlangte, obwohl andere in seinem Atelier mehr bezahlen mussten.” (Kalendarz i klepsydra, Ausgabe 1982)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein ordentlicher Satz. Makellos. Wie die Schweizer Küche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und hier die unzensierte Version: „Die Anzüge ließ sich Gomułka von einem gewissen Schneider anfertigen, der für seine Arbeit 700 zł verlangte, obwohl andere in seinem Atelier ohne Widerrede 2400 zl bezahlen mussten.” (Kalendarz i klepsydra, Ausgabe 2005) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Satz mit Schuss. Und konkreten Zahlen. Wie die georgische Küche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wurde das damals zugeschnitten. Heute gibt es scharf geschliffene Schneiderinnenscheren. Und eine Strasse, die nach Priester Wincenty Turek benannt ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114322301739310415?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114322301739310415/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114322301739310415' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322301739310415'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322301739310415'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/der-dritte-tag-wie-bei-der-schneiderin.html' title='Der dritte Tag, wie bei der Schneiderin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114322191535413857</id><published>2006-03-21T16:37:00.000+01:00</published><updated>2006-03-24T18:38:35.386+01:00</updated><title type='text'>Flunkerblume</title><content type='html'>Gestern Abend, genau um 19:27 Uhr begann in Polen der astronomische Frühling. In den Wettermeldungen heißt es, dass wir auf den sogenannten thermischen Frühling noch etwas warten müssen. Dann warten wir also.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute um 10:00 hatte ich meine letzte Polnischstunde. Ich lernte, dass im sechzehnten Jahrhundert der Monat April im polnischen „łżykwiat” hieß [von „łży“ zu „łgać: łżę, łżesz, łże …“ = lügen: ich lüge, du lügst, er lügt … + „kwiat“ = Blume; also Schwindelblume, Lügenblume, Flunkerblume oder Pseudoblume]. Wie schön! Heute heißt der April „kwiecień” [von „kwiat“ = ganz einfach Blume, ohne flunkern, schwindeln, lügen, vorspielen usw.]. Ich frage mich, wie es kommt, dass der Name des Monats geändert wurde. Und was er ursprünglich bedeutete. In der „Sprache der altertümlichen Polen“ (Zitat aus dem Wörterbuch der polnischen Sprache des 16. Jh.). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich setzten die Klimatologen schon längst Kriterien fest für den Thermischen Frühling. So wie es bestimmt Kriterien dafür gibt, in welchem Moment atmosphärische Niederschläge von Regen zu Schnee übergehen. In welchem Moment wir nicht mehr im normalen Regen stehen, sondern im radioaktiven. Um nur ein Beispiel zu nennen. Wir wissen nicht, ob nicht in naher oder ferner Zukunft Regenschirme überhaupt aufhören, irgendeine Rolle in unserem Leben zu spielen. Aber bleiben wir beim Hier und Jetzt. Noch fällt Schnee. Jedenfalls bedeckt eine bereits ziemlich feste weiße Decke meine Nachtfenster. Meine schiefen Fenster im schrägen Ziegeldach, die mir an klaren Tagen Einsicht in den Himmel gewähren. Morgen frage ich die Vorsehung, was den Schnee von Regen unterscheidet. Der sogenannte thermische Frühling ist dann gekommen, wenn während mindestens drei Tagen die durchschnittliche Tagestemperatur zwischen 5 und 10 Grad Celsius liegt. Warten wir ihn also ab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monatsnamen lassen sich schließlich nicht einfach so ablegen. Monatsnamen sind keine Winterstiefel oder wattierte Jacken. Die wir eines schönen Tages abstreifen und für den Rest des Jahres in den Schrank hängen oder stellen. Wann und warum entstand aus der geheimnisvollen „Flunkerblume“ [„łżykwiat”] das banale „Blumenmeer“ [„kwiecień”]? Eine Frage an das etymologische Wörterbuch. Unter meinem Dach gibt es weder Blumen noch Bücher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein gewisser Herr Agrometeorologe aus Bydgoszcz fand heraus, dass Blumen Temperaturschwankungen sehr schlecht ertragen. Ich ertrage Stimmungsschwanken schlecht. Denn im Fall von Temperaturschwankungen kenne ich einfach Lösungen. Ziehe ich Wollstrumpfhosen an. Und mir wird warm ums Herz. Blumen kennen keine Kleiderschränke. Sie leiden, wenn nachts und am frühen Morgen die Temperatur unter Null sinkt, tagsüber aber in der bleiernen Sonne stark ansteigt. Dies hat angeblich zur Folge dass „tagsüber die Lebensaktivitäten der Pflanzen geweckt werden, die Nacht diese Prozesse aber wieder zurückdrängt.“ Die Blumen befinden sich also im Moment in einem Antievolutionsstadium. Mein Baum hat schon seit längerer Zeit Knospen. Feuchte. Und leidenschaftlich ungeduldige. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wir? Wir warten mit Handschuhen. An der Bushaltestelle. Auf den thermischen Frühling.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114322191535413857?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114322191535413857/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114322191535413857' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322191535413857'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114322191535413857'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/flunkerblume.html' title='Flunkerblume'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114297827810107763</id><published>2006-03-19T18:57:00.000+01:00</published><updated>2006-03-21T22:57:58.123+01:00</updated><title type='text'>Sonntag, Stelldichein mit Sekretärin</title><content type='html'>Meine an sich unsichtbare Sekretärin besuchte mich heute in Krakau. Und sofort trat die Sonne am Himmel aus den Wolken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine an sich abwesende Sekretärin weiß alles über mich. Sie weiß, dass etwas in meinem Kopf arbeitet. So wie um acht Uhr morgens etwas in meinem Laptop arbeitet. Wenn sich AntiVir einschaltet. Und die ganze Festplatte absucht. Ohne dass ich zu wissen brauche, womit und zu welchem Zweck. Es arbeitet. Hart. Während einer knappen Viertelstunde. Und stört meine Fingerspitzen in äußerst geringem Masse. Die Programme reagieren etwas langsamer. Aber es wird gearbeitet. Hier und dort. Im Vordergrund. Im Hintergrund. Im vierten Grund. Und im Siebten Himmel. Irgendwo, in einer virtuellen Arbeitsstube. Das AntiVir aktualisiert sich sogar selbst. Im neunten Feld. In der fünfhundertneunten Zelle ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja. In meinem Kopf arbeitet es unaufhörlich. Ohne dass ich weiß, was, womit und zu welchem Zweck. Nur meine Sekretärin weiß. Alles. Über mich und meinen Kopf. Ich kann also ruhig schlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein halbes Jahr lang habe ich fast gar nicht geträumt. Ich schlief in Krakau. Im Zimmer mit der Nummer 22. Unter dem Dach des Łaski-Hauses. Nie träumte ich. Ich sah keine bunten Landschaften. Verweilte auf keiner menschenleeren Insel. Focht keine Streitigkeiten mit der Schweizer Familie aus. Nein. Nichts. Nichts störte. Ich schlief. Einen flachen Schlaf. Einen unaufgeregten Schlaf. Geradeaus. Wie die Fahrt mit dem Berlin-Warschau-Express. Unspektakulär. Wie der Märkische Sand. Es störte nichts. Weder die Alpen über Splügen. Noch der Atlantik vor Madeira. Die Nacht in Krakau ist stocktaub. Aber seit die Pinguine abgereist sind, finde ich keine Ruhe mehr. Kann ich mit niemandem mehr schlafen. Ich habe ein Doppelbett. Ich habe sogar zwei Doppelbetten. Frau Polka und Herr Tango krochen meist unter die eine Decke. Und ich unter die andere. Jetzt schlafen sie im Zelt unter dem Bergahorn. In Brandenburg. Und atmen regelmäßig frische Waldluft. Mich wecken im Morgengrauen Tränen. In der Früh dringen aufbrausende Abschiedsträume in meinen Schlaf. Intensive Startbahnsituationen. Internetverbindungen. Der Widerhall von Wolfgangs Atem über skype. In der Nacht setze ich den Kopfhörer auf. Und die erbosten Wellen des Indischen Ozeans schlagen an meine grauen Zellen. Meeresbrandung im Hirn. Ich hasse Abhöranlagen. Deshalb benütze ich in Polen das Mobiltelefon von Dorota. Ich schlafe und es klingelt. Es klingelt und ich schlafe. Mit offenen Ohren. Über denen das Head-set liegt. Mit schlaftrunkenen Fingerspitzen. Taste ich die Liste der Verbindungen auf dem kleinen Bildschirm ab. Und nehme an, dass ich die Nummer von Martin wähle. Egal, von welchem. Es ist kein einziger mehr da. Nacht. Stocktaub. Martins Stimme rauscht augenblicklich in meinem Kopf. Wie Fruchtwein. Die Stirn platzt. Von der Arbeit. In Grund und Boden. Martin begrüßt mich überschwänglich. Er kann nicht wissen, wer ich bin. Und schon fällt die Dämmerung ein. Ein Schweigen wie im Grab. Eine Stille wie im Cenotaf von Hiroshima. Ich sehe kein einziges Wort mehr. Die Sonne geht um 5:42 auf. Ich breche in Weinen aus. Schüttelfrost. Schulterzucken. Und ich wache auf. Und ich wundere mich. Ob das ein Traum war. Oder das Echo aus der Küche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine immer diskrete Sekretärin wacht über meine ungezügelten Wörter. Manchmal setze ich sie zu Sätzen zusammen, die niemand verstehen kann. Nirgends. Niemals. Bis ans Ende der Welt. Nicht. Nur sie, meine einzige Sekretärin, versteht. Und ordnet. Und beruhigt. Im Kopf arbeitet immer etwas. Irgendein Programm wählt sich immer ein. Und ruft. Selbständig. Gedanken hervor. Bei Konwicki heißt so ein Tag „Montag, Stelldichein mit Kater Iwan“. Bei mir ist alles anders. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Sekretärin hat Tag und Nacht Dienst. Oft raube ich ihr den Schlaf. Mit meinen Wörtern. Sie kam heute nach Krakau. Und sofort trat die Sonne aus den Wolken. Am Himmel.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114297827810107763?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114297827810107763/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114297827810107763' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114297827810107763'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114297827810107763'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/sonntag-stelldichein-mit-sekretrin.html' title='Sonntag, Stelldichein mit Sekretärin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114292023332812163</id><published>2006-03-16T20:49:00.000+01:00</published><updated>2006-03-21T06:50:33.343+01:00</updated><title type='text'>Die Reise meiner Pinguine</title><content type='html'>Meine Pinguine, Frau Polka und Herr Tango, sind heute mit Hildegard in einer orangenfarbenen easyjet-Maschine nach Berlin geflogen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies ist natürlich ein Feiertag mit Tränen in den Augen. Der Abschied verlief unprätentiös. Polka und Tango rutschten tapfer durch die Durchleuchtungsanlage für Handgepäck. Polka und Tango sind kein Handgepäck. Polka und Tango sind ordentliche Fluggäste. Durchleuchtet müssen sie trotzdem werden, wie jeder andere Passagier mit Übergewicht. Denn die dicken Bäuche könnten mit Rauschgift oder Sprengstoff gefüllt sein. Polka und Tango sprangen auf der anderen Seite behende vom schwarzen Band, ehe noch ein Vertreter des Bodenpersonals sie packen und ausfragen konnte. Was sie denn zum Frühstück zu sich genommen hätten. Was so fest unter ihren Flügeln klemmte. Von wem Polka die Korallenkette am Hals geschenkt bekommen habe. Und so weiter. Und so fort. Sie warteten stumm in der Ecke auf Hildegard, welche Schuhe, Gürtel und Schal ausziehen musste. Ganz zu schweigen von Mütze, Tasche und Schafpelz. Die Ohrenklappenwintermütze aus Schafwolle ist auch kein Handgepäck. Trotzdem muss sie durch den Schlund der alles von innen sehen wollenden Apparatur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wartete, bis sie alle mit ihren Handschuhen auf der anderen Seite angelangt waren. Und drehte mich dann um. Natürlich mit Tränen in den Augen. Ich habe keinen Zutritt zu jener anderen, durchsichtigen und absolut sicheren Seite. Ich besitze weder keinen Bordingpass. Noch einen Reisepass. Ich bin keine Passagierin. Nur eine Person, die vom Abschied lebt. Und sich rechtzeitig umdreht. Ich bin kein Gepäckstück. Gehöre weder ins Handgepäckfach. Noch in den Frachtraum. Ich bin kein Fäustlingshandschuh. Am Arm. Noch ein Lederrucksack. Am Rücken. Noch eine unentbehrliche Laptoptastatur. Unter den Fingerspitzen. Ich drehte mich um ohne ein Wort des Abschieds. Niemand hätte meine stiefmütterlichen Sätze durchleuchten können. Keine Apparatur. Keine Maschinerie. Kein auf Messer, Gabeln, Schere geschulter Securitycheck. Meine Worte bleiben im Hals stecken. Zwischen der Handgepäckskontrolle und der Passkontrolle am internationalen Johannes Paul II Flughafen in Balice wirkt das Vakuum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kehrte mit dem Bus 192 in mein leeres Zimmer unter dem Dach zurück. Der Bus stank wie immer. Nach Mist. Landluft. Am Abend landete eine email auf meinem Bildschirm. Eine verfrühte Frühlingsfliege. Herr und Frau Pinguin sind angekommen. In Kleinmachnow. Bei Berlin. Unter der Kuppelkrone eines Bergahorns.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114292023332812163?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114292023332812163/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114292023332812163' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114292023332812163'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114292023332812163'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/die-reise-meiner-pinguine.html' title='Die Reise meiner Pinguine'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114229065387080934</id><published>2006-03-14T00:51:00.000+01:00</published><updated>2006-03-14T00:12:28.236+01:00</updated><title type='text'>Postkarten aus Berlin</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/Pokojpisarza.1.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/200/Pokojpisarza.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;Hiermit lade ich herzlich ein zu meiner Abschiedslesung in Krakau sowie zur Vorstellung meines Buches, das in Kürze erscheinen wird: &lt;br /&gt;Pocztówki z Berlina (in polnischer Sprache)&lt;br /&gt;Moderation: Katarzyna Fortuna&lt;br /&gt;Dienstag, 14 März 2006, 18.00 Uhr&lt;br /&gt;Goethe-Institut&lt;br /&gt;Rynek główny 20, Kraków&lt;br /&gt;Die Veranstaltung findet in polnischer Sprache statt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Hildegard Skowasch - Das Zimmer des Schriftstellers&lt;br /&gt;-----&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Textauszug:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;… Mein erweitertes und leidenschaftliches Polen: es reicht jetzt bis nach Berlin. Bis ins innerste Mark. In den Bezirk Mitte. (…) Ich steuere auf die Installation von Hildegard S. zu. Auf die Raumkomposition, wie Kenner das nennen. Schwarzweiß. In der Ecke steht ein Tisch, ein weißer, aus Papier mit ... – und hier werden meine Knie weich. Ich spüre eine seltsame Kraftlosigkeit in den Muskeln, die unerwartete Oktoberhitze hat sie geschwächt. Ich sinke. Einfach unter den Zungenbrechertisch mit den wackligen Beinen! Stół z powyłamywanymi nogami. An der Wöhlertstraße in Berlin! An dieser unscheinbaren Straße, die nach einem unscheinbaren Industriellen des 19. Jahrhunderts benannt ist, Herrn Wöhlert, der hier einst seine Eisengießerei besaß. (…) Ich erhebe mich mit Mühe und schaue mich um. Begrüße Hildegard und entschuldige mich, dass ich unter der Tür über meine eigenen Füße gestolpert sei. Wie hätte ich ihr erklären können, dass der Papiertisch mich aus den Latschen gekippt hat? Dass ich einen Moment leichter Geistesverwirrung erlebte. Eine kurzanhaltende Blendung. Ruhig betrachte ich den Rest des installierten Zimmers. Am Boden, nicht weit vom Tisch entfernt, liegt ein unförmiger Klumpen, auch aus weißem Papier, auch ultraleicht und unzerstörbar, mit einem Haken – falls ihn jemand an die Wand hängen möchte – und umschlungen von einem schwarzen Wortfluss „undundundundund...”. Unsymmetrisch. Deutsch. An den Wänden hängen Gitterflächen. Von Hand ungeometrisch ausgeschnitten aus einem riesigen Stück grauem Filz. Farblich passend zum schmutzigen Fußbodenbelag. An der Wand gewinnt der stumpfe Filz Kristallstruktur. Wie der zugezogene Himmel. Der Tiefe gewinnt. Konvexität. Mehrdimensionalität. Entgegen allem Anschein. Das Netz bildet einen Raum. Auf die unteren Fensterteile klebte Hildegard identische Gitter. Aber weiße. Aus Papier. Und auf den oberen Teilen der dreiflügeligen Fenster brachte sie einzelne Papierbuchstaben an: U und N und D. Auf jeder Öffnung ein Buchstabe. Die, in den Augen der Passanten auf der Straße des Herrn Eisengießers Wöhlert, ein riesiges UND bilden.&lt;br /&gt;„Wir befinden uns im Zimmer des Schriftstellers”, sagt Hildegard, die keine Schriftstellerin ist. &lt;br /&gt;Ich schaue mich wieder um. Ich befinde mich in einem Raum, der von unregelmäßig miteinander verflochtenen Linien aus brennbarem Material abgeschlossenen wird. Und vollgestopft ist mit nur dem einen Wort: „und”.&lt;br /&gt;„Und”, erläutert Hildegard, die keine Polin ist, „ist das wichtigste Wort. Die Verbindung von Gedanken. Kettenglied der Ereignisse. Zusammenschluss von Figuren. Baustoff der Welt.“&lt;br /&gt;Ich wundere mich, warum der Tisch steht. Warum er sich auf den eigenen wackligen Beinen hält. &lt;br /&gt;„Im Innern befindet sich ein Gerüst”, führt Hildegard bereitwillig aus, „ein Geflecht aus dünnem Draht. Ausgestopft mit Berliner Tageszeitungen. Dies verleiht der Konstruktion entschieden mehr Halt. Um dieses Gerüst klebe ich mehrere Schichten Papier, so viele wie der Tisch braucht. Hier wird uns beiden viel Geduld abgenötigt, denn jede Papierschicht muss zuerst richtig austrocknen, bevor ich die nächste darüber kleben kann. Das Papier und die klebrige Mehlmasse. Trocken wie Hobelspäne. Ohne einen Rest von Flüssigkeit. Machen den Tisch aus. Verleihen ihm schließlich, nach vielen untätigen und von Gedanken losgelösten Momenten des Wartens, Standfestigkeit. Kraft. Halt. Ansonsten würde alles in sich zusammenbrechen. Auf der Stelle.”&lt;br /&gt;„Heißt das, dass die Stabilität eine Frage der Zeit ist?”&lt;br /&gt;„In gewissem Sinne ja!”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Judith Arlt&lt;br /&gt;Auszug aus der Postkarte „Der Zungenbrechertisch”&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114229065387080934?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114229065387080934/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114229065387080934' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114229065387080934'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114229065387080934'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/postkarten-aus-berlin.html' title='Postkarten aus Berlin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114220277225694185</id><published>2006-03-10T19:32:00.000+01:00</published><updated>2006-03-12T23:35:47.043+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag, wie bei der Frisöse</title><content type='html'>Die Zeit vergeht im Fluge. Bereits 147 Monate. Seit der Eheschließung mit dem Allerbesten Deutschen. Bereits 147 Monde. Ich begab mich tapfer zu Jola. Trotz Hundewetter. Es goss aus Kübeln. Vom Himmel. Und unter den Füßen schmolz der Schnee. Ich schwamm durch die Lange Straße zu Jola. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie die Zeit vergeht. So einen Frisörsalon habe ich meiner Lebtag noch nicht gesehen. Hand aufs Herz. Am Freitagnachmittag. Sitzt dort eine Handvoll nicht mehr ganz frischer Frisörinnen herum und stiert. Gelangweilt. Mit trübem Blick. Fast wie in Warschau. Bei Konwicki. Jede ungekämmte Person an, die hereinkommt. Nur für Jolas Stuhl muss Frau anstehen. Die Kundinnen werden nicht auf Zeit bestellt. Bitte setzen Sie sich und warten. Ich dachte, ich sei zu spät. Und entschuldigte mich. Ach wo. Hier gibt es keine Stundenanzeiger. Die anderen toupieren sich gegenseitig. Mit einem entsetzlich laut heulenden Fön. Und einer Bürste. Das einheitlich blondierte dünne Haar. Ich bin stolz, dass es mir gelungen ist, die Haare nicht mehr zu färben. Während dieses Krakauer Winters. Die neue Brille habe ich speziell zu meinen mit Schnee bestäubten Schläfen ausgesucht. Die Poesie welkender Jahre. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie doch die Zeit vergeht. Die Frau vom Verlag sagt, sie warte auf den Text. Und ich zaudere. Warte auf Wörter. Ohne Wörter kein Text. Ohne Inspiration keine Wörter. In der „Prowincja” warte ich auf Kasia. Wir stellen das Programm für kommenden Dienstag zusammen. Blättern in den Postkarten. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern. In der Nacht staubt es vom Himmel. Oder von der Zimmerdecke. Unter dem Dach. Wunderliche Erinnerungen an Basel. Es ist wie immer. Ich gerate in helle Aufregung. Weil Kasia mich doch tatsächlich vor allen Leuten fragen will, wo ich mich zu Hause fühle. Und wenn ich sage, wahrheitsgemäß – Hand aufs Herz! (wie dumm und aufrichtig ich Schweizerin immer noch bin) – dass, na ja, „hier“ natürlich … dann wird dieses winzige, unschuldige Wort „hier“ von einem eisigen Gebirgsbachwasserfall nicht enden wollender weiterer Fragen überschüttet, aber warum, und wozu, und was ist eigentlich, und überhaupt, was soll denn … &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie die Zeit vergeht. Schon 147 Monate. Der Allerbeste Deutsche jagt über die Internationale Tourismus Börse in Berlin. Ich jage durch mein erstes Kapitel. Überarbeite gehorsam. Bin verzweifelt. Ich verfasste es im Amok – und kann mich jetzt an nichts mehr erinnern. Woher kommen diese schönen mit Schnee bestäubten Gedanken? Aus dem Spiegel im Frisörsalon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeit vergeht im Fluge. Jola spricht so schnell, dass ich kaum ein Wort verstehe. Sie lobt mein Haar. Und knipst mit den Scheren, rechts und links, dass ich weggucken muss. Aus dem Spiegel. Bei Konwicki heißt so ein Tag „Donnerstag, Feierlichkeiten zum fünfundzwanzigsten Jahrestag“. Bei uns heißt er anders. Wir müssen uns an die Monate halten. An die Monde. Um irgendwelche Jahresringe zu erklimmen. Brillantene. Hölzerne. Aus Stahlbeton. Wir hüten uns vor Nachäffereien. Bald ist Vollmond.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114220277225694185?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114220277225694185/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114220277225694185' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114220277225694185'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114220277225694185'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/ein-tag-wie-bei-der-frisse.html' title='Ein Tag, wie bei der Frisöse'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114220028275938015</id><published>2006-03-08T17:50:00.000+01:00</published><updated>2006-03-12T22:51:22.780+01:00</updated><title type='text'>Ein Tag, wie bei der Schneiderin</title><content type='html'>Ich habe keine Zeit. Aber im Schrank liegen einige Meter Naturseide erster Qualität. In tiefstem Rot. Ein Stück. Von mindestens sechs Metern Länge (die Schneiderin weiß es genau, denn sie nahm Maß). Und ein anderes, etwas kürzer, vielleicht nur viereinhalb Meter lang, und in einem leicht blässlichen Altrosa. Fast wie Kinderwangen im Winter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe absolut keine Zeit mehr. So scheint es mir. Aber mit diesem Stoff, dem Weihnachtsgeschenk meines Sinologen, muss schließlich etwas geschehen. Ich kann damit nichts anfangen. Also begab ich mich damit zur Schneiderin. Das heißt, wir trafen uns im Café an der Krupnicza-Straße. Sie schlug mir verschiedene Schnitte vor. Eine Schneiderin weiß alles, kaum berührt sie den Stoff, weiß sie schon, sieht und spürt den Geruch der Frühlingssonne auf der nackten Haut. Ärmel? Wozu Ärmel? Sie nahm Maß von verschiedenen Teilen meines Körpers. Im Café Libelle saß gerade niemand. Von denen ich bisher gar nicht wusste, dass es sie gibt. An mir. Die Libelle ist ein normalerweise grell gefärbtes Insekt. Besitzt zwei durchsichtige Membranflügelpaare. Fest wie meine Engelinnen. Und lebt auf dem Wasser. Sie notierte sich alles mit seltsamen Abkürzungen. Mit irgendwelchen Buchstaben. Mit einem roten Kugelschreiber. Hier A, und dort B. Hier Länge, dort Breite. Und dann noch Taillienumfang. Kopfumfang. Nein, einen Hut näht sie mir nicht. Und Brustkorb. Herz. Lunge. Brustbein und Rippen. Zwerchfell. Atmen muss ich. Mit oder ohne Naturseide. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe keine Zeit. Ich wusste nicht, was sich rund um meinen Hals so alles tut. So eine Naht, oder eine andere. Flach oder aufgetrennt. Der Kragen. Weich oder Steif. Stehend oder liegend. Weiß. Oder in der Farbe. Der Naturseide. Verschlüsse. Eclair. Oder Knöpfe. Auch in der Farbe. Der Bauch ist flach. Oder aufgebläht. Vielleicht nehme ich doch in der nächsten Zeit noch etwas zu. Immer nach fünf singen jetzt die Vögel im Park. Sie sind Lichtempfindlich. Nicht Temperaturempfindlich. Und der Baum vor meinem Fenster reckt schon seit langem Knospen in den Himmel. Dicke. Satte. Feuchte. Die gleich aufplatzen. Vor Lust. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe wirklich keine Zeit mehr. Bei Konwicki heißt so ein Tag „Donnerstag, wie der Besuch beim Zahnarzt“. Bei mir heißt er anders. Ich muss mich vor Nachäffereien hüten. Aber ich bin in meinem Element. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe keine Zeit. Den Stoff, die Naturseide bester Qualität, übergab ich der Schneiderin zu getreuen und geübten Händen. Sie, kaum berührt sie ihn, weiß bereits alles. Und ich sitze stundenlang, wochenlang, jahrelang. Und weiß noch immer nichts.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114220028275938015?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114220028275938015/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114220028275938015' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114220028275938015'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114220028275938015'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/ein-tag-wie-bei-der-schneiderin.html' title='Ein Tag, wie bei der Schneiderin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114186190862398921</id><published>2006-03-03T19:51:00.000+01:00</published><updated>2006-03-09T08:34:38.670+01:00</updated><title type='text'>Brief an die Schweiz</title><content type='html'>Ich arbeite hart. Der erhobene Zeigefinger von Herrn Konwicki ist überall. Kürzlich hörte ich in der Nacht Jan Machulski. Er erzählte in der Sendung „Aufzeichnungen aus der Gegenwart” (sehr zu empfehlen, im zweiten Programm, jeweils um 23.45 Uhr, oder am Nachmittag, wann genau weiß ich nicht, tagsüber schläft mein Krakauer Radio) von den Filmarbeiten zu „Der letzte Sommertag“. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht – obwohl es die normalste Sache der Welt war: damals, im Jahr 1958, war die Ostsee eine natürliche Staatsgrenze. In Polen genauso wie beispielsweise in Stralsund, bzw. der ganzen Küste der damaligen DDR entlang. Und grenznahe Gebiete waren immer gut bewacht. In Polen genauso wie in der DDR. Man war auf der Hut, es hätte ja einer abhauen können, auf dem Rücken nach Bornholm schwimmen, oder in einem Fischkutter nach Kopenhagen paddeln. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, wie dieser Film im Sand, direkt an der salzarmen Ostsee gedreht werden konnte. Jetzt weiß ich es. Und wundere mich über meine alpenländische Naivität. Einmal mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich arbeite hart. Letzte Nacht gelang es mir, die fingierte Korrespondenz zwischen zwei email-Adressen aufzuschreiben. Endlich. Ein Auftragstext. Für eine seltsame Anthologie. In der Briefe vereint werden sollen von sogenannten Auslandschweizern. Also von solchen, die abgehauen sind. Auf dem Rücken schwimmend. Oder im Fischkutter frierend. In den Alpen sieht die Welt anders aus. Deren Briefe. An die Schweiz. Wurden gesucht. Ich hatte sofort abgewehrt. Dass ich an die Schweiz nie im Leben einen Brief schreibe. Dass ich keine Folklore formuliere. Dass ich kein einziges Wort der Sehnsucht kenne. Das auf mein Vaterland passt. Wie ein Hut auf den Kopf. Der Abgabetermin war längst verstrichen. Und ich spürte ein weiteres Schwert eines weiteren Damokles über meinem Kopf. Ich war müde. Aber nach den Aufzeichnungen aus der Gegenwart setzte ich mich hin und schrieb. Emails. An meine Freundin Frieda.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich arbeite hart. Wojtek schickte das erste Kapitel mit den Korrekturen zurück. Ich habe noch keinen Blick auf das Manuskript geworfen. So sehr fürchte ich mich. Kasper brachte mir aus Kwiatonowice die lektorierten „Postkarten”. Mein Gott, was tu ich hier bloß? Inmitten dieser Korrekturseitenberge. Wolfgang hat erst den ersten Koffer mitgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich arbeite hart. Bin unausgeschlafen. Und winterblass. Ich gehe in letzter Zeit fast gar nicht mehr aus dem Haus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114186190862398921?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114186190862398921/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114186190862398921' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114186190862398921'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114186190862398921'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/03/brief-die-schweiz.html' title='Brief an die Schweiz'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114186021667285387</id><published>2006-02-27T20:22:00.000+01:00</published><updated>2006-03-09T00:23:36.686+01:00</updated><title type='text'>Der erste Koffer</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/Aniolki.1.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/200/Aniolki.0.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;Vor einem Jahr reisten wir ab. Aus Tsukuba. Hoben ab. Vom Rollfeld in Tokio Narita. Ließen Japan. Unter uns. Hinter uns. Ich für immer. Wolfgang ist in der Zwischenzeit bereits zweimal zurückgekehrt. &lt;br /&gt;Erst ein Jahr. Ist vergangen. Und wieder haben wir Wolfgangs Geburtstag gefeiert. Wieder ist er nach dem Geburtstag sofort ins Flugzeug gestiegen. Diesmal nach Berlin. Mit dem ersten Koffer. Mit den ersten 20 Kilogramm. Papier. &lt;br /&gt;Erst ein Jahr. Mein ganzes Leben teilt sich in die Zeit vor Japan und die Zeit nach Japan. Ich weiß selber nicht, warum. Aber so ist es. Mein Leben nach Japan (heute auf den Tag ein Jahr) scheint seltsamerweise genauso lang zu sein wie mein Leben vor Japan (47 Jahre und 3 Monate, mehr oder weniger). Roma wird mit dieser Gleichung bestimmt nicht einverstanden sein wollen. Mit meiner angewandten Mathematik. Aber im Leben muss es ein Gleichgewicht geben. Und deshalb zieht sich dieses letzte Jahr so entsetzlich lang hin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang nahm den ersten Koffer mit. Voller Papiere. Verschiedenster Art. Die Pinguine ließ er mir da, auch die Engel. Höchst ungern. Er packt hier schon seit Anfang Jahr zusammen. Ich sehe irgendwie keinen Grund. Zum Packen. Momentan geht alles nur zäh voran. Oder verharrt. Auf der Stelle.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114186021667285387?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114186021667285387/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114186021667285387' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114186021667285387'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114186021667285387'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/der-erste-koffer.html' title='Der erste Koffer'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114068735165832637</id><published>2006-02-23T06:34:00.000+01:00</published><updated>2006-02-23T10:35:51.670+01:00</updated><title type='text'>Einladung</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/PlakatMassolit.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/PlakatMassolit.0.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Judith Arlt „SEIDEN – Mein Winter in Japan” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;23 Februar, 19.00 Uhr &lt;br /&gt;Massolit Books&amp;Café &lt;br /&gt;ul. Felicjanek 4, Kraków &lt;br /&gt;(Stadtplan siehe www.massolit.com) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Programm:&lt;br /&gt;Fragmente aus dem Tagebuch von Judith Arlt in polnisch, englisch und deutsch;&lt;br /&gt;Fotos aus Japan von Wolfgang Arlt sowie Degustation japanischer Spezialitäten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Textauszug:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Es hat mich in ein Land verschlagen, das sauberer ist als die Schweiz.&lt;br /&gt;Zu einer Jahreszeit, die ich lieber bei den Kaiserpinguinen auf dem Meereis in der Weddell See verbracht hätte.&lt;br /&gt;Als begleitendes Familienmitglied eines Research Fellows der Japan Society for the Promotion of Science.&lt;br /&gt;(...)&lt;br /&gt;Winter in Japan. Ich habe reife Orangen an Bäumen hängen sehen. Aoki-san spricht von der Hochzeit der Erdbeerernte. Die Schulmädchen radeln in Schuluniformen zur Schule. Kniestrümpfe. Darüber Faltenrock. Dazwischen nackte Beine. Am Morgen immer unser erster Blick aus dem Fenster. Das Feld ist nicht selten raubereift. Kein Bauer harkt gefrorenen Boden.&lt;br /&gt;Es ist, als ob die Kälte nicht zur Kenntnis genommen würde. Nirgends. Weder in den schönsten Gärten des Landes noch in den Wohnungen noch auf der Straße. In keinem Restaurant kann man seinen Mantel aufhängen. Vorgestern stapften wir am Chuzenji-See durch hohen, frischen, weichen, sanften, wunderbar unter den Füßen knirschenden, aber nassen Schnee. Mit uns ein paar vereinzelte junge Japaner. In Turnschuhen.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Judith Arlt&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114068735165832637?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114068735165832637/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114068735165832637' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114068735165832637'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114068735165832637'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/einladung.html' title='Einladung'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114081802717626612</id><published>2006-02-21T22:53:00.001+01:00</published><updated>2008-09-02T11:38:58.220+02:00</updated><title type='text'>Sehschule</title><content type='html'>Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Ich leiste mir eine neue Brille. Und Kopfschmerzen. Und Magenschmerzen. Natürlich ist eine neue Brille für einen Menschen, der von Kind auf Brillenträger ist, so etwas wie ein neues Gesicht. Das heißt eine Sache der Eitelkeit. Etwa so wie mit den Haaren. An einem bestimmten Tag ist es unwiderruflich Zeit für den Frisör. Und wie wir wissen, ist auch das Leiden unwiderruflich. Kopfweh. Magensausen. Aber diesmal stimmt erheblich mehr mit mir nicht. Als sonst. Alles verschwimmt. Mein Sichtfeld ist ein aufgewühltes Meer. Die Ansichten der Welt stürzen in Wellen über mich. Und fallen zusammen. Das Schlimmste ist der Bildschirm. Und mein ganzer schöner Text. Mein plötzlich bewegliches intellektuelles Hab und Gut. Die Tasten tanzen unter den Fingerbeeren auf ihre Weise. Und die Buchstaben auf dem Bildschirm auf eine andere. Wie soll ich da noch schreiben? Wie das eigene Geschriebene lesen? Wo schreiben? Wo lesen? Was schreiben? Was lesen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fuhr zu Frau Krakowska. Wunderte mich, dass ich im Bus mit der neuen Brille problemlos die ganze Wochenendausgabe der Gazeta Wyborcza auslas. Hielt sie krampfhaft fest. Wie den Anker der letzten Rettung. Mitsamt Beilage, den Wysokie Obcasy [Hohe Absätze]. Problemlos stieg ich beim Rondo aus. Auf der Straße Tauwetter. Schmuddel. Matsch. Pfützen. Ich wusste nicht, ob das Wetter verrückt war oder meine Augen. Voller Tränen. An der Grunwald-Straße war mir wieder schwindlig. Die Enkel spielten ohne zu zetern im Zimmer am Boden mit Legosteinen. Aber in meinen Augen voller Salz vom Schwarzen und Roten Meer lagen sie auf einem Fliegenden Teppich. „Schnelle und erfolgreiche Anpassung.“ Erfreute mich das Flugblatt im Handgepäck, das ich im Bus 192 verlor. Frau Krakowska verbrachte einen ganzen Tag in der Küche. Knetete 180 Pieroggen. Mischte die Füllung. Russische. Mit Fleisch. Mit Käse. Wir aßen alle schön im kochenden Wasser schwimmenden gefüllten Pieroggen auf einen Schlag auf. Einschließlich der Gurkensuppe. Extra für mich gekocht. Wir waren 7 Erwachsene und 2 Kinder. Der Vater von Frau Krakowskas Enkeln – oder ihr Schwiegersohn – heißt Martin. Der wievielte Martin ist das in meinem Krakauer Leben? Auch die Zahlen haben sich verflüssigt. Die Enkel – die besten der Welt – glitten kampflos durch die Luft. Schwebten schwerelos. Über dem Parkett. Über den Steinplatten. Über der Küchentischplatte. Alle bewegten wir uns in der Luft von einer Stelle zur anderen. Von der Schlacht bei Grunwald zur Schlacht an der Bzura.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit mir stimmt etwas nicht. Ich muss von neuem die Welt sehen und ihre richtigen Bilder speichern lernen. Alles, was bisher stabil, sicher und beständig schien – fängt plötzlich an, sich zu bewegen. Rutscht ab. Rieselt weg. Ich verliere den Boden unter den Füssen. Den Fußboden unter den Beinen. Die Tischplatte unter dem Teller mit den Pieroggen und dem geschmolzenen Schweinefett. Die Treppenstufen unter den Schuhen. Den Läufer unter den nackten Sohlen. Alles unterhalb der Nase. Die Dame im Optikergeschäft sagte, ich müsste nun den Kopf mehr bewegen. Aber wenn ich den Kopf bewege, Verehrteste, dreht sich die ganze Welt. Zu meinen Füssen. In meinem Magen. Und mir wird sehr schlecht. Schon lange habe ich mich nicht mehr so elend gefühlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war in der Polnischstunde. Ich muss von neuem lesen und schreiben lernen. Wo ist das Feld in meinen äußerst komfortabeln Gleitsichtgläsern, das mir erlaubt, einen Satz aus dem Lehrbuch zu erkennen? Hausaufgaben. Von Hand schreibe ich sehr unleserlich. Früher war ich kurzsichtig. Weder eine Seherin. Noch eine Künderin. Jetzt bin ich auf dem Weg zur Altersweitsicht. Ich besaß noch nie hellseherische Gaben. Sondern immer nur eine deutliche Sehschwäche. Vor allem am linken Auge. Das rechte erträgt alles tapfer. „Wann immer du einen Gegenstand scharf sehen willst, richte deine Nase darauf.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich begab ich zu der Frau Optikerin. Die neue Brille, entworfen von Picassos Tochter, auf der Nase. Auf der Florianstraße bewege ich Kopf und Beine. Übel wird mir nicht mehr. Aber auf dem Bildschirm meines Laptops im Zimmer unter dem Dach kann ich nichts erkennen. Absolut nichts. Jammere ich. Nur verschmierte Wellen von elektrodynamischen Quantenteilchen. Klage ich. Und unter den Fingern habe ich die altmodischen Buchstaben der Tastatur. Tanzende eRs und eMs und Tes und eLs. Im Zimmer von Martin dem Älteren wohnt jetzt Lothar. Sogar im Łaski-Haus habe ich alles in Bewegung versetzt, wie während eines starken Orkans auf dem südchinesischen Meer. Die Frau Optikerin bittet seelenruhig um etwas Geduld. Und um Verständnis. Offenbar geschult an hysterischen Kundinnen. Sie haben drei Brillen in einer. Erklärt sie sachlich. Sie müssen üben. Die Augen trainieren. Das scharfe Sehen auf jede Entfernung. Die Gewandtheit der Finger auf der Tastatur. Auf dem Laptopbildschirm schäumt der Atlantik. Beschwere ich mich. Aber sie versteht mich nicht. Wenn ich jetzt den Blick von meinem Schreibtisch hebe, dann sehe ich am kalten Krakauer Himmel Flugzeuge auf dem Landeanflug nach Balice. Nie sah ich bislang auch nur ein einziges Flugzeug durch mein Dachfenster. Das kann verschiedene Gründe haben. Thermodynamische. Versuche ich mich zu beruhigen. Klimatische. Noch nie kam bislang der Wind aus Osten. Alles ist möglich. Gemäßigter Westwind. Frühestens in zwei Wochen. Sagt die Augensprecherin. Aber ich habe keine Zeit. Ich muss arbeiten. Auf diesem wütend schäumenden Atlantik. Über meinem Kopf hängt das Damoklesschwert. Der Finger von Herrn Konwicki. Sie hat weder mit Fingern etwa zu tun. Noch mit Schwertern. Nur mit Augen. Die Buchstaben unter der Haut, unter der Schläfe, unter dem Schädel spielen verrückt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Polnischlehrerin klebte am Wochenende 100 Pieroggen zusammen. Für 4 Personen. In diesem Land ist der Mensch in der Küche am effektivsten. „Der Nutzer erfreut sich eines weiten und scharfen Sichtfeldes ohne jede Verzögerung“. Ich versehe nicht, was die Zeit hier zu suchen hat. Etwas stimmt mit mir nicht. Ich war im Radio. Und es stellte sich heraus, dass die Radiojournalistin einst in ihrer Jugend Probleme mit der polnischen Grammatik hatte. Das kann vorkommen. Wer hat sie nicht? Sie nahm damals Nachhilfestunden bei meiner Polnischlehrerin. Die Welt ist klein, lachte sie. Und ich kann nicht einmal diese kleingewordene Welt erkennen. Denn der Magen brennt. Wie lange nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Die Welt stürzt mit Schmerzen über mich. Und fällt zusammen. Das Schlimmste ist der Laptopbildschirm. Und das ganze verschwörerische intellektuelle Hab und Gut. Jede Kleinigkeit läuft jetzt bereitwillig weg. Durch Hintertüren und Seitenausgänge. Wie soll ich da noch schreiben? Wie das eigene Geschriebene lesen? „Wir empfehlen Dir, der Versuchung, die alte Brille wieder aufzusetzen, standhaft zu widerstehen. Dies beschleunigt Deine Anpassung erheblich.“ Zitatende.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114081802717626612?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114081802717626612/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114081802717626612' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114081802717626612'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114081802717626612'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/sehschule.html' title='Sehschule'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-114012845575364870</id><published>2006-02-16T23:20:00.000+01:00</published><updated>2006-02-16T23:24:14.866+01:00</updated><title type='text'>Rekapitulation</title><content type='html'>Sätze aus dem Schulheft: ponieść klęskę (eine Niederlage erleiden), ponieść porażkę (eine Schlappe ziehen) – odnieść sukces (einen Erfolg erzielen), odnieść zwycięstwo (einen Sieg erringen). Antonyme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war lange nicht da. Nun versuche ich, die Zeit wieder zu finden. Und mich. Heute früh – schon wieder. Kilars Kavalleriemarsch. Im Radio Zwei. Ein Stück aus der Filmmusik zu „Chronik der Liebesunfälle”. Das Radio ehrt damit natürlich Andrzej Wajdas Goldenen Bären. Aber ich nehme diesen Marsch als Zeichen des Himmels. Lenk dich nicht weiter ab! Der erhobene Zeigefinger von Herrn Konwicki höchstpersönlich. &lt;br /&gt;Gestern – gemäßigtes Tief, trotz Anruf von Kasper, dass er die Postkarten fertig korrigiert habe. Und freundlichen Worten, nicht nur zu den Texten. Nachts Schmerzen in den Beinen.&lt;br /&gt;Vorgestern – dito, trotz Valentinstag und einer herzlichen email aus Danzig. &lt;br /&gt;Montag – der Dreizehnte. Kündet von nichts Gutem. Wolfgang reist wortlos ab.&lt;br /&gt;Sonntag – Anruf von Mutter. Ich dachte, jemand muss gestorben sein, aber es geht nur um eine dringende handschriftliche, notariell beglaubigte Unterschrift. Nervenzusammenbruch.&lt;br /&gt;Samstag – der Elfte. Geburtstag von Roma. Wolfgang wütet in der Küche des Łaski-Hauses und vertreibt sogar mich. Chinesisches Essen mit Dorota und Benio.&lt;br /&gt;Freitag – der Zehnte. Wir feiern 146 Monate Ehe. Während des Fluges von Berlin nach Krakau blättere ich im Halbschlaf den zweiten Interviewband mit Konwicki durch. Und finde, was ich suche: „Es ist außerordentlich wichtig, die eigene Stimme zu finden, die eigene Sicht der Dinge. Jeder sieht schließlich die Welt auf seine Art.“&lt;br /&gt;Donnerstag – Berlin. In der Früh Erschöpfung, leichter Kater, Tai Chi an der Akazienstrasse, Kaffe mit Rhea, Heiko, Ursula, Hildegard im Café Bilderbuch. Von U. bekomme ich die Fotos aus Madeira. Das Ölbild „die heilige Anna und der heilige Joachim beim goldenen Tor“ eines unbekannten Meisters, das im Museum Arte Sacra in Funchal hängt. Darauf warte ich schon seit zwei Jahren. Es soll angeblich den polnischen König Ladislaus III, genannt Varnäer, und seine portugiesische Frau Eanes porträtieren. Wolfgang stößt zu uns, direkt aus dem Zug von der Ostsee. Dann Schwiegervater. Schwiegermutter. Schwager. Nächtliches Bier im Zwiebelfisch. &lt;br /&gt;Mittwoch – Flug nach Berlin. Einzelstunde bei Monika an der Akazienstrasse. Die Erfahrung von Außenräumen (dazu später mehr, versprochen). Ein wunderbarer Damenabend mit Maria K. beim Italiener.&lt;br /&gt;Dienstag, der siebte Februar: ich beende im Morgengrauen das erste Kapitel. Erledige Liegengebliebenes. Gehe zum Optiker und bestelle eine neue Brille. Eine Brille mit Gläsern für alles. Für den Computer. Für die Bücher. Für das Auto (obwohl ich keines besitze, auch keinen Führerschein). Für den Fernsehapparat (obwohl ich keinen besitze und nie fernsehe). Für die Strasse. Den Wald. Die Stadt und das Land. Krakau und Berlin. Die ganze Welt. Urbi et orbi. &lt;br /&gt;Montag – ich quäle mich mit den letzten Sätzen. Unerwartetes Abendessen mit Martin dem Älteren. &lt;br /&gt;Sonntag – ich quäle mich mit den letzten Sätzen. Unsere Schuhmacherin Frieda begeht heute ihr erstes halbes Jahrhundert. Spaziergang zu den Jungfrauenfelsen. &lt;br /&gt;Samstag – ich quäle mich mit den letzten Sätzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soviel zu den Antonymen. Ich ziehe Schlappen. Künstlerische. Erleide Niederlagen. Persönliche. Erziele Erfolge. Überzeitliche. Erringe Siege. Über die Wochentage. Das reicht. Sätze aus dem Schulheft.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-114012845575364870?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/114012845575364870/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=114012845575364870' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114012845575364870'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/114012845575364870'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/rekapitulation.html' title='Rekapitulation'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113995742045012288</id><published>2006-02-03T19:40:00.000+01:00</published><updated>2006-02-17T11:12:39.110+01:00</updated><title type='text'>Vogelperspektive</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/sm000051-Seeadler.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/sm000051-Seeadler.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung, dass sich an der Weichsel in Warschau einige Dutzend Seeadler eingefunden haben. Angeblich fliegen sie zwischen der Altstadt und dem Bielańskiwäldchen herum – das heißt unter den Fenstern von Grażyna, meiner bescheidenen, immer unsichtbaren Sekretärin. Ich konnte damals nicht darüber schreiben, denn im ganzen Land wurde geschwiegen. Also hielt auch ich mich daran. Außerdem sind die Seeadler in Warschau erst heute richtig von Bedeutung. Denn heute ist Grażynas Geburtstag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Trink, o trink aus dieser Lehte und vergiss Leonore!“ – „NIMMER!“&lt;br /&gt;Krächzte da der Rabe. „Nimmer!“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Himmel über der Brunstrasse, neben dem Mokotówfeld verdunkeln hingegen am frühen Morgen und kurz vor Einbruch der Dämmerung ganz gewöhnliche Raben. Sie versammeln von der Innenstadt kommend hoch in der Luft, so dass die Bewohner der Brunstrasse nicht einmal mehr den Kulturpalast erkennen können. Es sind Abertausende. Allesfresser. Mit scharfen, spitzen Schnäbeln. Und lilaglänzendem pechschwarzen Gefieder. Sie kommen abends. Setzen sich zum Schlafen in die Wipfel der alten Pappeln. Und stieben in der Früh wieder auseinander. Mit widerlichem Gekrächze. Bringen die langjährigen Mieter der zehnstöckigen Plattenbauten um den verdienten Schlaf. Bald taut es. Beklagen sich die immermüden Menschen. Und der Gestank auf der Strasse wird so schrecklich sein, dass wir die Fenster nicht mehr öffnen können. Im März beginnt die Brutzeit. Schon jetzt zerfressen die Exkremente der Raben den Lack der Autokarosserien. Und hinterlassen Flecken auf den taillenengen Kostüme der Damen. Wir können keine sozialen Kontakte mehr pflegen. Keinen Besuch mehr empfangen. Sagen die Brunstrassenbewohner und gehen nur noch mit Regenschirmen oder über dem Kopf aufgespannten Zeitungen aus dem Haus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Frag' ich dich, du Schicksalskünder: Ist in Gilead Balsam?“ – „Nimmer!“&lt;br /&gt;Krächzte da der Rabe. „Nimmer!“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Krakauer Stadtverwaltung bestätigt seit Jahren die etwas bedauerliche Tatsache, dass der Intelligenz der Raben in den Planty nicht beizukommen sei. Die durchschnittliche Intelligenz und Phantasie der Beamten würde leider immer an der hoch entwickelten Intelligenz der Vögel scheitern. Auch die Hoffnung der Warschauer Brunstrassenbewohner auf Raubvögel wie Habichte oder Falken, welche die Raben endgültig aus ihrer Strasse vertreiben könnten, erweist sich als nichtig. In Krakau weiß man bereits, dass Raben, wenn sie einen Falken sichten, sich mit dem abscheulichsten Gekrächze in die Baumkronen zurückziehen. Darauf sind Falken nicht vorbereitet und erstarren vor Schreck. Deshalb hat man die herzlahmen Raubvögel nun auf den Wawel geschickt, wo sie in Frieden Spatzen jagen. In den Planty hat man hingegen angefangen, Rabennester herunterzuholen. Und zu zerstören. Damit wurde die Anzahl leicht dezimiert. Übrig blieben degenerierte, gefühlsentleerte Rabenfamilien. Die sich sogar in die letztes Frühjahr eingesetzten Schnellschusskanonen verliebten. Mit ausgelassenem Gekrächze begrüßten sie die auf Traktoren anfahrenden Kanoniere.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Sag' mir, find ich nach dem trüben Erdenwallen einst dort drüben&lt;br /&gt;Sie, die von dem Engelschore wird geheißen Leonore?&lt;br /&gt;Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?“ – „Nimmer”,&lt;br /&gt;Krächzte da der Rabe. „Nimmer!” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steinadler bewohnen Felsen und Wälder in Europa, Asien und Amerika. In Polen kommen sie selten vor. Die hellen Seeadler besiedeln vor allem die Strände Nordeurasiens. Sie meiden grundsätzlich Menschen, aber zum heutigen Tag haben sie sich mit ihren weißen Schwänzen vor den Fenstern des Geburtstagskindes eingefunden. Sie stehen unter Artenschutz, also kann ihnen in der Hauptstadt nichts passieren. Sie sitzen seelenruhig auf den Eisschollen unter der Śląsko-Dąbrowski-Brücke und jagen Enten und Fische. Nur hier finden sie offene Wasserstellen im zugefrorenen Fluss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113995742045012288?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113995742045012288/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113995742045012288' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113995742045012288'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113995742045012288'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/vogelperspektive.html' title='Vogelperspektive'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113939105970781642</id><published>2006-02-02T10:30:00.000+01:00</published><updated>2006-02-08T11:26:07.873+01:00</updated><title type='text'>Mariä Lichtmess</title><content type='html'>Ich habe mich an die Staatstrauer gehalten. Und schwieg. Wie ein Grab. Arbeitete. Wie eine Ameise. Mit dem Kopf. Schaute durch das Fenster in den kalten Himmel. Erinnerte mich. Und schwieg. Überließ mich der Eingebung. Und dachte nach. Über den Buchstaben „M”. Ich bete ihn an. Den fortwährenden Mangel an „M”. Auf der Tastatur. Unter dem rechten Zeigefinger. Dafür sind in letzter Zeit mehr Punkte zusammengekommen. Die ich nun geradezu vergöttere. Unter dem Ringfinger. Punkte. Immer mehr Punkte. Doppelpunkte. Auslassungspunkte Strichpunkte. Und der Punkt auf dem Strich. Das Pünktchen auf dem i. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute ist Mariä Lichtmess. Und ich bleibe zu Hause. Vierzig Tage nach Weihnachten. Endet auch in Krakau die Weihnachtszeit. Endlich werden die Bäume am Marktplatz von den nachts glitzernden Lampenketten erlöst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei uns ging man an diesem Tag in die Kirche. Früher, vor langer Zeit. Mutter sagte, das sei gesund. Und gut für den Hals. Beschütze ihn. Für den ganzen Rest des Winters. Vor Schmerz. Und Entzündung. Gut für die Bronchien. Gut für alle Wege des Atems. Der Priester hielt uns Kindern zwei geweihte Kerzen über Kreuz an den Hals. Als ob er uns mit dem geweihten Wachs rituell erwürgen wollte. Und murmelte irgendetwas. Ich kann mich nicht erinnern, ob die Kerzen in den Händen des Priesters brannten oder nicht. Wie bei richtig Gestorbenen. Ob sie flammten. Ob das weiche reine Wachs über meine zitternden Schultern tropfte. Oder nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann mich an nichts erinnern. Im Radio sagen sie, das heutige Fest werde auch „Mariä Reinigung” genannt. In diesem Land weiß das Radio alles am besten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon wieder – zum wievielten Mal? – entdeckte ich Herrn K.’s Faszination des Buchstabens „K”. Kojran, Korwin, Kaziuk, Kękuś, Kuba, Kwok, Krupa, Krywko, Komar, Konar ... und wie sie alle heißen. Seine Romanfiguren. Vor zwanzig Jahren schrieb er, Herr K. mir eine Widmung in sein damals neuestes Buch: „der lieben Frau J. zur Erinnerung an die gemeinsame Qual“. Es gibt nichts Schlimmeres als das Erinnern. Für die Romanfiguren. Von Herrn K. Die er mit vielfältigen Buchstabenkombinationen, beginnend jeweils mit „K”, stigmatisiert. Ich übe mich in räumlichem Denken. In alphabetischen Ordnungen. Ich bewahre leere Zimmer. In meinem Kopf. Und werde sie irgendwann möblieren. Ganz bestimmt. Im ersten Stock des Łaski-Hauses haben alle Zimmer eine Nummer und einen Buchstaben. A oder B. Niemand weiß, warum. Und warum die Zimmer unter dem Dach, zu Unrecht eigentlich, nur mit Nummern ausgestattet sind. Ich wohne im Zimmer, das die Nummer 22 trägt. Mehr nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute ist Mariä Lichtmess. Dies ist, wie so vieles andere, der volkstümliche Name dieses Festtages. Kommt aus dem Radio. Wie wenn es das Radio immer schon gegeben hätte. Der Festtagskalender hingegen nennt den zweiten Februar das „Fest der Darstellung des Herrn im Tempel“. Da Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes. Er musste von den Eltern ausgelöst werden, wurde zum Priester gebracht und vor Gott „dargestellt“. Heute endet die Staatstrauer. Die ich tapfer durchstand. Mit Schweigen. Mit Arbeit. Mit Erinnern. Mit Nachdenken. Über den Buchstaben „K”. Ich bin vollkommen gesund. Im Zimmer zweiundzwanzig. Nichts fehlt mir. Weder im Hals noch im Bauch noch in den Beinen. Und die Bäume am Marktplatz werden endlich von ihrer nur nachts bunten Last erlöst.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113939105970781642?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113939105970781642/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113939105970781642' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113939105970781642'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113939105970781642'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/02/mari-lichtmess.html' title='Mariä Lichtmess'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113874077422862489</id><published>2006-01-29T16:00:00.000+01:00</published><updated>2006-01-31T22:08:02.510+01:00</updated><title type='text'>Pfusch am Bau</title><content type='html'>Ich übe mich in geometrischem Denken. In letzter Zeit träume ich konstruktivistisch. Andauernd irre ich in dunklen Untergeschossen herum. Am Tag und in der Nacht. Das Łaski-Haus in Krakau ist ausgestorben. Und wird noch längerer Zeit fast menschenleer in der Kälte stehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo gibt es das, dass wegen Pfusch am Bau (im polnischen Rundfunk umschrieben mit „Baukatastrophe”) eine 80-stündige Staatstrauer verhängt wird? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie gilt ab jetzt. Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum ausgerechnet ab „jetzt“, zweiundzwanzig Stunden und fünfundvierzig Minuten nachdem ein Hektar Dach aus elf Metern Höhe herunter gekracht ist. Geradewegs herunter. Auf Taubenzüchter, auf Taubenkäfige, auf Besucher der internationalen Brieftaubenmesse. Die Staatstrauer gilt ab jetzt, das heißt ab heute 16 Uhr (MEZ), denn vor wenigen Minuten ist das Skispringen in Zakopane zu Ende gegangen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich übe mich in geometrischem Denken. Ich untersuche die statische Ausrichtung der fiktionalen Räume in den drei „existenziellen“ Romanen von Tadeusz Konwicki. Vor wenigen Minuten erst habe ich das Gewicht eines einzelnen Wortes begriffen. Und verstanden, wie viel Sicherheit es gewährleisten kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo gibt es das, dass wegen Pfusch am Bau – offenbar menschgemacht und keineswegs gottgewollt - eine 80-stündige Staatstrauer verhängt wird, Druck ausgeübt wird, damit die Menschen auf die Knie fallen, die Hände falten, beten, Blut spenden, lamentieren, sich dem verordneten nationalen Martyrium unterwerfen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich übe mich in geometrischem Denken. Im eben erschienenen neuen Roman von Magdalena Tulli („Skaza“ [Makel], 2006) kann man nachlesen, welche Konsequenzen Fehler in der Konstruktion nach sich ziehen. Die Gewöhnung an Schlamperei. An schräg genähte Nähte. Schief geschnittene Stoffteile. Ich habe immer gesagt, dass diese Autorin nicht eine düstere, weit hinter uns liegende Vergangenheit beschreibt – sondern das, was uns allen bevorsteht. Aber das will keiner hören. Noch lesen. Was nur normal ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich übe mich in geometrischem Denken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113874077422862489?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113874077422862489/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113874077422862489' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113874077422862489'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113874077422862489'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/pfusch-am-bau.html' title='Pfusch am Bau'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113856538774073657</id><published>2006-01-25T19:09:00.000+01:00</published><updated>2006-01-29T22:10:48.466+01:00</updated><title type='text'>Wolkenlesen</title><content type='html'>Roma schickte mir den link auf ihre Lieblingswetterseite. „Dort kannst du die Temperatur ablesen, Niederschläge, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und -richtung sowie die Wolken“, schrieb sie. Und noch ein paar tröstlichere Sätze, die ausschließlich für mich bestimmt waren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lese jetzt Wolken ab von http://weather.icm.edu.pl/ und empfehle die Seite hiermit weiter. &lt;br /&gt;Ich lese die gefühlte Temperatur ab. Die Maximal-, die Minimal- und die Durchschnittstemperatur. Die gefühlte Temperatur liegt zu dieser Jahreszeit immer etwas tiefer als die Mindesttemperatur. Ich frage mich, wie diese Tabelle an einem schwülen Augusttag aussehen wird. Noch lebe ich der gefühlten Temperatur einer Januarnacht nach. Die Haut des Menschen ist empfänglicher für Wind. Als für Minustemperaturen auf dem Außenthermometer. Das am Küchenfenster klebt. Die Haut des Menschen ist Windempfindlich. Die Haut ist der geheimnisvollste Körperteil des Menschen. Windgeschwindigkeitsempfindlich. Windrichtungsempfindlich. Wolken hingegen berühren die Haut kaum. Außer sie regnen gerade ab. Heftig. Und unaufhörlich. Oder schütten Schnee auf unsere Häupter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Endlich habe ich Wetter im Zimmer unter dem Dach. Und den wolkenlosen Himmel über mir. Eine unendlich gefrorene Gleichgültigkeit. Jetzt warte ich auf Wolken. Hohe Wolken. Tiefe Wolken. Mittelhohe Wolken. Vertikale Wolken. Hauptsache Hängewolken. Wanderwolken. Über das Firmament. Jagende Wolken. Fetzen. In alle vier Himmelsrichtungen. Zerstiebende. Dann wird es meinen Engelinnen und mir wohler werden. Ums Herz.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß nicht, wie es kommt, dass ich seit einigen Tagen immer hungrig bin. Das fing an, als Wolfgang noch in Krakau war. Ja. Jetzt kommt es mir wieder in den Sinn. Sogar ganz genau. Wann der Hunger einsetzte. Und wo. Im Nationalmuseum. Am Samstag ungefähr um vier Uhr nachmittags. In der Galerie der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Im Vorraum der Ausstellung im zweiten Stock. Noch bevor die Nacht auf die Błoniawiesen herunterfiel. Vor einem der beiden Bildschirme, auf denen vier (auf beiden die gleichen) junge Künstler über die Frage der Innovation in der Kunst sinnierten. Früher einmal gab es noch so etwas wie Avantgarde. Heute macht man sich damit höchstens noch lächerlich. Etwa eintausendmal hörte ich Wortfetzen, ausgesprochen mit aller Ruhe der Welt, von einem der vier, der nichts anderes sagte, als: „nie, to już było” [nein, das war schon], „było, było” [war, war], „już było” [war schon], „na pewno było” [das war bestimmt schon], „było...” [war….]. So viele dieser „było” [war] tropften in mein Ohr ... – alles war schon. Man kann sich höchstens noch aus dem Küchenfenster stürzen. Aber das befindet sich leider im Untergeschoss, und ist zudem vergittert. Sie saßen an einem trüben Tag in einem Schrebergarten. Dicht nebeneinander gedrängt. Auf einer Holzbank. Dann im Vorfrühling auf einer großstädtischen Freiluftbühne. Auch auf einer Holzbank. Von üppigem Unkraut überwachsen. Und mich packte der Hunger. Ein Wolfshunger. Wie ein Wolkensturz. Ein heftiger Luftdruckabfall. Hektopascal. Zucker. Energie. Ein Loch. Im Magen. In den Adern. Im Herz. Ich kann mich kaum mehr auf den Füßen halten. Lass uns gehen. Zupfte ich meinen Allerliebsten am Ärmel. Lass uns weggehen. Schnell. Und zerrte ihn aus dem Nationalmuseum hinaus auf die Mickiewiczallee. Dort hingen noch Tageslichtreste. Und eine undurchdringliche Regenwand. Das war der Beginn des kürzesten Frühlings in diesem Jahr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am wichtigsten für den Magen sind also doch die Wolken. Roma hat Recht. Am wichtigsten für die Haut sind die Windströme. Und für die anderen Körperteile – mal sehen. Seit einigen Tagen bin ich immer hungrig. Die Zuteilung von Klopapier in diesem Haus ist streng limitiert. Allein die Schleierwolken am gefrorenen Himmel mögen wissen warum. Ich beklagte mich so nachhaltig, dass ich schließlich (gestern) eine ganze Packung erhielt. Sechs Rollen. Angereichert mit dem Duft einer Meeresbrise. Soll helfen bei Traurigkeit und Verstopfung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113856538774073657?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113856538774073657/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113856538774073657' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113856538774073657'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113856538774073657'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/wolkenlesen.html' title='Wolkenlesen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113847972711209552</id><published>2006-01-24T21:21:00.000+01:00</published><updated>2006-01-28T21:42:13.456+01:00</updated><title type='text'>Eiszeit</title><content type='html'>Ich verlasse das Haus nicht mehr. Gestern kaufte ich noch einmal ein. Für immer. Als mich der stinkende und dreckige Bus 192 pünktlich vom Flughafen zurückbrachte. Stieg ich an der Haltestelle Kastanienallee aus. Wie immer. Ging zum Laden Nr. 27 der Handelsgruppe „Jubilat”. Wie immer. Kaufte weiße Lebensmittel. Für den Frost. Milch, Joghurt nature (Halbliterbecher), Butter extra fett, Weißkäse. Und dunkle Lebensmittel. Wie die Januarnächte. Vollkornbrot. Kürbiskerne. Getrocknete Datteln. Bitterschokolade. Gegen Depressionen. Ich fürchtete, dass sich alles zusammen in einen großen Klumpen Eis verwandeln würde. Während der kurzen Reise der Pinguine nach Hause.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verlasse das Haus nicht mehr. Nie mehr. Heute früh machte ich mir Frühstück. In der ungastlichen Küche. Wieder bin ich allein. Alle sind ausgeflogen. Und die anderen schlafen noch. Es ist keiner mehr da. Weder im Haus. Drinnen. Noch draußen. Außerhalb des Hauses. Ich schaue durch das Dachfenster in den Himmel. Es gibt keine Vögel mehr. Keine Spechte. Keine Stare. Keine Lerchen. Die Engelin mit der Gießkanne ist auch ganz betrübt. Und die kleinen Engelchen an ihrer Hand starr vor Schreck und Wäschesteife. Ich schaue durch das Dachfenster in den Park. Es gibt keine Menschen mehr. Keine Hunde. Keine Großmütter. Keine Kinder. Es gibt niemanden mehr. Nirgends mehr. Nie mehr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verlasse das Haus nicht mehr. Niemals mehr. Nur am Abend im Laufschritt zu Chen-Martin. Aus dem ausgestorbenen Haus hinaus, durch den ausgestorbenen Park hindurch, über die ausgestorbene Straße hinüber. Es ist keiner mehr da. Ich bin mit Martin allein. Aber es ist logisch, dass die Chen-Form, wenn sie mit einem Schritt nach links beginnt, am Schluss den linken Fuß wieder neben den rechten Fuß zurückgesetzt haben will. Jeder Kreis schließt sich. Erst heute, nach fast vier Monaten Training bei Martin, habe ich den eigentlichen Sinn des Wortes „staw skokowy” – „Sprunggelenk“ verstanden. Mehr brauche ich nicht mehr. Ich kehrte zurück in das einzige geheizte Zimmer unter dem Dach des Łaski-Hauses. Und niemals mehr. Werde ich es verlassen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113847972711209552?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113847972711209552/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113847972711209552' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113847972711209552'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113847972711209552'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/eiszeit.html' title='Eiszeit'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113814533529725060</id><published>2006-01-23T16:28:00.000+01:00</published><updated>2006-01-25T22:14:07.740+01:00</updated><title type='text'>Pinguinleben 2</title><content type='html'>Und Wolfgang ist wieder nach Berlin zurückgeflogen. Bei klirrendem Frost. Nahm Ursula, die neue Stipendiatin aus der Priegnitz, mit. Kaum angekommen, hat sie schon wieder etwas zu erledigen zu Hause. Für immer entschwunden ist gestern Martin, der Ältere. Bei strengem Frost. Hinterließ er mir Mandarinen und löslichen Kaffee. Die Türen fallen hinter allen Weggegangenen zu. Die Zimmertür. Die Haustür. Die Taxitür. Der Kofferraumdeckel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wir sind wieder allein in diesem leeren riesigen Haus. Martin, der Jüngere und ich. &lt;br /&gt;Erst jetzt ist mir aufgefallen, dass ein Martin unter mir wohnte. Und der andere neben mir. Zur Rechten. Zur Linken wohnt niemand. Und über mir ist nur die Dachschräge. Und darauf liegen Dachziegel. Einer neben dem anderen, sorgfältig überlappend. Aufgelegt. Undurchlässig. Regensicher. Schneesicher. Bedeckt nun von ächzendem Frost. Die Schneereste sind am Samstagnachmittag als Tauregen heruntergetropft. Während eines kurzanhaltenden Intermezzos. Eines sogenannten unerwarteten Frühlingseinbruchs. Bevor der Temperatursturz in unser Leben trat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang schlief. Morgens. Ich schrieb. Er schnarchte. Ich lief. Mit den Fingern. Über die Tasten. Nach einigen Stunden weckte ich ihn. Und er erzählte mir die nächste Folge eines heroischkomischen nie endenwollenden Epos zum Guten Tag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All das wird mir wieder fehlen. Er. Das Schnarchen. Das Erzählen. Die Einschlafgeschichten. Und Aufwachgeschichten. Unsere täglichen Pinguinrituale. Die Liebestänze. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch bevor alle Türen zufielen, träumte ich, dass ich ein dunkles Gebäude betrat. Ein modernes, neuerbautes, siebenstöckiges Bürohaus. Ich kann mich nicht mehr erinnern, woher ich wusste, wie viele Stockwerke das Haus hat. Aber ich kann mich erinnern, dass ich es wusste. Ich betrat nur die ziemlich kleine, schäbige Eingangshalle. Durch eine Glastür, die sich geräuschlos hinter mir schloss. Für immer. Das wusste ich. Woher ich das wusste, kann ich nicht mehr sagen. Die Wände waren verkleidet mit Kunstholzplatten. Sehr glatten. Dunkelmahagonibraunen. Sehr kühlen. Undurchlässigen. Distanzierten. Unter den Fingerspitzen und Handflächen. Ich suchte einen Lichtschalter. Beide Hände. Tasteten die Wände ab. Ohne dass ich mich von der Stelle gerührt hätte. Gelähmt vor Angst. Ich wollte nur Licht anknipsen. Es gab keinen Schalter. Keine Deckenbeleuchtung. Es gab gar nichts. Nur in der Tiefe des winzigen Eingangsbereichs stand eine Tür zum Aufzug offen. Und der Aufzug war grell erleuchtet. Ich fürchtete mich, den düsteren Raum zu durchqueren. Ich fürchtete, die Aufzugstüren könnten sich plötzlich schließen. Vorzeitig. Weil jemand den Aufzug nach oben holt. Obwohl ich wusste, dass kein Mensch in diesem Gebäude ist. Dass hier noch nie ein Mensch war. Ich fürchtete, ganz ohne Licht dazustehen. Ich fürchtete mich davor, mich dem Aufzug zu nähern. Ich fürchtete mich davor, den Aufzug zu betreten. Ich fürchtete mich davor, dass ich im Aufzug zwar im Licht stünde, aber eingeschlossen. In einem Raum mit selbsttätig schliessenden Türen. In einem verengten Raum, der seine Fahrtrichtung selbst bestimmt. Ich fürchtete mich. Im Traum. Und rührte mich nicht von der Stelle. Im Traum. Ich beschloss, auf den Morgen zu warten. Im Traum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere Pinguinrituale. In der Früh schläft Wolfgang und ich stehe auf. Er schnarcht und ich schreibe. Er laut. Ich schnell. Dann erzählt er mir im Halbschlaf eine absonderliche Geschichte zum Guten Tag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war so verdammt kalt, dass ich nicht einmal weinen mochte am Flughafen. Ich dachte, die Tränen würden sich in meine Wangen eingraben. Die Haut verätzen. Die scharfe Kälte spüre ich auf der Haut. Den höllischen Schmerz unter der Haut. Dem Taxifahrer fror der Taxameter ein. Er berechnete den Preis aus dem Kopf. Ganz anständig. Einem Flugzeug ist es relativ gleichgültig, wo die Bodentemperatur liegt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113814533529725060?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113814533529725060/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113814533529725060' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113814533529725060'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113814533529725060'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/pinguinleben-2.html' title='Pinguinleben 2'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113814227336101595</id><published>2006-01-19T13:32:00.000+01:00</published><updated>2006-01-25T00:33:19.593+01:00</updated><title type='text'>Pinguinleben 1</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/pinguin-mensch.gif"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/pinguin-mensch.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt; Heute kam aus Berlin Wolfgang angeflogen. Gestern Vormittag gab es in ganz Wola Justowska kein Wasser. An der Strasse des 28. Juli war ein Rohr geplatzt. Niemand weiß, warum unsere Strasse ein Tag ist. Warum unsere Strasse ein Datum hat. Datiert ist. Und warum gerade mit dem und keinem anderen. Monat. Und Tag. Ich weiß nicht einmal, welchem Jahr dieser achtundzwanzigste Juli gehört. Ab und zu erhalte ich einen Umschlag von Freunden, adressiert mit „Strasse des 28. Juli 1843“, frankiert mit „priorité“. Und komme nicht mehr aus dem Staunen heraus. Woher wissen die das. In den Unteren Beskiden. In welchem Jahrhundert meine Strasse steckt. Auf den Strassenschildern prangt ein besserer Jahrgang. Mit den Strassen verhält es sich wie mit dem Wein. Mit den Schildern wie mit den Etiketten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang ist gut gelaunt gelandet. Brachte Einkäufe aus dem chinesischen Supermarkt am Alexanderplatz mit. Thailändischen Duftreis. Teuflisch scharfe Sriratchasauce. Chilischoten. Sojasprossen. Sojasauce. Tofu. Und dann, am Abend, überkam ihn eine tiefe Traurigkeit. Er hat die Essstäbchen vergessen. Wir müssen mit Gabeln essen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein halber Tag ohne Wasser. Die Hände wusch ich provisorisch im Schnee auf dem Dach. Nach kurzem Zögern auch das Gesicht. Noch selten fühlte ich mich so erfrischt. Eiseskälte auf der Stirn. Mein Gott, wie gut konnte ich arbeiten nach dem provisorischen Frühstück. Pani Dorota brachte uns eine Flasche Wasser aus der Villa. Und wir gossen es über Nescafé und Ginkoblätter. Ich beschloss, das Haus den ganzen Tag nicht zu verlassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gut, dass Wolfgang erst heute landete. Obwohl mich Berlin kein bisschen interessiert. Weder Zeitungen, noch Briefe, noch Einladungen. Wintergäste. VG-Wort. Teilrevision Siedlung. Ortsplanung. Mitwirkungsverfahren bei der Bevölkerung. Die Liestaler sind übergeschnappt. Alles sorgsamst mitgebracht. Landet auf dem Stapel „zur Durchsicht“. Schwiegervater. Ja. Bereitet Stirnrunzeln. Und Herzschmerzen. Wer weiß, wo er ist. Mit seinen Händen. Die bauen. Immer noch bauen. Tragen. Und schleppen. Ich bin versunken in Krakauer Gedanken. Das Wasser fließt wieder. Zum Glück. Und die Jahrhundertkälte steht irgendwo draussen vor der Tür. Der Bus 192 riecht wie immer nach Dorf. Er ist nicht mehr so arg überfüllt. Befördert deutlich weniger Touristen. Den Stallgeruch wird er aber deswegen noch lange nicht los.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113814227336101595?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113814227336101595/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113814227336101595' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113814227336101595'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113814227336101595'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/pinguinleben-1.html' title='Pinguinleben 1'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113796545740652382</id><published>2006-01-17T08:29:00.000+01:00</published><updated>2006-01-22T22:30:57.420+01:00</updated><title type='text'>Spechte</title><content type='html'>Für Sonntag wird schönes Wetter vorhergesagt. Meldete mein Mann am Samstag aus Stralsund per email. Also begab ich mich auf einen einsamen Spaziergang in den Wolskiwald. Und dort wimmelte es. Von Vätern mit Kindern. Auf Schlitten. Von Großeltern. Auf Bänken. Schneefrei geputzt. Mit Taschentüchern. Von Enkelkindern. Weinenden, zeternden, zappelnden. Bis ein Becher umkippte. In den dicken Fäustlingen. Und die Spechte. Familie der Piciformes. Schädel mit Sonderanpassungen. Federnde Verbindung zwischen Meißelschnabel und Hirnschädel. Kurze Läufe mit kräftigen Füßen. Stützschwanz. Bewohnen die Wälder fast der ganzen Welt. Eine relativ junge Gruppe, existierte zur Zeit der großen Landmassentrennungen wahrscheinlich noch nicht. &lt;br /&gt;Mit der Wettervorhersage sieht es in diesem Land schlecht aus. In den Zeitungen gibt es überhaupt kein Wetter. Und im Radio werden jeweils höchstens zwei Landesteile genannt, in denen ich mich meistens gerade nicht befinde. Um sieben Uhr fünfzehn in der Früh. Zum Beispiel in der Suwalszczyzna. Und in Niederschlesien. Oder an der Küste. Und in der Puszcza Białowieska. Mäßiger Wind. Das Hoch erreichte Zentralpolen. Schneefall. Und so weiter. Niemand kann mir sagen, wie das Wetter in Wola Justowska wird. Morgen. Oder übermorgen. Außer mein dickbäuchiger Mann guckt irgendwo auf der Welt auf www.allewetter.de. Und schreibt mir eine email. Höchste Zeit für einen Spaziergang. Kein Wort aus dem Wörterbuch. Allewetter. Ein Fehler in der Vorsehung. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Gehorsam ging ich in den Wolskiwald. Zürnte dem gleichgültigen Himmel und der gefrorenen Erde, dass Martin der Ältere mich ärgert. Mit seiner bereits obsessiv gewordenen Feststellung, dass das, was ich tue, keinen Sinn macht. Dass das, was ich bin, keinen Sinn ergibt. Ich bin eine Schweizerin, die deutsch und polnisch schreibt. Ich harre des Tages, an dem im Łaskihaus kein einziger deutschsprachiger Stipendiat mehr übrigbleibt. Ich hasse die nächtlichen Diskussionen über meine oder nicht meine Sprache. Schweizer haben keine Sprache. Überhaupt keine. Die Armseligen. Der Dreizehenspecht kommt in Polen nur in den Karpaten und in der Puszcza Białowieska vor, er ist schwarz-weiß gefiedert und das Männchen hat einen gelben Oberkopf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und schon geriet ich auf die schiefe Bahn. Unter den Jungfrauenfelsen stand ein einsamer Mann, der durch ein Fernglas in den Himmel guckte, eingepackt, wie alle Waldspaziergänger zu dieser Jahreszeit in eine dicke wattiert Jacke, mit Mütze auf dem Kopf und Schal um den Hals. Wie soll man da jemanden erkennen? Eine schwarze Silhouette im weißen Wald. Und schon. Genug. Meine Gedanken gefangen von einer hitzigen Debatte. Meine Schuhe versunken im schweren Schnee. Ein unschuldiger anderer Martin, mein Tai Chi-Lehrer steht am Sonntag im Wolskiwald. Und ich erkenne ihn nicht. Er beobachtet Vögel. Und erkennt mich. So wie er das in Polen seltene Weißrückenspechtmännchen mit seinem leuchtend roten Oberkopf erkannt hätte. Er grüßt. Und ich, dumm, aufgeschreckt, weiß nicht mehr, ob ich diesen Menschen per Du oder per Verehrter Herr ansprechen soll. Und schweige betreten. Seit dem letzten Winter trage ich einen roten Schal und rote Schuhe und ein rotes Stirnband. Ich bin einfach zu erkennen. Er war für mich aus dem Kontext gerissen (chen taijichuan Kurs im ersten Stock des Kulturhauses „Wola”). Ich für ihn offenbar nicht. Das heißt, er erfasst die Welt als Ganzes. Und ich nur ihre einzelnen Fetzen. Der Olivgrünspecht hat auch einen roten Oberkopf und ist in Polen weit verbreitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Montag hat sich alles ergeben. Um halb acht entstand der richtige Ton meiner nicht meiner Sprache auf der Tastatur des Laptops. Während unserer Übungsstunde im ersten Stock des Kulturhauses spielt oft unten jemand Klavier. Mal besser, mal schlechter. Aber das spielt gar keine Rolle. Die richtige Tonart. Die adäquate Konsonantenvibration. Ende aller Qualen. Eine riesengroße, unerwartete montägliche Erleichterung. Jetzt weiß ich, wie ich schreiben kann. Über Konwicki. Auf Polnisch. Das nächste Buch, das keiner braucht. Ruhig ging ich in die Küche hinunter zum Frühstück. Gewappnet. Und selbstsicher. Für den morgendlichen Zusammenstoss bei Nescafé mit Martin dem Älteren. Alle andern schlafen noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ab heute stehe ich um sechs Uhr auf und schreibe. Das ist meine beste Zeit. Das Radio von Frau Krakowska weckt mich. Kurz vor sieben kommt mein Lieblingsstück aus der Filmmusik zu „Chronik der Liebesunfälle“ von Wojciech Kilar. Na bitte. Überaus selten ist in Polen der Schwarzspecht. Aber alle Spechte stehen unter Vogelschutz.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113796545740652382?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113796545740652382/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113796545740652382' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113796545740652382'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113796545740652382'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/spechte.html' title='Spechte'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113771115797394441</id><published>2006-01-13T23:51:00.000+01:00</published><updated>2006-01-20T08:42:01.820+01:00</updated><title type='text'>Seelenallee</title><content type='html'>Heute ist der Dreizehnte. Gestern kaufte ich die neue Ausgabe von „Pół wieku czyśćca” [Ein halbes Jahrhundert Fegefeuer], der Gespräche von Stanisław Bereś mit Tadeusz Konwicki aus dem Jahr 1984. Die Ausgabe ist nicht ganz neu, sie erschien schon vor zwei Jahren. Aber für mich ist sie neu. Denn ohne diese Gespräche kann keiner mehr ernsthaft über Konwicki nachdenken. Kann niemand mehr ernsthaft anfangen, ein Buch über Konwicki zu schreiben. Die erste Ausgabe (London 1986), die zweite (zweiter Umlauf), die dritte (sozusagen offiziell), alle unter dem längst entzifferten Pseudonym eines Herrn Nowicki – verstauben in meinem Arbeitszimmer in Berlin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute schrieb mir Herr Bereś eine warme Widmung in das Buch. Gänzlich unerwartet, wie überhaupt dieser eisige dreizehnte Januar. Erschien er in der Villa, denn Martin, der Ältere ist zurückgekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der neuen Ausgabe gibt es kaum ein neues Wort. Außer des ergreifenden Vorworts des Fragenstellers – nach zwanzig Jahren. Natürlich. Erinnere ich mich an jene Zeiten in Warschau. Ich war damals ein sehr naives Mädchen mit Zöpfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neu sind hingegen einige Fotos. Von Nina Taylor: das Haus in der Kolonia Wileńska, in dem der junge Meister wohnte. Heutiger Zustand. Von einem unbekannten Fotografen: China 1956. Ohne weiteren Kommentar. Der junge Herr Konwicki vor einem knienden Elefanten.&lt;br /&gt;Ich schrieb eine email an den angeheirateten Sinologen. Mit der Frage, wo das sein könnte. Die Antwort kam unverzüglich in das Zimmer unter dem Dach: die Seelenallee, die zu den Ming-Gräbern führt. Nördlich von Peking. Alle Touristen auf dem Weg zur Chinesischen Mauer machen dort Halt. Um sich gegenseitig zu fotografieren (aktueller Stand siehe http://www.henner.info/chona/2004_0423_4.jpg). Immer schon. Denn dort stehen Tierpaare. Sich gegenüber. An der Allee. Der toten Seelen und Geister. Riesige Tiere aus Stein. Erweisen den toten Kaisern ihre Ehre. Es gibt ein Paar kniender Elefanten. Und ein Paar stehender. Der Meister steht vor dem knienden Elefanten und streicht ihm über die Nase. Über den Rüsselansatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die email endete mit der etwas verwirrenden Frage: Waren wir nicht zusammen dort?&lt;br /&gt;Der nachfolgende Dialog erfolgte über skype: &lt;br /&gt;„Weiß ich nicht.” &lt;br /&gt;„Wenn wir dort gewesen wären, müsstest du dich erinnern.“&lt;br /&gt;„Wahrscheinlich schon.”&lt;br /&gt;„Ich weiß, dass wir auf der Mauer waren.”&lt;br /&gt;„Ja. Das weiß ich auch.”&lt;br /&gt;„Ich habe ein Foto von Dir.“&lt;br /&gt;„Auf der Mauer?”&lt;br /&gt;„Ja, auf der Mauer!“&lt;br /&gt;„Allein?“&lt;br /&gt;„Ja!”&lt;br /&gt;„Ich weiß. Das Foto hat eine Frau gemacht, deren Name mit „M” anfing. Mehr weiß ich nicht mehr.”&lt;br /&gt;Wir begegneten uns in China. Der Beste Berliner und ich. Wann war das? Kurz vor dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Ich kehrte danach in die öde Schweiz zurück. Er in das kochende Berlin. Und dann trat absolute Stille ein. Für drei Jahre. Wie das Amen in der Kirche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ende der Abschweifungen. Es ist höchste Zeit. Von nun an muss ich mich ausschließlich auf Konwicki konzentrieren. Ich habe meine Bibel. Ein halbes Jahrhundert Fegefeuer. Mit einer Widmung vom Dreizehnten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113771115797394441?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113771115797394441/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113771115797394441' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113771115797394441'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113771115797394441'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/seelenallee.html' title='Seelenallee'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113726865815568936</id><published>2006-01-11T22:56:00.000+01:00</published><updated>2006-01-20T08:40:59.846+01:00</updated><title type='text'>Die Autorität</title><content type='html'>Die Autorität ist im Polnischen männlich, aber ein sogenannt „nicht menschliches“ Maskulin. Die Autorität ist grammatikalisch kein Mensch. Weder im Polnischen noch im Deutschen. Wir überprüften es im Wörterbuch. Meine Lehrerin und ich. Überrascht hat uns dabei, dass die Erklärung des Wortes (die in Wörterbüchern immer dann erfolgt, wenn das Wort selbst den Wörterbuchautoren zu wenig selbsterklärend erscheint) gleich nach dem Doppelpunkt als erstes Synonym, als erste semantische Möglichkeit das Wort „Mensch“ nennt. &lt;br /&gt;„Autorität: Mensch, Institution, Doktrin, Schrift usw.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem tauchte in einer unschuldigen Konversation auf:&lt;br /&gt;„Was machst du?“&lt;br /&gt;„Ich schreibe. Zitiere Autoritäten [poln. autorytetów – gen.pl., Anm.d.Übers.]“&lt;br /&gt;„Ich zitiere Autoritäten [poln. autorytety – akk.pl., Anm.d.Übers.]“, berichtigt die Lehrerin.&lt;br /&gt;„Warum?“ Ich begehre auf. „Ich zitiere Spezialisten. Ich zitiere Kollegen. Ich zitiere Fachleute.”&lt;br /&gt;„Richtig. Spezialisten, Kollegen, Fachleute sind im polnischen zwar männliche Substantive, enden aber auf –a und werden wie weibliche Substantive dekliniert. Weibliche Substantive bereiten keine Schwierigkeiten. Nie.”&lt;br /&gt;„Wunderbar!“ So schnell gebe ich nicht auf. „Ich zitiere männliche Personalformen. Ich zitiere Gewährsmänner. Ich zitiere Wissenschaftler. Ich zitiere Konwickologen. Neurologen. Astrologen. Laringologen. Gynäkologen. Endokrinologen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht nicht um den Hormonhaushalt. Verbissen versuche ich, Frauenliteratur zu betreiben. Momentan, in meinem Krakauer Leben ist meine einzige Autorität „M“ wie Martin. Gestern nach dem tai chi schien es mir vollkommen unmöglich, die Chenform je zu erlernen. Martin hielt uns auf Trab. Mich in den Wechseljahren und die beiden pubertierenden Jungs. Ich beklagte mich nach der Stunde. Bei Martin. Zum ersten Mal. Hätte ich geschwitzt. Zum ersten Mal. Hätte ich Muskelkater. Zum ersten Mal. Beruhigte er mich. Das sei ein gutes Zeichen. Lächelte er freundlich. Gute Muskelarbeit. Geknickt kehrte ich durch den Park in das leere Haus neben der Villa zurück und dachte, nie. Nie werde ich diese Form beherrschen. Und heute schlossen wir die Kurzform der 19 Bewegungen ab. Sie dauert zwischen drei und dreieinhalb Minuten. Und ist die einfachste aller möglichen. Formen. Für Anfänger. Für solche, die keine Zeit haben. Zu üben. Und plötzlich kann ich sie. Mehr oder weniger, natürlich. Aber es geht. Irgendwie. Von dem Moment an, in dem ich Absicht und Ambition aufgab. Jetzt fürchte ich nur noch das Fliegen – die letzte Bewegung vor dem Abschluss der Form – durch den ganzen Gymnastiksaal im ersten Stock des Kulturhauses „Wola”. Aber abgesehen davon, spult sich das Ganze ab wie ein glänzender Seidenfaden. Und alles ist in Ordnung. Als ich oben ankam, betrat ich das dunkle Łaskihaus, kochte mir in der kalten Küche Tee – und plötzlich fiel die ungeheuerliche Anspannung der letzten Tage, der letzten Jahre von mir ab. Vollkommen unerwartet. Im Moment, als ich meine Widerspenstigkeit aufgab. Meinen Aufruhr. Den äußerlichen. Und innerlichen. Und mich in die ungemütliche Küche setzte. Noch vor dem Vollmond. Das ist alles. Und schon geht es nicht mehr um den Hormonhaushalt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wechsle die Themen. Springe von einem zum anderen. Ich wechsle die Sprachen. Springe vom Deutschen ins Polnische. Vom Polnischen ins Deutsche. Ich hatte nie eine Muttersprache. Denn mich lernte man zu Hause einen seltsamen hügelansteigenden Dialekt, der weder zu beschreiben noch aufzuschreiben ist. Der keine Buchstaben kennt. Noch eine Schrift. Ich hingegen habe die Sprache unter den Fingern. Auf der Tastatur. Unter den Kuppen. Nicht im Mund. Nicht zwischen den Zähnen. Nicht im Hals. Jetzt wechsle ich auch die tai-chi-Formen. Springe vom Chuan ins Chen. Und nichts geschieht. In meinem Zimmer unter dem Dach praktiziere ich morgens Chuan. Und bei Martin am Abend Chen. Ich beziehe mich auf ernsthafte Autoritäten. Ein Satz aus der Polnischstunde. Aus dem Heft mit den ungeordneten Notizen. Von Hand eingetragenen im Übrigen. Ich wechsle die Bleistifte. Ich wechsle die Wörterbücher. Ich wechsle die Dateien. Ich wechsle die Martins. Wolfgang fand mir einen weiteren. In Internet. Er nennt sich lapidar "Der Martin in Krakau". Mit bestimmtem Artikel. Und führt seinen blog „martininpolen”. Im Polnischen gibt es keine Artikel. Weder einen bestimmten noch einen unbestimmten. Die Autorität ist im Polnischen männlich, aber ein sogenannt „nicht menschliches“ Maskulin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113726865815568936?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113726865815568936/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113726865815568936' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113726865815568936'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113726865815568936'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/die-autoritt.html' title='Die Autorität'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113702555956723295</id><published>2006-01-08T17:19:00.000+01:00</published><updated>2006-01-13T22:45:56.150+01:00</updated><title type='text'>Die Hand</title><content type='html'>Ich träume überhaupt nie. In Krakau. Das ist seltsam. Wo doch das Haus voller Geister ist. Die sich von dem Abgelaufenen, Unaufgegessenen der Stipendiaten aus aller Welt ernähren. Aber nachts schlafen wir. Seelenruhig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern packte mich eine tiefe Depression. Sie dauerte kurz, war aber ziemlich heftig. Der Schmerz ist die Kehrseite der Zeit. Und die Intensität die Innenseite der Magenkrämpfe. Traurigkeit erdrückte mich plötzlich. Ein Satz nicht aus dem Wörterbuch. Mehrere Stunden lang. Heute ging ich im Wald spazieren. Auf der Suche nach Sauerstoff. Und der lichten Seite der Welt. Ich fand sie unter den Füßen. Der Wald war weiß. Die Erde bedeckt mit Eis. Darüber lag Schnee. Mit mir wanderten Polka und Tango. Über den Schnee. Manchmal rutschten sie auf dem Bauch. Über die weiße Seite der Welt. Sausten abwärts. Danach führte ich sie hinauf auf den Piłsudskihügel. Sie suchten meine Hände. Polka die linke. Tango die rechte. Und schnauften schwer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht kam der Traum. Der erste Traum in diesem Jahr. Der erste zweibeinige Traum in diesem Leben. Kam nach Krakau und reichte mir die Hand. Als ob er um Verzeihung bitten wollte. Ich habe keine Ahnung, wofür. Dann ging er ohne ein Wort des Abschieds weiter. Aber die Hand ließ er zurück auf dem weißen Tischtuch in der Küche. Damit jemand da ist. Wenn ich zum Frühstück herunter komme. Die Küche ist weder im Traum noch in Wirklichkeit gemütlich. Ohne Sinn und Verstand vergegenwärtige ich mir jetzt, dass der Traum mir die linke Hand gegeben hatte. Der Traum ist Linkshänder. Wie meine Engelin. Die Putzfrau wechselt von Zeit zu Zeit das Tischtuch. Der Tisch ist für zwölf Personen bestimmt. So viele Stühle stehen um ihn herum. Schwere. Lärmende. Hölzerne. Stühle. Mit hohen Lehnen. Man kann die Ellbogen aufstützen. Im Stehen. Oder den Hinterkopf anlegen. Im Sitzen. Je nach Lust. Und Laune. Aber es ist keiner da. Das Tischtuch ist sauber. Das Tischtuch macht schaudern. Das Tischtuch ist unberührt. Unter dem Schnee liegt eine dicke Eisschicht verborgen. Das Tischtuch ist eine dünne künstliche Metalldecke. Bügelfrei. Niemand versteht den Feinsinn. Von Herrenhemden. In der Früh sitze ich allein am Tisch. In der unwirtlichen Küche. Der Tisch ist für niemanden gedeckt. Würde hier nämlich jemand Suppe kochen oder Teller waschen wollen, könnte sich daneben keiner mit dem anderen mehr unterhalten. Deshalb sind alle weggefahren. Zu den orthodoxen Weihnachtsfeierlichkeiten. Nach Przemysł. Nach dem alten Kalender. Kein Wort wäre zu verstehen. Die Akustik ist von Architektenhänden gemacht. Mein Schwiegervater baut Türme. Im Speisesaal. Im alten Refektorium. Mein Großvater hat Schmerzen in den Knien. Auf dem synthetischen Tischtuch liegt mir gegenüber eine einzelne Hand. Haarig. Warm. Fleischig. Vielleicht eine pelzige Tatze. Nein. Eine Hand. Eine müde Hand. Die Hand des Schlafes. Die linke Hand des ersten zweibeinigen Traums des Jahrhunderts. Wie spät ist es? Im Traum gibt es keine Armbanduhren. Weder nach dem alten noch nach dem neuen Kalender. Die linke Hand besitzt weder einen Reisepass noch eine Luftröhre. Falls ich wieder aufwache, stelle ich ihr die zweite zur Seite. Damit der Dual sich vollenden kann. Und erfinde uns allen eine Geschichte. Ein abendliches Tête-à-tête. Mit einem Gläschen Shiraz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern packte mich eine tiefe Depression. In der Polnischstunde lernte ich, dass wir nur zwei Hände haben. Pinguine haben angeblich zwei Ohren. Ein Milchkännchen einen Schnabel. Darumas gucken mit zwei leeren Augen, aber im Suppenteller schwimmen fette Fischaugen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich träume überhaupt nie in Krakau. Ich wollte eine Karte schreiben, nach den Feiertagen, nach dem Neujahr, an eine gewisse wichtige Dame. Höflich in Deutsch. Und von Hand. Bei dem Wort „Zweidimensionalität” bekam meine rechte Hand einen Wutanfall, griff auf ihr polnisches Gedankenguthaben zurück und schrieb selbsttätig „Dzwaj...”.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113702555956723295?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113702555956723295/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113702555956723295' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113702555956723295'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113702555956723295'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/die-hand.html' title='Die Hand'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113684099715197723</id><published>2006-01-06T15:07:00.000+01:00</published><updated>2006-01-13T22:46:09.193+01:00</updated><title type='text'>Martin zum Achten</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/marcin1.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/marcin1.0.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Martin Teil Sieben siehe „Gelber Reis“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letztes Jahr wimmelte es von Martins. In meinem Krakauer Alltag. Jetzt werden es immer weniger. Hier steigt der Letzte Martin zu unserer alpinen Berghütte auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Martin der Vorletzte&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113684099715197723?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113684099715197723/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113684099715197723' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113684099715197723'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113684099715197723'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/martin-zum-achten.html' title='Martin zum Achten'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113668275859190953</id><published>2006-01-04T14:11:00.000+01:00</published><updated>2006-01-13T22:46:28.530+01:00</updated><title type='text'>Gelber Reis</title><content type='html'>Wir sind zurückgekehrt. Wie versprochen. Polka, Tango und ich. In das Zimmer unter dem Dach. Das Łaskihaus ist ausgestorben. Nur Martin der Jüngere ist noch da. Mein Nachbar hier oben, der seine eigene Matratze mitbrachte. Und hartnäckig versucht, sich das alte leere Haus zu unterwerfen. Mit Küchendünsten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang, mein dickbäuchiger Ehemann, ist zu seinen Studierenden zurückgekehrt. Ich speise also wieder in der Stadt. Wozu Zeit verlieren. Mit Zwiebelgeschnippel. Ich bin eine Frau im fortgeschrittenen Alter. Und leide an hormonell bedingten Stimmungsschwankungen. Kurz gesagt. Wolfgang hat es gut. Er braucht sich nicht in positivem Denken zu üben. Er hat es in sich. Von Kindesbeinen an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb nehmen wir in unserem Eheleben nur gelben Reis zu uns. Solange es einen Kaiser in China gab, war die gelbe Farbe für ihn reserviert. Heute färbt mein Privatkoch fröhlich alles sonnenauf- oder -untergangsgelb. Mit Kurkuma, das er kiloweise bei den Türken in Kreuzberg kauft. Den thailändischen Duftreis, die italienischen Nudeln, die griechischen Krithiraki, die deutschen Kartoffeln. Aber auch Saucen, Suppen, Frischkäse. Und die weißen Küchenhandtücher. Die weißen Sonntagshemden. Und den Fußbodenbelag. Sowie verschiedene Kunststoffteile der Kücheneinrichtung. Mein Koch kocht nur mit frischen Zutaten. Und mit kreativer Hingabe. Absolut nicht leiden kann er in der Küche dumme Fragen der hungrigen Ehefrau. Denn er rührt. Und spritzt. Und wirbelt. Und wirbelt. Und wirbelt. Montags packt dann Pani E. die Verzweiflung. Die gelben Flecken gehen nie mehr aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Koch ist übergewichtig und kam zu Weihnachten nach Krakau mit dem kleinsten Tütchen Kurkuma, das in Kreuzberg verkauft wird. Unverzüglich machte er sich an die Arbeit. In der Küche des Łaskihauses entdeckte er sofort Gelbwurzspuren. Einen gelben Reisrest. Von Martin dem Jüngeren. In einem Topf. Den jetzt er, mein Ehemann, brauchte. &lt;br /&gt;„Wer mit Kurkuma kocht, kann kein schlechter Mensch sein”, verkündete er.&lt;br /&gt;Niemand hat die Absicht, einen Martin der Schlechtigkeit zu bezichtigen.&lt;br /&gt;Niemand hat die Absicht, eine Mauer in Berlin zu errichten.&lt;br /&gt;Historische Aussagen. Ich glaube nicht mehr. Weder Wörtern, noch Versprechen, noch Sinnen. Den Gerüchen, die ich Tag für Tag aus dem Treppenhaus vertreibe, denn dort bleiben sie hängen, nachdem sie der Küche entflohen sind, ist die Farbe gelb fremd. Frische Zutaten kennen sie nicht. Glaubt man den Überbleibseln – der Menge von leergegessenen Gläsern und Dosen – dann ernährt sich Martin der Jüngere in Krakau wie auf einer alpinen Berghütte. Von Konserven. Und Notvorräten. Um zu überleben. Während eines harten Winters. Ich glaube nicht einmal an Kurkuma. Der gelbe Reisrest im Topf war eine Eintagsfliege.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind zurückgekehrt. Wie versprochen. Polka, Tango und ich. In das Zimmer unter dem Dach. Während ich die Treppen hochsteige, reiße ich instinktiv das Fenster auf. Mein Zimmer ist ein beschützter Raum. Eine dritte Engelin ist dazugekommen. Geschenk der Bibliotheksdirektorin aus Bochnia. Und zwei Engelkaffeebecher. Geschenk meiner Polnischlehrerin. Ich kann mich nicht beklagen. Alle bösen Geister sind verglüht. Mein Zimmer ist rein. Küchendunstfrei. Martinfrei. Gelbfrei. Das Kurkumapulver füllte ich in ein leeres Honigglas um. Es wartet in der Küche auf den Koch. Ich bin allein mit Polka und Tango. Ich habe einen zweiten Schreibtisch. Jetzt kann ich endlich arbeiten. Meine Papiere und Gedanken ausbreiten. Auf dem zweiten Schreibtisch steht der zweite Maitreya – der Buddha der Zukunft. Ewig lächelnd. Wie Wolfgang. Mit dickem Bauch. Wie Wolfgang. Mit einer Kalebasse. Wie Wolfgang. Falls er endlich zu seiner Posaune zurückfindet. Der Buddha der universalen Liebe. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Auf dem ersten Schreibtisch liegt mein Bernsteinklumpen. Geschenk, vor Jahren, von Pani A. Ich leide an hormonell bedingten Stimmungsschwankungen. Kurz gesagt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113668275859190953?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113668275859190953/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113668275859190953' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113668275859190953'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113668275859190953'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/gelber-reis.html' title='Gelber Reis'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113650569540971633</id><published>2006-01-01T23:00:00.000+01:00</published><updated>2006-01-13T22:45:01.276+01:00</updated><title type='text'>Ausflug in die Tiefen der Grammatik</title><content type='html'>Neujahr in Danzig. Teil zwei. Bis zum Abend waren wir alle wieder hungrig. Also trafen wir uns zu einem erlesenen Abschiedsessen. Zwischen dem Salat und der Suppe servierte Radek nach so vielen Jahren unserer Freundschaft, nach so vielen Jahren meiner sprachlichen Qualen, mit leichter Hand und frischem Geist einen „Zwischen-Gang“ – wie das meine Russischlehrerin in Basel seligen Gedenkens zu nennen pflegte, wenn sie zwischen dem Appetitanreger und der kalten Vorspeise genüsslich ihre erste Zigarette anzündete.&lt;br /&gt;Vielleicht war es auch Radeks „Zwischen-Satz“.&lt;br /&gt;Denn er verkündete in aller Seelenruhe: „Das ist ganz einfach!“ Radek ist Mathematiker und weiß fast alles. Wie Wolfgang. „Du, Judith und ein Hund männlichen Geschlechts bilden grammatikalisch im Polnischen eine „männlichpersonale” Gruppe. Du, Judith, bringst in diese Gesellschaft mit beschränkter Haftung als Frau die „Person“ ein, der Hund die „Männlichkeit“. Das Männliche dominiert in der polnischen Grammatik immer. Auch wenn sie vom Hund kommt. Und tausend Frauen daneben stehen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin sprachlos. &lt;br /&gt;„Das soll wohl ein Witz sein...“, bringe ich mühsam hervor. Und meine Stimme, selbständig wie immer, versagt mir sofort ihren Dienst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich ringe nach Atem. Radek frohlockt. Gleich kommt sein Żurek. Er schüttelt den Kopf. Wehrt ab. Ist alles ernst gemeint. Aber keine Sorge, beruhigt er vom anderen Ende des Tisches, viele Polen kennen diese Regeln auch nicht. Ein überaus schwacher Trost. Denke ich. In letzter Zeit höre ich das immer wieder. Dass auch die Polen… mit dem einen oder anderen nicht zurechtkommen. Als ob die Tatsache, dass auch die Polen… irgendetwas an meiner misslichen Lage verbessern würde. In dieser Sprache. Das allerschönste Kompliment des vergangenen Jahres war die anerkennende Feststellung meiner Polnischlehrerin, dass ich das Niveau (oder den Standard?) der Sprachschwierigkeiten und Fehlerquoten der native speaker erreicht habe. Das heißt, in meinem Kopf befinden sich ebenso viele Fragezeichen wie in jedem polnischen Kopf. Nur dass die in meinem Kopf - im Gegensatz zu den polnischen Köpfen - Verheerendes anrichten. Mein Denken anregen. Ich überlege nur noch. Wäge ab. Hin und her. Und auf und ab. Mir vergeht. Der Mut. Zum Risiko. Grażyna, meine diskrete und heimliche „Sekretärin”, riet mir schon vor langem „folge der Intuition“. Aber die ist vor die Hunde gegangen. Und eingeschlafen. Bereits im vergangenen Jahr. Kehren wir also zu Radek zurück. Er hat seine heiße Suppe ausgelöffelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das ist reine Mathematik”, sagt der Mathematiker und kaut am letzten Rest meiner Verzweiflung. „Und Mathematik ist einfach. Ein Mensch weiblichen Geschlecht ist grammatikalisch eine Sache. So wie ein Vogel, eine Parkbank, oder ein Baum. Ein Mensch weiblichen Geschlechts, bzw. eine sogenannte Frau kann grammatikalisch zur Person aufsteigen, falls sie einen geeigneten Partner finde. Als Partner kommen in Frage entweder ein Mensch männlichen Geschlechts, oder ein Tier, auch männlichen Geschlechts. Wenn also eine Frau eine Grammatikallianz eingeht mit einem Erpel, dann werden beide sprachlich als männliche Personen behandelt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So langsam dämmert es mir. Der Hund (meiner, nur meiner) liegt in Feleks Polnischunterricht begraben. Felek schwelgte in seinen Ausnahmen, die er stundenlang, wochenlang, jahrelang mit Inbrunst an die Tafel malte. Felek hielt seine Polnischstunden in Deutsch ab. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das überhaupt möglich war. Ich kann mich nur noch erinnern, dass es genauso war. Felek benützte eine Grammatik der polnischen Sprache, die in Deutsch abgefasst war. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das möglich war. Ich kann mich nur noch erinnern, dass es so war. Und dort, in diesem schmalen Bändchen wurde der diskriminierende mathematisch-grammatikalische polnische Begriff „męskoosobowy” [männlich-personal] wunderbarerweise verwandelt in „männlich-belebt”. Die ganze Zeit, ein halbes Jahrhundert lang, länger als ich Roma kenne, sitzt in meinen grauen Zellen dieses idiotische Wort aus der polnischen Grammatik in deutscher Sprache fest: „männlich-belebt”. Seinetwegen – und nur seinetwegen – wollte ich nie begreifen, warum der Stier grammatikalisch „nicht männlich belebt” ist, also eine Sache, obwohl doch auch er in der Arche Noah sein Plätzchen fand, genauso wie der Löwe, der Hase, der Hahn, der Spatz, der Schwan oder der Pinguin!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Felek ist an allem schuld. Morgen kehre ich mit den Danziger Pinguinen nach Krakau zurück. Am Abend werde ich mit ihnen den Weg von der Bushaltestelle bis zur Villa zu Fuß zurücklegen. Pinguine können nur auf Schnee laufen. Und daran fehlt es auf der Kastanienstraße bestimmt nicht. Übermorgen schreibe ich meinen nächsten Bericht. Polka, Tango und ich kehrten als polnisch-männliche Personalunion nach Hause zurück.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113650569540971633?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113650569540971633/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113650569540971633' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113650569540971633'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113650569540971633'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/ausflug-in-die-tiefen-der-grammatik.html' title='Ausflug in die Tiefen der Grammatik'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113649023510645276</id><published>2006-01-01T10:40:00.001+01:00</published><updated>2006-01-06T20:10:18.696+01:00</updated><title type='text'>Neujahr in Danzig</title><content type='html'>Die Silvesternacht brachten wir in bester Laune hinter uns. Unter lautem Krachen. Bei unaufhörlichem Schneefall. Auf der höchsten Moräne über Danzig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß nicht mehr, wie oft ich schon davon berichtete. Wir alle sind älter geworden. Ich weiß nicht mehr, welch unsentimental schönen Wörter immer bereit standen. Heute ist es so, dass die fast erwachsenen Kinder meiner Freunde zu ihren Parties gehen und die Eltern in der sturmfreien Bude hocken bleiben. Der Sohn von Ewa und Janusz heißt Martin. Der nächste in der Kollektion. Früher war es umgekehrt. Aber ich weiß nicht mehr, in welch poetischer Verkürzung unsere lange Geschichte jeweils Platz fand. Mit einem Wort: Roma ist die erste Person, die ich in Polen kennenlernte. Und die ich bis heute kenne. Roma und ich kennen uns länger als Roma und Radek, als ich und Wolfgang, als Roma und Ewa usw. Wir kennen uns, mathematisch präzise ausgedrückt, auf den Tag genau sechsundzwanzig Jahre und fünf Monate. Wir begegneten uns zum ersten Mal am ersten August 1979 in Osiek an der Weichsel. Gegen Abend. Ich auf dem Fahrrad, mit einer Tagesetappe in den Waden. Roma im Urlaub, mit ein paar Englischkenntnissen im Kopf. Ich suchte ein Bett. Sie hatte Verwandte. Und das war’s. &lt;br /&gt;Letztes Jahr (nein, vor anderthalb Jahren!) feierten wir unser silbernes Jubiläum in Darłowo. Mit unseren Fahrrädern (natürlich anderen als damals) und unseren Ehemännern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roma lebt, wenn sie nicht gerade im Urlaub ist, in Danzig. Damals in Osiek, nach dem Frühstück in der Küche ihrer Tante, schrieb sie mir ihre Danziger Adresse auf ein Stück Papier oder in mein Reisetagebuch (schon damals machte ich mir über alles und jedes Notizen). Ich weiß es nicht mehr (aber irgendwann lässt sich das in Berlin verifizieren). Und ich lebte damals, wenn ich nicht gerade auf dem Fahrrad saß, in Basel. Roma traf ich zum ersten Mal auf einer normal gepflasterten Straße am helvetischen Nationalfeiertag. Warum die Schweizer ausgerechnet an dem Tag feiern, an dem wir uns begegneten, weiß auch kein Mensch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, weshalb – bereits während meines Studiums in Warschau, ganz am Anfang, im Jahr 1983 – die Tradition ihren Anfang nahm, dass wir die Silvesternacht zusammen verbringen. Jeder weiß, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Aber wir, altmodische Traditionalistinnen, lieben unseren Trott. Und Trotz. Unsere Sucht. Und Suche. Zu Silvester fahre ich nach Danzig. Mal sehen, ob der Zug im Schnee stecken bleibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß gar nichts mehr. Wir alle sind älter geworden. Wolfgang und ich gingen vor dem Frühstück an der Motława spazieren. Frohgemut. Die Silvesternacht lag hinter uns. Das Krachen. Die Schneeverwehungen. Auf der höchsten Moräne über Danzig.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113649023510645276?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113649023510645276/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113649023510645276' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113649023510645276'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113649023510645276'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2006/01/neujahr-in-danzig.html' title='Neujahr in Danzig'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113595923329083088</id><published>2005-12-30T17:12:00.000+01:00</published><updated>2006-01-03T12:05:46.173+01:00</updated><title type='text'>Extrablatt</title><content type='html'>&lt;div align="center"&gt;&lt;a href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/PICT0252.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center;" alt="" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/PICT0252.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-size: 12pt;" lang="PL"&gt;©&lt;/span&gt; Romana Babnis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht von Donnerstag auf Freitag traten in unser Leben zwei ausgewachsene Danziger Pinguine ein. Wir tauften sie auf die Namen Polka und Tango.&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113595923329083088?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113595923329083088/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113595923329083088' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113595923329083088'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113595923329083088'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/extrablatt.html' title='Extrablatt'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113579191295882178</id><published>2005-12-28T18:44:00.000+01:00</published><updated>2005-12-28T22:59:43.550+01:00</updated><title type='text'>Bagua und Daruma</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/bagua.gif"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/bagua.gif" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang hat mir einen Geisterspiegel aus China mitgebracht, konkav, mit den acht Triagrammen rundherum – Bagua. Für mein Zimmer unter dem Dach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang hat uns aus Japan zwei Familienglücksdarumas mitgebracht. Im Duo-Pack. Einer ist rot, der andere weiß. Du kannst wählen. Bot er an. Großzügig wie immer. Und ich nehme, was übrig bleibt. Darumas haben zwei leere Augen, iris- und pupillenlos. Am Neujahrstag werden wir ein Auge ausmalen. Dies ist reines Futur eins. Wir werden einen schwarzen Punkt in die Mitte setzen, da uns Farben und Fähigkeiten für mehr fehlen. Wir werden dem einen leeren Auge den vollen Blick verleihen – und uns dabei etwas wünschen. Jeder für sich allein mit seinem Daruma. Ich mit dem weißen. Wolfgang mit dem roten. So wähle ich. Und ihm bleibt nichts anderes übrig. Die Welt ist ungerecht. Aber wenn unsere getrennten Wünsche, jeder für sich allein, in Erfüllung gegangen sein werden, werden wir das zweite Auge ausmalen müssen. Jeder an seinem Daruma. Dies ist reines Futur zwei. Einen schwarzen Punkt in die Mitte der Leere setzen. Dem toten Augenweiß den lebendigen Blick verleihen. Und den Pappmachékopf verbrennen. Jeder für sich allein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Glück ist unaufhaltsam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Geisterspiegel ist konkav. Das heißt, er hat eine nach innen gewölbte Linsenoberfläche und zieht die bösen Geister an wie ein klebriger Leimstreifen in Großmutters Bürner Küche die Fliegen im Hochsommer, und verglüht sie. Wäre der Spiegel konvex (auch solche gibt es zu kaufen in China), würde er das Böse auch anziehen und dann zerstreuen. Das hieße: gleichmäßig auf meine Nachbarn im Łaskihaus verteilen. Und all meine Martins rund um mich herum in ganz Krakau ins Unglück stürzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Unglück ist unaufhaltsam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang ist ein lebensfroher Mensch, wie kaum ein anderer. Deshalb hat er mir einen Geisterspiegel aus China mitgebracht, konkav, mit den acht Triagrammen rundherum – Bagua. Für mein Zimmer unter dem Dach. Für meine Nachbarn. Das Haus. Die Stadt. Und den Erdkreis. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen guten Rutsch und alles Gute im Neuen Jahr. Wir fahren morgen nach Danzig, zu Roma und Radek und Eva und Janusz. Meinen besten und ältesten Freunden in diesem Land. Ins Internet komme ich in diesem Jahr nicht mehr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113579191295882178?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113579191295882178/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113579191295882178' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113579191295882178'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113579191295882178'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/bagua-und-daruma.html' title='Bagua und Daruma'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113544183804013829</id><published>2005-12-24T17:30:00.000+01:00</published><updated>2005-12-25T18:01:22.620+01:00</updated><title type='text'>Weihnachten in Krakau</title><content type='html'>Business as usual: Wolfgang kocht (indisch scharf), ich wasche ab (helvetisch sauber). &lt;br /&gt;Es nieselt. Der Wind ist zu warm. Die Stadt zu leer. Trotzdem eine Wintermütze gekauft. Und Magda M. aus Berlin im „Prowincja“ getroffen. Kaffee, Szarlotka, Cognac.&lt;br /&gt;Fröhliche Weihnachtszeit Euch allen!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113544183804013829?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113544183804013829/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113544183804013829' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113544183804013829'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113544183804013829'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/weihnachten-in-krakau.html' title='Weihnachten in Krakau'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113554111050911011</id><published>2005-12-22T21:04:00.000+01:00</published><updated>2005-12-25T21:05:10.520+01:00</updated><title type='text'>Unter dem Dach</title><content type='html'>Wir sind zurückgekehrt. In mein Zimmer in Krakau. Wolfgang trägt seine Bücher, Papiere und Hemden über Krakau, Warschau, Danzig nach Stralsund. In der Küche liegt Post aus Kwiatonowice. Kasper schickt mir Kopien zu General Bijak. Ich weiß inzwischen, dass er eine Schwester hatte. Wir essen bei Jarema.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113554111050911011?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113554111050911011/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113554111050911011' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113554111050911011'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113554111050911011'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/unter-dem-dach.html' title='Unter dem Dach'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113554033989076087</id><published>2005-12-21T20:51:00.000+01:00</published><updated>2005-12-25T20:52:19.903+01:00</updated><title type='text'>Berlin. Huttenstrasse</title><content type='html'>Café Bilderbuch. Um zehn. Akazienstraße. Ich habe sie alle einbestellt. Hildegard. Maria K. Rhea. In alphabetischer Reihenfolge. Mit Rhea war ich vor einem Jahr in Kwiatonowice. Im März trafen wir uns auf Maui, flogen über den Vulkan. Und jetzt. Wie immer. Kein Wunder. Sondern das Bilderbuch Café in Schöneberg. Maria K. runzelt die Stirn. Sie ist eine erfahrene Frau. Horoskope lügen. Nur Hildegard ist zuversichtlich.&lt;br /&gt;Noch immer das Hauptbahnhofsgefühl. Bar jeglicher Hauptstadt. Das Leben im Sekundentakt.&lt;br /&gt;Goslarer Platz. Nach eins. Wir kommen zu spät. Mittagessen bei Schwiegermutter. Seit Anfang Monat lebt sie allein.&lt;br /&gt;Huttenstrasse. Um drei. Erster Stock. Mitten in der Stadt. Ein Seniorenheim. Schwiegervaters Augen leuchten. Er mag junge Frauen. Noch immer. Aber das ist auch schon alles. Die Hände suchen Beschäftigung. Der Kopf möchte nach Hause. Die Beine tragen den Körper nicht. Die Zunge bringt keinen Gedanken auf den Weg. Die Seele findet den Ausgang nicht. Draußen wird es bereits dunkel. Das Bewusstsein ist müde. Gegenüber bei WaKüFa kann man alles kaufen. Weiße Ware.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113554033989076087?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113554033989076087/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113554033989076087' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113554033989076087'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113554033989076087'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/berlin-huttenstrasse.html' title='Berlin. Huttenstrasse'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113553003087719406</id><published>2005-12-20T21:59:00.000+01:00</published><updated>2005-12-25T18:02:51.873+01:00</updated><title type='text'>Berlin. Engelbecken</title><content type='html'>Wie auf Knopfdruck springt die Sprache um. Auf Deutsch. &lt;br /&gt;Um acht laufe ich um die Ecke zu meiner Hausärztin. Ich brauche meine dritte Tetanus-Spritze. Danach hätte ich für zehn Jahre Ruhe. Sagte sie vor einem Jahr. Und ermahnte mich, daran zu denken. Zeit wird immer relativer. Und die Gedanken immer klarer. &lt;br /&gt;Wolfgang schläft ungefähr so lange, wie er im Flugzeug saß. Gestern. Oder vorgestern. Ich weiß nicht, woher die Zeit kommt. &lt;br /&gt;Um zwölf laufe ich zum Lausitzer Platz zu meiner Friseuse. Ich will die Farbe auf meinem Kopf loswerden. Rote Reste noch aus Japan. Sie versteht nicht. Und ich mag nichts erklären.&lt;br /&gt;Am Engelbecken wird gebaggert. Wie im ersten Winter. Wann war das? Nachdem wir in den Osten der Stadt gezogen waren. In den Schatten der Mauer. Die es damals schon nicht mehr gab. Zeit kennt keine Grenzen. Das Wasserbecken wird nun weiter ausgebaggert. Im Dezember. Das Ufer endlich (nach wie vielen Jahren?) ordentlich befestigt. Schotter aufgeschüttet. Schilf abgeschnitten. Die Schwäne sind weiß geworden und weggeflogen. Auch die Reiher haben das Weite gesucht. Der Winter kommt. Mit Riesenschritten. Der wievielte in diesem Jahr? &lt;br /&gt;Um eins laufe ich zur Schönleinstrasse. Über das Kottbusser Tor. Wie durch einen riesigen Wartesaal. Eines Hauptbahnhofs. Im Niemandsland. Wo die Fahrtrichtungen aufgehoben wurden. Und das Zuhause abgeschafft. &lt;br /&gt;Wolfgang fährt zu seinem Vater, der ihn nicht mehr erkennt. &lt;br /&gt;Am Abend sitzen wir in unserer Küche und trinken Wein.&lt;br /&gt;Der Erzengel auf dem Glockenturm der Ruine der Michaelskirche leuchtet nun in der Nacht. Irgendwoher fließt Geld. Über dem ehemaligen Todesstreifen wird die Zeit an den Himmel genagelt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113553003087719406?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113553003087719406/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113553003087719406' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113553003087719406'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113553003087719406'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/berlin-engelbecken.html' title='Berlin. Engelbecken'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113544356125942940</id><published>2005-12-19T23:56:00.000+01:00</published><updated>2005-12-24T23:27:21.740+01:00</updated><title type='text'>Das Leben in weiß</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/0509_penandchick.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/0509_penandchick.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;Unser Pinguinleben: Wiedersehen in Berlin. Wolfgang fliegt gegen den Wind. Vierzehn statt dreizehn Stunden. Verpasst den Anschluss in Frankfurt. Landet mit einer späteren Maschine in Tegel. Sein Koffer bleibt auf der Strecke. Ich lande pünktlich in Schönefeld. Marschiere mit Handgepäck auf den S-Bahnhof zu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Pinguinleben: wir essen bei Toni. Wolfgang ist müde. Ich warte in der Nacht auf seinen Koffer. Bin zu Gast in der eigenen Wohnung. Suche auf meinem leeren Schreibtisch Spuren. Der Koffer klopft nach Mitternacht an die Tür. Der Kofferausträger fragt, ob ich Steine sammle. Ja, sage ich. Aber dies ist der Koffer meines Mannes. Der bereits selig schläft. Träumt. Irgendwo zwischen Guangzhou und Berlin. Ich komme nur aus Krakau. Und weiß dennoch nicht mehr, wo ich hin gehöre.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113544356125942940?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113544356125942940/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113544356125942940' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113544356125942940'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113544356125942940'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/das-leben-in-wei.html' title='Das Leben in weiß'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113537962520818454</id><published>2005-12-17T23:29:00.000+01:00</published><updated>2005-12-24T23:33:30.856+01:00</updated><title type='text'>Doppelpunkt</title><content type='html'>Hausaufgaben. Auf den Genitiv folgt unverzüglich eine Interpunktion. Der Doppelpunkt. Nazar schickte eine email aus Lwow. Keinen Brief. In der bekannten poetischen Verkürzung. Ohne Punkt. „Danke für die Herbstverbesserung”. Deutsch. Und Polnisch: „Dziękuję za uświetnienie jesieni”. Die Gedanken kehren zurück in alte Zeiten. Herbstblätter. Und Gott. Der in Nazars Gedicht ein unbestimmtes Fürwort ist. Bei mir, wäre ich eine Dichterin, würde er höchstens ein Komma verdienen. Die Augen hingegen versinken im Schnee. Vor dem Fenster. In der Luft. Auf dem Dach. Gleich wird er alles zudecken. Warmer, dichter, frischer, feuchter Schnee. Und ich werde nichts mehr sehen. Noch fühlen. Nach Mitternacht rufe ich zum letzten Mal in diesem Jahr Wolfgang in Guangzhou an. Wecke ihn. Denn bei ihm ist die Nacht bereits vorbei. Ich will, dass er sein Flugzeug nicht verpasst. Er schließlich auch. Dann lege ich mich hin. Und überschlafe den letzten Schmerz der Einsamkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute überlebte ich einen Poesieabend mit Wisława Szymborska. In Krakau, im Zentrum der Japanischen Kunst manggha. Im Mai überlebte ich eine Lesung mit Tadeusz Konwicki. In Warschau, im Café des Verlags Czytelnik. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wie das so ist. Außer der Tatsache, dass es in beiden Fällen regnete. Das heißt, heute hat es eben aufgehört. Und gleich legt sich hier eine dicke Schicht weichen Schnees über alles. Außer der Tatsache, dass heue Szymborska und damals Konwicki sich bereit erklärten, ihre Bücher zu signieren. Die Gefälligkeit verdienter Schriftsteller verwandelt die Menge der Bewunderer in eine gefräßige Meute. Tut mir leid, aber ich kenne dafür kein anderes Wort. Das hat Canetti seiner Lebtag nicht erlebt. Eine Masse von Verehrern im Zentrum der Japanischen Kunst vor dem Tisch der Literaturnobelpreisträgerin. Eine Masse von Verehrern im Café Czytelnik vor dem Tisch des Meisters. Die Frau Verlegerin bat heute immer wieder um Verständnis. Leise und höflich. Dass, bitte, so nicht. Absolut unfassbar. Dieses Gedränge. Meine Damen, meine Herren. Sie dürfen die Dichterin nicht zerquetschen. Nicht die Preisträgerin. Der Herr Verleger betrachtete ohne ein Wort das Tun. In seiner Anzugsschwärze. Er sicherte seine Kollegin von hinten ab. Ich weiß, was in seinem Kopf vorgeht. Denn ich kenne ihn. Ich lese es seinen Augen ab. Seiner hohen Stirn. Ein Gedicht entsteht. Das nächste. Und ich, die ich keine Dichterin bin, beneide ihn. Um das Talent. Die Gabe. Das Handwerk. Der kurzen Form. Der prägnanten Formulierung. Der männlichen Worte. Ich bin langatmig. Weitschweifig. Brauche Unmengen von Wörtern. Und die Gewährsmänner aus der Bibliothek in der Wohnung beim Erzengel. Mir kommt nur Elias Canetti in den Sinn. Seine Bücher. Aus dem Regal im Flur. Masse und Macht. Die Jagdmeute. Das Gewissen der Worte. Canetti hat zeitlebens keine polnische Schlange erlebt. Ich bereits zum zweiten Mal. So eine. Postsozialistische. Schlange. Wilder Tiere. In der es keinen Anstand mehr gibt. Mit Verlaub. Ich lese keine Gedichte. Das gebe ich offen zu. Aber gerne lausche ich ihnen. Aus dem Mund von Dichterinnen. Die Bescheidenheit von Frau Szymborskas Worten. Ging schnell unter in der gierigen polnischen postkommunistischen Hetzmeute. Dafür kann ich nun wirklich nichts. Eine Frau schreit verzweifelt „Wo ist denn hier die Hauptströmungsrichtung der Schlange?”, denn ihr scheint, sie stünde auf der Seite des Theatersaals im manggha, auf der die Schlange sich um kein Jota vorwärts bewege. Deshalb stößt sie mit allen Kräften. Und Ellbogen. In meinen Rücken. Eine andere neben mir klagt über den Mangel an Logistik. Und ich schnappe nach Luft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich überlebte. Bedankte mich beim Verleger. Leichter um mindestens zwei Kilo Körperflüssigkeit. Lebendgewicht. Schweißgebadet. An der Haltestelle wartete ich auf den Bus und spürte die Verkühlung. In der Nacht. Im Bus. Nach Hause. Las ich alle Gedichte durch. Der Band endet mit einem Doppelpunkt. Und ist offen. Rund. Geschlossen. Nie wieder werde ich eine polnische Dichterin oder einen polnischen Schriftsteller nach einer Lesung in Polen um ein Autogramm bitten. Schade um die Worte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Mitternacht rufe ich zum letzten Mal in diesem Jahr Wolfgang in Guangzhou an. Wecke ihn. Denn bei ihm ist die Nacht bereits vorbei. Bis morgen wird alles mit einer dicken Schicht unschuldigen Schnees zugedeckt sein. Und ich werde nichts mehr sehen. Noch spüren. Noch hören. Ich will, dass er sein Flugzeug nicht verpasst. Und überschlafe den letzten Schmerz der Einsamkeit. Auf den Genitiv folgt immer nur der Doppelpunkt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113537962520818454?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113537962520818454/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113537962520818454' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113537962520818454'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113537962520818454'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/doppelpunkt.html' title='Doppelpunkt'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113529148794428375</id><published>2005-12-14T20:43:00.000+01:00</published><updated>2005-12-22T23:44:47.976+01:00</updated><title type='text'>Genitiv und Akkusativ</title><content type='html'>Noch nicht einmal Mitte Dezember, und schon habe ich die letzte Polnischstunde diesen Jahres hinter mir. Gut, dass mein Stipendium verlängert wurde. Denn noch ist nichts eingedrungen. Gar nichts. In das Bewusstsein. Den Verstand. Die Fingerspitzen. Von dieser Sprache. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, alles würde sich verflüchtigen. Der Kopf sich in reiner Luft auflösen. Vollkommen. Die Gedanken. Das Hirn. Die Zellen. Befänden sich irgendwo außerhalb. Von mir. Der Körper außer sich. Und außer mir. Zersetzte sich in einzelne Martinwörter. Im Gymnastikraum unter dem Dach. Im Kulturklub „Wola”. &lt;br /&gt;„Wola” ist immer noch ein Warschauer Stadtbezirk. In meiner Seele. Dagegen komme ich nicht an. Die Rabsztyńska-Straße. Dort wohnte ich in jenem Jahr, in dem ich in Warschau arbeitete. Und gegen dessen Ende wir heirateten. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Gar nichts. Kein Taxifahrer wusste, wo sie ist. Diese Rabsztyńska-Straße. In Wola. Und hier Wirbelsäule. Schultern. Arme. Das Entfalten des Seidenkokons. Oder chinesisch Chan si gong. Und ich fürchte mich jetzt. Was auch immer. Zu sagen. Zu schreiben. Bin auf der Lauer. Und kontrolliere mich. Um keine Dummheiten zu machen. Ein Satz aus dem offenen Wörterbuch. Auf dem Bildschirm des Laptops. Hinter dem Text. Im nächsten Fenster. Andauernd gucke ich etwas nach. In einem Fenster. Vollendete Verbform. In jenem Fenster. Ein Verb der unvollendeten Bewegung. Im Polnischen geht man sozusagen das ganze Leben in die Schule und kann nie aufhören. Zu gehen. Ich habe die Unschuld verloren. Die Fragezeichen bohren sich in meine Stirn. Bestimmt geht das so nicht. Im Polnischen. Und Grażynka malt mir hier gleich ein rotes keep smiling in den Text. Ein Emotikon. Ein normales Lächeln. Oder ein verschmitztes. Ich habe die Zuversicht verloren. In Wola Justowska. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute die letzte Lektion. In diesem Jahr. Wie gut, dass mein Stipendium verlängert wurde. Heute Genitiv und Akkusativ. Die Flexion der Substantive. Die männlichbelebten Formen. Die nichtmännlichbelebten Formen. Das heißt die Sachformen. Martin der Ältere im Zimmer unter mir lacht mich aus, dass ich mir Gedanken darüber mache, warum &lt;span style="font-style:italic;"&gt;genitivus &lt;/span&gt;polnisch „dopełniacz“ heißt und &lt;span style="font-style:italic;"&gt;acusativus &lt;/span&gt;„biernik“. Darüber, dass das Wort „biernik” meiner Meinung nach etymologisch ähnliche Wurzeln haben muss (und deshalb auch eine ähnliche Bedeutung) wie „bierny” [passiv], „bierność” [Passivität] – und „dopełniacz“ wie „dopełnić” [auffüllen]. Er lacht und liest „Privatkorrespondenzen“ im Lemberger Kurier aus dem Jahr 1892. Und für mich ist plötzlich alles ein Problem. Sprachlich. Ich weiß nicht, zum Beispiel, ob das Wort „osoba” [Person] eine Person ist oder eine Sache. Ob es ein Substantiv weiblichen Geschlechts ist oder eine nichtmännlichbelebte Sache. Und ob zwischen dem einen und dem anderen überhaupt ein Unterschied besteht. Die Lehrerin warf heute ganz unbedacht den Gedanken in mein Notizheft, dass eigentlich niemand sagen kann, ob es sich hier um einen Genitiv oder um einen Akkusativ handle. Dieses berühmte „kogo/co” [wessen/was], das man mir in den Kopf gehauen hat wie eine Axt, schon in der ersten Polnischstunde, in den ersten Momenten in diesem Land, während der ersten Berührungen mit dieser Sprache. „Kogo/co“ – das schien mir immer absolut unangebracht. Aber alle wiederholten es leidenschaftslos. Wessen. Was. Die Studenten der Polonistik. In der stickigen Universitätsbibliothek. Nach jedem Verb. Der Bewegung. Oder Rührung. Kaufen. Wessen/Was? Lieben. Wessen/Was? Gedenken. Wessen/Was? Zuzia. Mein Gott. Wie lang ist das her. Wessen/Was? Ich habe an diese Frage nie geglaubt. Und deshalb weiß ich bis heute nicht. Warum Herr X im Polnischen einen Mercedes oder einen Fiat im Genitiv kauft. Und Herr Y ein Auto. Im Akkusativ. Warum der eine Genitivbesessen. Der andere Akkusativbelassen. Ist. Und nun plötzlich alles verschwimmt. Es unklar bleibt, ob dieser Genitiv nicht eigentlich ein gleichlautender Akkusativ ist. Alle schreiben heute emails und sms – im Polnischen im Genitiv. Der Briefträger händigt nach wie vor jeden eingeschriebenen Brief im Akkusativ aus. Heute verlor ich das letzte Vertrauen. In meine Fingerspitzen. Computertasten. Und Grammatikbegriffe. Worin zum Henker besteht die männliche Belebtheit eines Autos der Marke Fiat? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Randbemerkung von G.:&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Zum Teufel mit Casus und männlicher Belebtheit, kogo/co – Es ist höchste Zeit, der Intuition zu vertrauen. Ich bin überzeugt, dass du dir erlauben kannst. Und keinen Schaden nimmst. Keine Gefahr läufst. &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113529148794428375?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113529148794428375/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113529148794428375' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113529148794428375'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113529148794428375'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/genitiv-und-akkusativ.html' title='Genitiv und Akkusativ'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113455995912187214</id><published>2005-12-13T21:27:00.000+01:00</published><updated>2005-12-15T12:00:12.673+01:00</updated><title type='text'>Martin zum Sechsten</title><content type='html'>Martin Teil Fünf siehe „Die zweite Engelin”. Es wimmelt von Martins. In meinem Krakauer Alltag. Von einem war hier noch entschieden zu wenig. Die Rede. Obwohl auch er ununterbrochen Teil hat. An meinem Leben. An meinem Schreiben. Martin der Übersetzer.&lt;br /&gt;Martin, der Übersetzer arbeitet in einer Buchhandlung. Und ist eigentlich Deutscher. Ich schreibe absichtlich „eigentlich”. Weil, wie wir wissen. Ein Deutscher, der seit drei Jahren in einer Krakauer Buchhandlung arbeitet. Ein Deutscher, der seit fünf Jahren an der Jagiellonen-Universität römisches Recht lehrt. Eine Schweizer Stipendiatin. Wir alle haben eine Staatsbürgerschaft. Für Nichts und wieder Nichts. Besitzen einen Pass. Zum Schein. Und zur Erleichterung von Grenzüberschreitungen. In Wirklichkeit ziehen wir es vor. In Polen. Zu leben, zu arbeiten, wenig zu verdienen, eine gute Zeit zu verbringen. &lt;br /&gt;Martin der Übersetzer. Übersetzte einen Auszug aus „Seiden”. Aus dem Deutschen ins Englische. Erstaunlich gut. Und so spricht er auch Polnisch. Erstaunlich gut. Seit über einem Monat wechseln wir regelmäßig nachmitternächtliche emails. Treffen uns in der Buchhandlung. Er schäumt Milch für meine Latte Macchiato. Oder ist mit der Waschmaschine beschäftigt. In dieser Buchhandlung ist alles möglich. Und vorhanden. Martin ist sehr jung. Sehr sensibel. Sieht eher aus wie ein Mensch der Musik. Dachte ich. Irgendeinmal ganz am Anfang. Beiläufig. Sinnlos. Niemand braucht solche Gedanken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht vor meiner Abreise nach Rzeszów begriff ich endlich. Wir sind nicht gewappnet. Gegen Verstehen. Oder Nichtverstehen. Dummheit. Geistige Schlitzohrigkeit. Der Himmel weiß, woher das alles kommt und wohin es geht. Im Frühling, kaum zurück aus Japan, fuhr ich zu einem Tai Chi Wochenende ans Meer. Nach Usedom. Ahlbeck. An die Grenze. Zu Polen. Ich erinnerte mich an unsere unendlichen Spaziergänge. Während der Mittagspause. Über alten Sand. Im scharfen Wind. Einen Tag in die eine Richtung. Nach Nordosten. Bis nach Heringsdorf. Am nächsten Tag in die andere Richtung. Nach Südosten. Bis zur Landesgrenze. Auf feuchtem Sand. Und dort irgendwo an der salzarmen Ostsee zwischen dem einen Land und dem anderen, in the middle of nowhere, erzählte mir die Flötenlehrerin von ihrem Schüler. Der nach Polen „emigriert“ sei. Nach Krakau. Ich wunderte mich. Die Lehrerin ist jung, wie kann sie erwachsene, volljährige Schüler haben? Sie erzählte unbekümmert weiter, dass sie ihn einmal besucht habe. In Krakau. Dass er in einer Buchhandlung arbeite.&lt;br /&gt;Und in der Tat. Erst in der Nacht vor meiner Abreise nach Rzeszów. Begriff ich. Dass es nicht zwei Entflohene geben kann. Aus Deutschland. Dass es Martin der Übersetzer aus dem Deutschen ins Englische sein muss. Es gibt ja noch einen anderen Martin. Der übersetzt. Aus dem Polnischen ins Deutsche. Von ihm später mehr. Ich begriff, dass Martin, mein Übersetzer, der Altblockflötenschüler der Berliner Tai Chi praktizierenden Flötenlehrerin sein muss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch der dritte Martin, mein Chen Taijichuan-Lehrer ist allgegenwärtig in meinem Krakauer Alltag. Jeden Tag denke ich an ihn, wenn ich nicht die neue Form übe, die er mir beizubringen versucht. Sondern die alte, die mir von Berlin vertraut ist. Und bereits in meinem Körper Platz genommen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern war ich zum ersten Mal im Zimmer von Martin, dem Älteren unter mir. Im Łaskihaus. Bei Tageslicht. Ich gestehe, dass ich schon das eine oder andere Mal abends bei ihm sass. Bei einem bescheidenen Gläschen Rotwein. Wenn in der Küche Kochrituale zu Gange waren. Und uns der Fettgestank zu Leibe rückte. Gestern früh klopfte ich also an die Tür von Martin, dem Älteren. Der auch Übersetzer ist. Bevor er das Haus Richtung Bibliothek verließ. Kein Morgenmuffel. Dieser Martin ist eher ein Mensch der Bücher als ein Mensch der Musik, geschweige denn der Sopran- oder Altflöte. Ich bat ihn, mir zwei Angaben zu überprüfen. Zwei Bücher auszuleihen. Ein paar Seiten zu kopieren (es geht natürlich um General Bijak). Ich hatte keine Lust auf Bibliothek. Nicht an diesem Morgen. Und an keinem anderen. Ich sah vor seinem Fenster den alten Baumstamm. Und begriff, dass dies der Anfang des Baumes sein musste, der über meinem Dachfenster im Himmel endet. Ich starre täglich stundenlang in seine kahlen Äste. Die im blassen Winterhimmel aussehen wie die Ärmchen unzähliger hungriger Kinder. Unten, vor Martins Fenster, steht der Baumstamm. Und sieht nicht gesund aus. Alt. Müde. Morsch. Bei mir oben zeigt er weder sein Alter noch seine Wunden. Tut jung und übermütig. Gierig. Nach dem Leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wimmelt von Martins. Gestern Abend versammelten wir uns geschlossen, die ganze Belegschaft des Łaskihauses, alle großen und kleinen „M“, aber auch sämtliche anderen Buchstaben des Alphabets – zu einem literarischen Abend im Goethe Institut. Dort sass auch Martin, der Übersetzer ins Englische und Flötenschüler meiner Tai Chi Freundin. Gegen Ende der Veranstaltung, niemand weiß warum, gegen Ende dieses multimedialen happenings zum Stichwort „junge berliner szene“ wurde ein Stück kurzer Prosa von Tilmann Rammstedt gelesen. Titel: Das Mundstück. Protagonistin: die Flötenlehrerin. Protagonist: der Ich-Erzähler, ehemaliger Schüler der Flötenlehrerin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113455995912187214?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113455995912187214/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113455995912187214' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113455995912187214'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113455995912187214'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/martin-zum-sechsten.html' title='Martin zum Sechsten'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113443155866482177</id><published>2005-12-11T17:51:00.000+01:00</published><updated>2005-12-13T00:52:38.683+01:00</updated><title type='text'>Julian Przyboś Grundschule Nr. 12 in Rzeszów</title><content type='html'>Premiere für mich: Auftritt in der Schule. In Polen. In Rzeszów. In der Welt. Noch nie hatte ich eine Lesung in einer Schule. In keinem Land der Erde. &lt;br /&gt;Die Kinder waren sehr freundlich. Weniger nervös als ich. Natürlich. Vielleicht etwas aufgeregter. Gut vorbereitete von der Klassenlehrerin. Der Polnischlehrerin. Agnieszka W. Klasse IV b. Wie schön! Ich fühlte mich sofort besser. Denn ich habe meine Schulzeit vorwiegend in solchen „b”-Klassen verbracht. Und die sind nicht schlechter als die „a“-Klassen.&lt;br /&gt;Dumme Fragen gab es keine. Obwohl die Schuldirektorin die Schüler gerade vor solchen warnte. Während sie mich begrüsste. Dafür schwirrten tonnenschwere Fragen. Durch die Luft. Ich bin ja schließlich hier die Ignorantin. Und habe keine Ahnung. In welcher Welt die Jugend lebt. Wofür sich Schüler der sechsten Grundschulklasse interessieren. Können. Ich weiß nichts von Sportlern (ich kannte gerade Adam Małysz, der hat mir das Gesicht gerettet, und Simon Amman). Sie fragten zum Beispiel, warum ich nach Rzeszów gekommen sei. Weil ich hier Freunde habe. Seit Jahren. Seit einer Ewigkeit. Seit einem Vierteljahrhundert. Deshalb fahre ich auch nach Gorlice, nach Kwiatonowice, nach Gdańsk, nach Purzyce, nach Warszawa, nach Zbucz ... Weil ich Freund habe. In diesem Land. Ich lernte den Mann der Lehrerin in den achtziger Jahren kennen. In Fribourg. Da verriet ich ihnen nicht. Wir studierten damals zusammen bei meinem Doktorvater. Drückten vielleicht dieselbe Schulbank. Ich weiß es nicht mehr. Ob jener Vorlesungssaal mit Schulbänken bestückt war. Aber alles ist möglich. Immer. Das vergaß ich ihnen zu sagen. Dass der Weg nach Rzeszów natürlich in der Westschweiz beginnt. Immer. In der Grenzstadt zwischen der französischen und der deutschen Schweiz. Jan, der Mann von Agnieszka, der Klassenlehrerin, gestand mir vorgestern übrigens mitten im Rzeszower Dauerschneeregen. Dass er heute seine Jahre in der Schweiz ganz anders nutzen würde. An der Universität Fribourg. So ist das immer. Der Mensch wird klüger mit dem Alter. Aber was heißt das? Die Zeit, die wir an einem fremden Ort verbringen, ist nie verloren. &lt;br /&gt;Sie wollten natürlich wissen, warum es mir in Polen gefällt. Schon zwölfjährige Kinder aus Rzeszów wissen, dass es seltsam, gar abnormal ist, dass eine Schweizerin sich in Polen wohl fühlt. Und in der Schweiz unwohl. Mein Gott! Was sollte ich auf diese Frage antworten? Dass ich seelenruhig mein ganzes Leben im Berlin-Warschau-Express (nur in dieser Richtung!) verbringen könnte und hinausstarren auf die flache unendliche Mazowszelandschaft. Oder im Bummelzug, Personenzug, im langsamsten, der von Krakau nach Rzeszów fährt. Denn auch hier sieht die Welt wohltuend ebenmäßig aus. Die Stadt liegt im Tal der Wisłoka, im Karpatenvorland. Das heißt, die Berge sind weit, weit weg. Und stören nicht. Verstellen nicht meine Gedanken. Und Phantasien. Wie eine mit diversen Kisten vollgestellte Lagerhalle. Die Sonne ist hier zu sehen. Der Himmel ist hier zu sehen. Und die vorüberziehenden Wolken. &lt;br /&gt;Sie fragten, woher die Ideen kommen. Auch eine schwierige Frage. Sie kommen. Oder kommen nicht. Irgendwie wachsen sie. Sprießen. Manchmal aus ganz dummen, einfachen Dingen. Schon deshalb kann es keine dummen Fragen geben. Die Engelin gießt meine seltsamen Einfälle. Im Zimmer unter dem Dach. In Krakau. In der Nacht. Während ich traumlos schlafe. Die Ideen nähren sich von meiner Konzentration. Von konzentrierten Gedanken. Hirnkonzentrat. Ablenkungen werden kaum zugelassen.. Aber am schwierigsten sind die Momente, in denen wir nicht wissen, dass wir uns und auf was wir uns konzentrieren sollen. In denen wir ahnungslos sind. Nicht wissen, worauf es ankommt. Wachsam bleiben. Und offen sein. In alle Himmelsrichtungen. Und das gelingt immer noch am besten in einer weitläufig sandigen Landschaft. Die Gedanken dürfen nicht mit hochalpinem Granit verstellt werden. Das ist schwer zu verstehen, ich gestehe. Für Grundschulschüler. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht für jeden Menschen ist das Gleiche in gleichem Masse wichtig. Jeder muss seinen Platz finden, seine Aufgabe, seine Nahrung. Seine Cerebrospinalflüssigkeit. Punkt.&lt;br /&gt;Die letzte Frage war die klügste. Warum alle meine „Postkarten aus Berlin“, die ich seit Jahren für die Rzeszower Literaturzeitschrift „FRAZA“ schreibe, mit „Meine Lieben“ anfangen?&lt;br /&gt;Die Form der Postkarte verlangt eine gewisse Art der Höflichkeit. Finde ich. Wie ein Brief. Wie eine email. Wie eine sms. Deswegen benütze ich eine Anredeform. Wende ich mich an irgendjemanden. Natürlich habe ich, wenn ich Postkarten schreibe, konkrete Empfänger im Kopf. So konkret, dass ich genauso gut ihre Namen nennen könnte. Aber das macht die Sache wieder unnötig kompliziert. Dann ist der eine eifersüchtig, weil ich seinem Kollegen schreibe. Der andere böse, weil er eine zu kurze Postkarte bekommt. Der dritte will nichts mehr mit mir zu tun haben, weil ich ihm eine langweilige Karte geschickt habe. Und der vierte beklagt sich, dass er eine schwarzweiße aus dem Briefkasten gezogen hat.Nicht immer ist das Leben bunt. Deshalb schreibe ich lieber an ein anonymes Kollektiv von Freunden. Meine Lieben! Natürlich. Alle Postkarten werden von Berlin nach Rzeszów geschickt. Und sind so etwas wie eine Liebeserklärung. An Rzeszów. Ich Liebe Euch Alle. &lt;br /&gt;Warum von Berlin aus? Weil ich einen Berliner geheiratet habe. Das ist auch eine Liebeserklärung. In Berlin bin ich näher an Polen als irgendwo sonst auf der Welt. Ganz bestimmt näher als in der Schweiz. Danke für die Aufmerksamkeit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113443155866482177?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113443155866482177/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113443155866482177' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113443155866482177'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113443155866482177'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/julian-przybo-grundschule-nr-12-in.html' title='Julian Przyboś Grundschule Nr. 12 in Rzeszów'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113422206321632344</id><published>2005-12-10T17:00:00.000+01:00</published><updated>2005-12-10T16:33:19.066+01:00</updated><title type='text'>Hochzeitstag</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/pinguineAbendrot.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/200/pinguineAbendrot.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt; Vor zwölf Jahren um 17 Uhr Ortszeit, es war ein eisiger verschneiter Freitag, wurde unsere Ehe im Warschauer Standesamt Nr. 1 geschlossen. Wir gaben uns kein JA-Wort, sondern versprachen in polnisch-deutscher fließender poetischer Prosa (Autor unbekannt) ewige Liebe, Treue und Fürsorge. Wolfgang behauptet bis heute, nichts verstanden zu haben. Geblendet von den Amtsinsignien des Standesbeamten. Ich durfte nicht übersetzen, da ich als befangen galt. Unser Freund Piotr, Germanist, gab ohne zu Stocken sein Bestes.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113422206321632344?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113422206321632344/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113422206321632344' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113422206321632344'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113422206321632344'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/hochzeitstag.html' title='Hochzeitstag'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113403704253997976</id><published>2005-12-08T11:12:00.000+01:00</published><updated>2005-12-08T11:20:31.923+01:00</updated><title type='text'>Rzeszów</title><content type='html'>Es regnet immer noch. In einer Stunde fahre ich nach Rzeszów. Zu meinen Freunden. Die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Heute Abend Lesung aus "Seiden - Mein Winter in Japan" im Pub "Va Bank". Morgen Auftritt in der Schule, in Agnieszkas Klasse. Übermorgen bin ich wieder da.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113403704253997976?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113403704253997976/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113403704253997976' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113403704253997976'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113403704253997976'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/rzeszw.html' title='Rzeszów'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113396020057788036</id><published>2005-12-07T13:42:00.000+01:00</published><updated>2005-12-07T13:59:21.853+01:00</updated><title type='text'>General Juljusz Bijak</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/bijak3.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/bijak3.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Das einzige Foto, das ich bisher finden konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer kennt diesen Mann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geboren am 14. September 1860 in Biadolin. Gestorben am 21. April 1943 in Wadowice. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo sind die Briefe, die ihm Lina Bögli von Februar bis Juli 1892 geschrieben hat? Bevor sie die Beziehung und das Gespräch mit ihm abbrach und zehn Jahre um die Welt reiste. Er wollte die Briefe, im Falle eines Krieges, "in sichere Hände geben". Aber - lang ist's her ...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113396020057788036?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113396020057788036/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113396020057788036' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113396020057788036'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113396020057788036'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/general-juljusz-bijak.html' title='General Juljusz Bijak'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113403667015450530</id><published>2005-12-06T19:10:00.000+01:00</published><updated>2005-12-10T16:40:48.930+01:00</updated><title type='text'>Die zweite Engelin</title><content type='html'>Es regnet. Und meine Engelin mit der Gießkanne hat nichts zu tun. Sie wartet geduldig mit mir zusammen. Bis das Wetter sich ändert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nikolaus irrte sich in der Nacht in der Adresse. Er legte mein Päckchen bei Frau Krakowska ab. Frau Krakowska dachte sich gleich, dass das in Geschenkpapier eingewickelte Ding für mich sein musste. Aber Nikolaus war bereits über alle Berge. So benachrichtige sie mich per SMS, dass eine kleine hölzerne Engelin zu ihr geflogen kam. Mit leichten Flügeln. Wie ein Lilienthalgleiter. An ihren Bauch gebunden. Mit einem Zwirnfaden. Ein Päckchen. Schreibt Frau Krakowska. Für Dich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Enkelin meines Schwiegervaters, die Tochter von Wolfgangs Bruder, die Tochter meiner Schwägerin – was genau ist sie nun für mich? – heißt Martina und ist am gleichen Tag geboren wie ich. Ein paar Jahre später natürlich. Mit diesen Worten könnte nun „Martin zum Fünften …“ beginnen. Aber hier gibt es nichts zu scherzen. Martina steht mit mir in Mobilfunkkontakt. Seit Schwiegervater Geburtstag hatte und ins Krankenhaus kam. Bin ich eine Informationsschaltzentrale. Sie ruft mich. An. Ich versuche Wolfgang. Zu erreichen. Mit ihm in Kontakt. Zu treten. Am anderen Ende der Welt. Über die Wellen des südchinesischen Meeres hinweg. Er überquerte heute das Perlflussdelta. Auf dem Weg nach Macao. Zu einer Konferenz. Was für ein Mensch! Martina ist in meinem polnischen Handy gespeichert als „Martina“. Wie sonst. Und jedesmal, wenn es klingelt und der kleine Bildschirm mir sagt „Martina ruft an – abnehmen JA oder NEIN?“ zögere ich einen kurzen, schweren Augenblick lang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe eine zweite Engelin bekommen. Aus Holz. Leicht wie Schlaf. Jetzt warten wir geduldig. Zu dritt. Bis das Wetter sich ändert.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113403667015450530?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113403667015450530/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113403667015450530' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113403667015450530'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113403667015450530'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/die-zweite-engelin.html' title='Die zweite Engelin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113398681892628335</id><published>2005-12-05T08:43:00.000+01:00</published><updated>2005-12-10T16:44:51.753+01:00</updated><title type='text'>Nebel</title><content type='html'>Gestern Abend versank unvermittelt die ganze Stadt im Nebel. Ich stand an der Haltestelle Bagatela und wartete auf den Bus. Und plötzlich verschwand alles. Die Straßen waren ausgestorben. Ab und zu zog noch eine schläfrige Straßenbahn vorbei. Und dann war auch dieses Spektakel zu Ende. Und nur noch der vordere Scheinwerfer näherte sich. Sehr undeutlich. Eine milchig Kugel. Mehr nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und in diesem Moment ergriff mich eine unendliche Sehnsucht. Unerhört. Und unerträglich. Als ob sie nur auf diesen einen und einzigen Augenblick gewartet hätte, in dem sie, die riesige, unförmige, aufgeblasene, freche, hässliche Sehnsucht in meiner Welt Platz nehmen kann. Ungeniert. Sich ausbreiten. In meinen Träumen. In meinen Gedanken. In meinen Muskeln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sehne mich. Aber ich sehne mich nicht nach meinem Land. Noch nach irgendeinem Ort. Weder nach einem fassbaren. Noch unfassbaren. Weder nach dem Erzengel in Berlin. Noch nach meinem hundertjährigen Liegnitz. Weder nach dem Kleiderschrank. Noch nach dem Bügeleisen. Noch nach dem Bücherregal. Noch nach dem Schuhschrank. &lt;br /&gt;Ich sehne mich. Nur nach Wolfgang. Während ich an der Haltestelle stehe. Umgeben von undurchdringlichem Nebel. Während ich auf nichts warte. Denn hier ist alles auf einen Schlag verschwunden. Und nach nichts anderem. Sehne ich mich. Nach niemandem sonst. Unser Pinguinleben ist kaum mehr zu ertragen. Rücken an Rücken. Schwarz an Schwarz. Die halbe Welt dazwischen. Oder auch die ganze. In meinem Zimmer unter dem Dach ist es warm. Aber leer rund um meinen Kopf. Und an den Ellbogen. An der Haltestelle Bagatela. Bei ihm ist schon tiefe Nacht. Er schläft im Hotel Ramada, im Zimmer 2010, in Hongkong. Wieder einmal ist es uns nicht gelungen, miteinander zu sprechen. Irgendwann (beim letzten Vollmond!) schickte ich ihm von dieser Haltestelle aus eine SMS, dass ich, während ich auf den Bus warte (alles wiederholt sich), den Vollmond sehe. Und eine Sekunde später kam die Antwort, dass er ihn auch sehe. Damals war er in Stralsund, stand auf dem Balkon und starrte in den Abendhimmel. Wie ich. An den Krakauer Planty. Damals befanden wir uns noch irgendwie in der selben Zeit. Obwohl wir nicht zusammen waren. So doch immerhin gleichzeitig. Jetzt ist es schwierig, sich zu einem Anruf zu verabreden. Oder gar unmöglich.&lt;br /&gt;Ich sehne mich nach meinem eigenen Ehemann. Der in Stanley, im Süden der Stadt, in einem Thailändischen Restaurant hervorragend zu Abend gegessen hat. Zusammen mit einem Kollegen. Und sich, wie er in der email schrieb, „unanständig“ gut fühlte. Über der Stanley Bucht. Mit Sicht auf das Südchinesische Meer. Bei einer leichten Brise. Um die Nase. In Gedanken bei seinem kranken Vater im Berliner Krankenhaus. Das Leben schwankt wie eine müde Straßenbahn durch dichten Nebel. Nur der vordere Scheinwerfer ist zu sehen. Sehr undeutlich. Eine milchig Kugel. Mehr nicht. Aber immerhin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute früh klingelte das Telefon. Mein Stipendium wird verlängert. Ich bleibe bis Ende März 2006 in der Villa.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113398681892628335?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113398681892628335/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113398681892628335' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113398681892628335'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113398681892628335'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/nebel.html' title='Nebel'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113370916543784036</id><published>2005-12-02T20:19:00.000+01:00</published><updated>2005-12-04T16:17:36.013+01:00</updated><title type='text'>Martin zum Vierten</title><content type='html'>Dafür kann ich nun wirklich nichts. Ein weiterer Martin ist angekommen. Stipendiatenwechsel. Monatswechsel. Quartalswechsel. Geht alles nicht so richtig auf Anfang Dezember. Auch Marc wohnt jetzt hier. Es wimmelt nur so von großen „Ms“. Und geschwungenen, großen und kleinen „eS“. Wie Sonnenblumenhonig. Schmalzbutter. Senfgläser. Schmeißfliege. Schalentier. Und so weiter. Und so fort. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal wissen wir in der Tat nicht, warum wir zu gegebener Stunde das eine tun, und das andere lassen. Ehrlich gesagt, verstanden wir vorgestern, während der Andreasnacht, gar nicht, warum wir im Łaskihaus das Unaufgegessene von weiß der Himmel wie vielen Stipendiaten in weiß der Teufel welchem Zustand in Mülltüten stopfen mussten. Warum ausgerechnet wir – ich und der alte (im Sinne der Aufenthaltsdauer in der Villa) Martin. Aber wir taten es. Weil die Putzfrau darum gebeten hatte. Und weil wir nichts Besseres zu tun hatten. Das plötzlich leergewordene Haus forderte sein Recht. Wir mussten uns daran gewöhnen. Ein Wort fand sich dann sogar fast wie von selbst. In der Küche. In diesem Sinne war der Abend nicht ganz verloren. Außerdem sind gute Beziehungen zu Putzfrauen und Hausmeistern immer von Vorteil. Überall auf der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute erst habe ich begriffen, warum die beiden Kühlschränke, die Unter- und Überschränke, alle Schubladen und das ganze riesige Vorratsregal entleert, gesäubert und desinfiziert werden mussten. Weil der neue (im Sinne der Aufenthaltsdauer in der Villa) Martin am Abend mit seiner Freundin in die Küche kam. Zuerst schleiften sie zu zweit einen riesigen Rucksack über den Boden und ließen ihn liegen. War wohl sehr schwer. Dann rannten sie nochmals mehrmals hinaus und brachten pralle Tüten und Taschen an. So viel sie nur tragen konnten.&lt;br /&gt;„Wir waren auf der Jagd“, warf mir der neue Martin schnaufend zu.&lt;br /&gt;Ich verstand den Witz natürlich nicht. Mehr sagte er aber auch nicht. Weil er bereits wieder verschwunden war. Ich suchte nach dem Hirschgeweih. Er hatte sich nicht einmal vorgestellt. So stellte ich mich vor. Als er mit den nächsten vollen Einkaufstüten durch die Tür trat. Und fragte, ob sie meine neuen Nachbarn seien. Heute früh hatte ich nämlich eine Matratze entdeckt. Im Korridor, unter dem Dach, vor meinem Zimmer. Eingerollt in eine durchsichtige Plastikfolie. Und zugeklebt. Und rundherum von oben bis unten mit schwarzem Filzstift beschriftet. „Das ist die Matratze von Martin ... (+ Nachname, den ich hier aus Datenschutzgründen nicht nennen will), ich wohne dort …(+ Pfeil nach rechts).“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Martin stellte gleich richtig, dass nur er mein Nachbar sei. Sie würde ihn von Zeit zu Zeit besuchen. Ihren Namen nannte er nicht. Weder er. Noch sie. Egal. So genau wollte ich das ja nicht wissen. Bettgeschichten interessieren mich nicht. Ihre Matratze steht eingerollt im Flur. Derweil sie Einkäufe auspackten. Auf dem langen Tisch ausbreiteten. Sie fing an, mit einem feuchten Lappen Dosen und Gläser abzustauben … Ich floh. In der Küche war kein Platz mehr. Mehrere Kilogramm Mehl, mindestens 25 Einpfundpackungen Spaghetti. Ebenso viele andere Nudeln. Bestimmt auch einige Kilogramm Reis, Salz, Zucker. Ein paar Dutzend Dosen mit Erbsen und anderem. Gläser mit roten Rüben. Apfelmus. Schokolade, Kekse, Trockenfutter. Schwarzteebeutel, Kräuterteebeutel, Kaffeebeutel, Säfte, Bier, Wein …&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du liebe Güte! Was soll das bloß werden? Notvorräte wie für eine abgeschiedene Berghütte. Wie für den Kriegsfall. Wie für eine Kompanie ausgehungerter Pioniere. An allen Ecken in diesem Land gibt es Supermärkte, die rund um die Uhr offen sind, sieben Tage die Woche. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mehr als ein Kilo Mehl auf einmal gekauft. Und das reicht meist für fast ein ganzes Jahr. Mehl. Und Martin. Und Matratze. Wozu brachte er seine Matratze mit? Sein Nachname sei, verriet er mir, kurz bevor ich die Küche verließ, in der die Vorräte bereits an den Wänden hochkletterten, wie immergrünes winterhartes Unkraut, schweizerisch-italienisch. Aber er sei Deutscher. Dafür kann ich ja nun wirklich nichts. Ein weiterer Martin ist angekommen. Im ganzen Haus wimmelt es von großen und kleinen „ms“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113370916543784036?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113370916543784036/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113370916543784036' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113370916543784036'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113370916543784036'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/martin-zum-vierten.html' title='Martin zum Vierten'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113368647073650025</id><published>2005-12-01T08:53:00.000+01:00</published><updated>2005-12-04T10:03:29.493+01:00</updated><title type='text'>Schwiegervaters Geburtstag</title><content type='html'>Schwiegervater wird heute 77. In der Früh musste er notfallmäßig ins Krankenhaus. Wolfgang rief aus Zhuhai an. Zum ersten Mal in seinem Leben war sein Vater nicht in der Lage, mit ihm zu sprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwiegermutter empfängt am Nachmittag die Geburtstagsgäste. Was soll sie denn sonst tun? Die Torte ist da, die Kekse gebacken, der Kaffee gekocht. Die Putzfrau auf den morgigen Tag verschoben. Alles geplant und gut durchdacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Arzt sagt, die Schübe würden nun immer heftiger und in immer kürzeren Abständen erfolgen.&lt;br /&gt;Was heißt das? &lt;br /&gt;Für ihn?&lt;br /&gt;Für uns?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113368647073650025?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113368647073650025/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113368647073650025' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113368647073650025'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113368647073650025'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/12/schwiegervaters-geburtstag.html' title='Schwiegervaters Geburtstag'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113347870345105281</id><published>2005-11-30T21:10:00.000+01:00</published><updated>2005-12-02T00:16:07.380+01:00</updated><title type='text'>Martin Teil 3</title><content type='html'>Heute ist Andreasnacht. Und ich bin allein mit Martin. Zurückgeblieben. In der Villa. Alle anderen sind weggefahren. Und in der Küche zwei volle Kühlschränke und ein volles Vorratsregal. Mit Unaufgegessenem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir warfen alles weg. Ungeachtet des Haltbarkeitsdatums. Wieviel Śmietana. Wieviel süße Butter. Wieviel Sonnenblumenhonig. Am meisten wunderten mich Unmengen von Senfflaschen, Senfgläsern und eingelegten Senfkörnern. Wovon ernähren sich Stipendiaten aus aller Welt in Krakau? Offenbar hauptsächlich – aber ich habe keine Ahnung weshalb und wozu – aus geschwungenen, großen und kleinen „S“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir warfen alles weg. Ohne Rücksicht auf Anfangsbuchstaben. Ohne Rücksicht auf Zunge und Sprache. Ohne Rücksicht auf Geschmack. Ohne Rücksicht auf Farbe. Ohne Rücksicht auf Verpackung. Ohne Rücksicht auf Inhalt. Ohne Rücksicht auf den Grad der Verschimmelung.&lt;br /&gt;„Am besten gar nicht erst angucken“, riet Martin sachlich.&lt;br /&gt;Und lief in sein Zimmer hinauf, holte leere Plastiktüten. Dann lief er nochmals hoch, weil wir einen Kugelschreiber brauchten. Manchmal will der Mensch etwas aufschreiben. Ungeachtet aller Widrigkeiten. Oben auf dem Schrank lag das verstaubte Notizbuch von Herrn András Rácz aus Budapest. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute ist Andreasnacht. Und Martin und ich sind allein zurückgeblieben. Wir bewohnen die mittleren Ostzimmer des Łaskihauses. Er im ersten Stock. Ich mit der Engelin im zweiten. Unter dem Dach.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113347870345105281?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113347870345105281/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113347870345105281' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113347870345105281'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113347870345105281'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/martin-teil-3.html' title='Martin Teil 3'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113365472599522252</id><published>2005-11-26T09:04:00.000+01:00</published><updated>2005-12-04T01:05:26.013+01:00</updated><title type='text'>Ein wundervoller Wintertag</title><content type='html'>Ein wundervoller Wintertag ist vorüber. In Kwiatonowice. Stahlblauer Himmel. Scharfe Kontraste. Am Horizont. Gute Sicht. In der Luft. Sonne. Auf den Feldern. Schnee. Ich konnte das alles sehen, ohne aus dem Bett zu steigen. Kasper brachte mir in der Früh Kaffee. Ans Bett natürlich. Dann fuhren sie in die Stadt. Zur Arbeit. Und ich blieb den ganzen Vormittag allein. Ich liebe das Ausleiern der Zeit. Das lange Stummsein. Ohne aus dem Bett steigen zu müssen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein wundervoller Wintertag. Am Nachmittag Lesung in der Schule. Umso segensreicher erwies sich die morgendliche Stille im Gutshaus. Das Schulgebäude stand zu Zeiten von Lina Bögli noch nicht. So wie andere Überbauungen im Dorf. Sie hätte sich gefreut über die Präsentation zweiter Schülerinnen der zweiten Klasse. Um drei Uhr nachmittags. Der noch hellen Stunde. An einem wundervollen Wintertag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich erinnere mich – das habe ich sogar gestern den Kwiatonowicern erzählt – dass Lina B. fast ein halbes Jahrhundert lang Tagebuch führte. Tag für Tag. Sie schrieb sogar dann, wenn sie nichts zu schreiben hatte. Zum Beispiel: „Nichts zu sagen.“ Oder: „Dasselbe wie gestern.“ (Und gestern konnte „Ich habe nichts zu sagen!“ gewesen sein). Kunstgriffe fast wie bei Gombrowicz. Abgesehen davon verlief ihr Leben nach der Rückkehr in die Schweiz, sozusagen nach ihrer „Pensionierung” in sehr geregelten Bahnen. Routiniert. Ja fast ritualisiert. Tägliche Spaziergänge. Tägliche Englischstunden. Tägliche Mahlzeiten. Sie aß mit dem Besteck des Königs Kalakaua, das sie geschenkt bekommen hatte zum Abschied von Honolulu. Tägliche Notizen. Je älter sie wurde, desto mehr achtete sie auf die Ordnung eines jeden Tages. Eines jeden Jahres.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin auch verrückt. Da gibt es nichts zu beschönigen. Nach dem Tod von Lina Bögli erschien eine bescheidene Erinnerung an sie. Ein auf Buchseiten zerdehnter Lebenslauf. Von ihrer Freundin Amy Moser. Amy Moser schrieb als erste, was nachher alle getreulich abschrieben, dass Lina Bögli, als sie im Gasthaus „Kreuz” in Herzogenbuchsee wohnte, die Miete für das Eckzimmer im zweiten Stock jeweils „im voraus für 12 Jahre“ bezahlte, um nicht mehr daran denken zu müssen. Ich bin auch Schweizerin. Und ich überlege mir, wie oft sie im voraus für 12 Jahre ihre Miete bezahlen konnte, wenn sie 27 Jahre im „Kreuz” wohnte? Irgendwie geht das nicht auf. Außerdem konnte sie ja nicht zum voraus wissen, wie viele Jahre ihr vergönnt sein würden. Unter diesem Kreuz.&lt;br /&gt;Also setzte ich mich an den Computer und öffnete ihre Tagebücher, die ich vor zwei Jahren gescannt hatte. Ich besitze fast 5000 bitmaps – das heißt elektronische Abbildungen jeder handschriftlichen Seite. Ich überflog von 1915 bis 1940 alle Feiertage, Weihnachtsfeiertage, Silvester- und Neujahrstage. Und schnell erwies sich, dass sie nicht für 12 Jahre die Miete bezahlte, sondern für 12 Monate. Jeweils 300 Franken. Eine Kleinigkeit. Ein Versehen in der Zeit. Wichtiger ist, dass ich bei dieser Gelegenheit entdeckte, dass sie immer an Silvester das zu Ende gehende Jahr mit fast identischen Worten verabschiedete: „Also adieu, du liebes altes Jahr, Tausend dank für alles, was du mir gebracht!“ (31.12.1919 u.a.). So war es immer. Fünfundzwanzig Jahre lang. Bis zum Dezember 1940. Das letzte Tagebuch endet mit dem Eintrag am 28. Dezember 1940: „Es ist ein wundervoller Wintertag; aber mir geht es nicht besser.“ Und danach kommt nichts mehr. Nur Leere. Die schmerzt. Jedesmal, wenn sie sich von neuem öffnet. Auf dem Bildschirm meines Computers. In meinem Gedächtnis. Vor meinem Augen in Kwiatonowice. Weiter nichts. Sie hatte keine Kraft mehr, das alte Jahr mit dem gewohnten Dank zu verabschieden. Es fehlten ihr nur drei Tage. Zwei Tage zuvor, am 26. Dezember hatte sie notiert: „Natürlich fühle ich mich nicht wohler; und jetzt bin ich noch ganz blind am linken Auge. Alles geht dem Ende entgegen!“&lt;br /&gt;Sie lebte noch fast ein Jahr. Aber die Tage wurden nicht mehr hell. Die Stille zerdehnte die Zeit. Sie starb am Tag der Wintersonnenwende, am 22. Dezember 1941. Ein wundervoller Wintertag ist vorüber.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113365472599522252?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113365472599522252/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113365472599522252' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113365472599522252'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113365472599522252'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/ein-wundervoller-wintertag.html' title='Ein wundervoller Wintertag'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113347678389644149</id><published>2005-11-25T23:37:00.000+01:00</published><updated>2005-12-01T23:39:43.913+01:00</updated><title type='text'>Im Auto</title><content type='html'>Den ganzen gestrigen Tag verbrachte ich im Auto. So kommt es mir heute vor. Und das ist ungesund. So die Zeit totzuschlagen. Im Auto. So den Raum zu durchschneiden. Im Auto. So zu mutmaßen. Hinterher. Nach einer schlaflosen Nacht. &lt;br /&gt;Das Gedächtnis führt mich nach wie vor in die Irre. Es hat sich auch im Auto breit gemacht. Fährt mit. Wie der verunglückte Lastwagen auf einer verschneiten Nebenstraße. Wie das vergessene Buch im Rucksack. Wie der plastikverkorkte trockene Rotwein im Kofferraum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diesmal verreiste ich mit Kuczok (und werde, was ich noch nicht weiß, mit Nahacz zurückkehren). Der bereits bekannte Kunstgriff (es geht hier nicht um einen Menschen, sondern um das Werk eines Schriftstellers). Aber im Auto auf dem Weg nach Gorlice griff ich nicht ein einziges Mal nach dem Buch. Das Auto liebt lesende Passagiere nicht. Der Fahrer liebt Gespräche. Vor allem, wenn er eine Frau ist. Kuczok (Opowieści przebrane – Auserlesene Erzählungen) blätterte ich erst im Bett durch. Er bekam mir nicht. Weder dem Hals. Noch den Ohren. Die Augen fielen mir zu. Ich mag kein déjà vu. Weder in Gedanken. Noch unter den Fingerspitzen. Wieder Schläge. Wieder Miststück. Wieder Peitsche. Schreie. Tränen. Und Schmerz. Bis in den frühen Morgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und noch immer bin ich im Auto. In einer winzigen Blechumhüllung. Die absolut keine Farben in ihr Inneres dringen lässt. Die Heizung hingegen steht auf Max. Alle Wege im Leben sind nummeriert. Und hängen wie riesige grüne Schilder im Wind. Schwanken über den lauten Autobahnen. Es gibt keinen Notausgang. Noch einen Fluchtweg. Weder einen zufälligen. Noch markierten. Aus der Tunnelfahrt. Aus der Düsternis eines frühen Novemberabends. Nicht einmal vorwärts. Durch die Nacht. Auch der Rückwärtsgang. Hilft nicht weiter. Und führt nur nirgendwohin. Der gestrige Tag fährt Auto.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113347678389644149?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113347678389644149/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113347678389644149' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113347678389644149'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113347678389644149'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/im-auto.html' title='Im Auto'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113283146891536018</id><published>2005-11-24T07:23:00.000+01:00</published><updated>2006-05-06T18:13:49.930+02:00</updated><title type='text'>Unterwegs</title><content type='html'>Gleich breche ich auf. Heute Lesung in Gorlice. Morgen in Kwiatonowice. Und dann Wochenende.&lt;br /&gt;Paul, mein adoptierter Großvater feiert heute in New Holland Thanksgiving. &lt;br /&gt;Maryna, die Ukrainerin, schrieb gestern ihr Theaterstück zu Ende. Zufrieden erschien sie gegen Mittag in der Küche, kochte ihren ersten Kaffee und sagte: „Geschafft!” Es soll viel Blut fließen. Sie hat vier Personen um die Ecke gebracht. Abends war die Rede davon, dass in der Villa auch Geister wohnen. &lt;br /&gt;Frau Krakowska hatte vor einigen Tagen Geburtstag. Zufällig habe ich das nach so vielen Jahren erfahren. Denn sie feiert nur ihren Namenstag. Sie kam am gleichen Tag auf die Welt wie meine Schwester. Alles ist relativ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frühmorgens liegt auf meinen Fenstern Schnee, der im Laufe des Tages allmählich zerfließt. Ich öffne ein Fenster. Lecke an den Eiszapfen. Berühre den Schnee. Auf dem Dach. Unter dem ich wohne. Der Himmel ist anämisch. Und die Sprache hat ein Problem, dass sie vom Menschen abhängt. Und deshalb lebt. Und unberechenbar ist. Wie wir alle. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich muss auf die Frage eine Antwort geben, warum ich mich in Polen wohl fühle. Morgen. Aber vielleicht auch schon heute. Aber bestimmt die nächsten Wochen, Monate, Jahre. Ununterbrochen. Immer wieder. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Weder heute noch morgen. Ich weiß nur, dass die eigene Verfassung auch eine sprachliche Angelegenheit ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich rechne mit der Hilfe der Landschaft. Der Unteren Beskiden. Und auf den Großvater in Amerika. &lt;br /&gt;Es ist soweit. Ich breche auf.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113283146891536018?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113283146891536018/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113283146891536018' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113283146891536018'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113283146891536018'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/unterwegs.html' title='Unterwegs'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113243343148022410</id><published>2005-11-17T09:49:00.000+01:00</published><updated>2005-11-19T21:51:25.953+01:00</updated><title type='text'>Lendenwirbel</title><content type='html'>Ich schreibe seit dem frühen Morgen. In einer Sprache. Und übersetze. In die andere. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Irgendwo zwischen Himmel und Erde. Heute fielen die ersten vorsichtigen Schneeflocken. Diesmal war es mir, als ob die Sprache immer schärfere Kanten bekäme, immer schmerzhafter werde, je weiter ich nach Westen und Süden vorstoße. Bereits in Berlin stach mir das Deutsch spitz in die Ohren. Und dann in Basel, im Trämli nach Allschwil, der Basler Dialekt – angeblich von allen Schweizer Dialekten dem sogenannten Hochdeutschen am nächsten – einfach nicht auszuhalten. Wie sehnte ich mich nach meinem leeren Zimmer unter dem Dach in Krakau. Gestern tranken wir dann noch bis spät in der Nacht scharfen ukrainischen Honigwodka. Spülten damit den Barszcz hinunter. Alle hielten tapfer mit. In der Küche des Łaski-Hauses. Beim Entgiften der Eindrücke von der Reise. Beim Auflösen der ineinander verkeilten Sprachen. Beim Lockern der Beinmuskulatur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzte Woche sagte uns Martin beim Tai Chi, wir sollten uns nicht auf die Bewegungen des Körpers konzentrieren. Nicht auf die Finger gucken, nicht auf die Hände, nicht auf die Unterarme. Nein. Wir sollten uns konzentrieren auf das Fließen der Energie. Es ging ihm natürlich um das „chi”, auf dieses geheimnisvolle Etwas, das uns durch ein paar unscheinbare Bewegungen zuteil wird. Er gab sogar zu, dass die Chinesen ein spezielles Wort für diese Energie besässen, wir würden es aber vorläufig nicht benützen. Dann führte er in Polnisch vor, welchen Weg die Energie gerade bei der Bewegung, bei der wir angelangt waren, durch unseren Körper zu nehmen habe. Und sagte „kręgosłup” [Wirbelsäule], „barki” [Schultern], „ramiona” [Arme], „ręce” [Hände], „palce” [Finger] und zurück (durch die Handbewegung, welche den Kreis schließt) zu „biodro“ [Hüfte], „brzuch“ [Bauch], „centrum“ [Zentrum]. Mein Gott! Und ich, einfältig wie ich nun einmal bin, konzentrierte mich auf diese Wörter. Der Kopf gefangen von Übersetzen. „Kręgosłup”. Ich weiß schließlich, was das heißt und verstehe. Was das ist: Die Wirbelsäule. Und trotzdem beginne ich zu suchen. Nach irgend einer Stelle in meinem Körper. Nach etwas, das immer an seinem festen Platz sass und sich jetzt plötzlich zurückzieht. Sich in Luft auflöst. Im Wort. In einem unkomplizierten polnischen Wort. In der Sprache. „Kręgosłup”. „Barki” „Ramiona”. Ich spüre nichts. Kein Fließen. Keine Energie. Keine Wärme. Ich habe nichts. Ich bin nichts. Mein ganzer Körper hat aufgehört zu existieren. Verstohlen schaue ich mich um. Vielleicht springt die Wirbelsäule in einem Nebensatz durch das angelehnte Fenster hinaus. Oder drückt sich gerade durch die geschlossene Tür hindurch. Vielleicht hängen meine Schultern in den Dachbalken. Vielleicht drängeln meine Ellbogen im wie immer überfüllten Bus 192 bereits wieder zum Flughafen. Vielleicht klimpern meine Finger im Parterre auf dem Flügel einen Chopin-Walzer. Jemand übt im anderen Zimmer Trompete. Und ich verstehe nicht, warum mir meine Wirbelsäule abhanden gekommen ist. &lt;br /&gt;Durch den nachtkalten Park kehrte ich in die Villa zurück und beschloss, nicht mehr länger über diese Sache nachzudenken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern kam ich zurück. In mein Dachzimmer. Vorgestern früh flog ich von Basel nach Berlin. Vom Flughafen Schönefeld fuhr ich direkt nach Schöneberg. An die Akazienstraße. Zu einer Einzelstunde Tai Chi bei Monika. Sie führte mich in die erste Vertiefungsstufe ein, die sogenannte yin-yang-Form. Und es war genauso wie bei Martin. Monika sagt mir etwas. Weist mich auf dieses hin und jenes. Rückt irgendetwa zurecht. Und plötzlich. Sagt sie: „Denk an die Lendenwirbel”. Mein Gott! Was ist das? „Lendenwirbel”? Kręg lędźwiowy! Der untere Teil der Wirbelsäule. Vielleicht. Das weiß ich doch. Und verstehe. Aber nichts ist da. In meinem Körper gähnt Leere. Aus dem Innern heraus. In die deutsche Sprache hinein. In der Früh hatte ich mich in schweizerdeutsch von meiner Schwester verabschiedet. Der Mann meiner Cousine, der Tochter des verstorbenen Onkels W., gab mir nach dem Begräbnis auf den Weg nach Polen zurück eine Flasche Zwetschgenschnaps mit. Selbstgebrannt aus eigenen Zwetschgen. Er klebte eine handgeschriebene Etikette auf die Flasche. „Bürner Zwetschgen 2001, 43% alc.” Diese Geste hat mich mehr berührt als das ganze durchsichtige Getränk. Monika gestand ich im fünften Stock an der Akazienstraße, dass die Schweizer Sprache, oder besser gesagt: einige der Schweizer Dialekte härter seien, und deshalb mehr verletzten, als die deutsche Sprache. Ich sagte ihr aber nicht, dass die Sprachen (alle) mir gerade meinen Körper rauben. Nach und nach. Ein Teilchen nach dem anderen. Dass die Sprachen mir im Wege stehen. Zur Zeit. Und wie. Mich hindern daran, mich selbst auch nur zu erhasten. Dass die Sprachen strammstehen. Wie die Nationalgarde. Zwischen Gedanken und Haut. Zwischen mir und nicht-mir. Dass jetzt keine Rede davon sein kann, dass das „chi” fließt. Solange Wörter im Raum stehen wie „Lendenwirbel”, „aufgerichtetes Becken”, „langer Rücken” ... – denn ich weiß nicht mehr. Was das ist. Noch wo ich bin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schreibe seit dem frühen Morgen. In einer Sprache. Und übersetze. In die andere. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Irgendwo zwischen Himmel und Erde. Am Nachmittag fahre ich zu meiner Polnischstunde. Vielleicht bringt sie mich weder auf die Beine.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113243343148022410?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113243343148022410/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113243343148022410' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113243343148022410'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113243343148022410'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/lendenwirbel.html' title='Lendenwirbel'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113242915854051813</id><published>2005-11-16T16:38:00.000+01:00</published><updated>2005-11-20T00:35:10.866+01:00</updated><title type='text'>Ukrainischer Barszcz</title><content type='html'>Ich bin zurückgekehrt. Zu Fuß. Von der Bushaltestelle an der Kreuzung Kastanienallee / Lärchenallee. Durch das letzte holperige Stück der Kastanienallee. Bevor sie vor dem Łaski-Haus endet. Dort, wo mein Zimmer unter dem Dach ist. Hier hat man den Eindruck, man sei irgendwo auf dem Dorf (und nicht in einem der besten Quartiere Krakaus). Aufgerissener Straßenbelag. Von Unkraut überwachsene schiefe Gehwege. Ich gehe mitten auf der Strasse. Zur rechten Seite wird ein neues Haus gebaut. Danach kommt die Wiese. Das Pferdegestüt. Und ich habe den Eindruck, in den letzten Tagen die ganze Welt umrundet zu haben. Die ganze Erdkugel auf dem Rücken zu tragen. Nach Hause. Wie meine Engelin. Die Flügel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist noch nicht drei Uhr nachmittags und ich möchte nur noch schlafen. In der Küche kocht ukrainischer Barszcz. In einem riesigen Topf. Die lange Tafel ist schon gedeckt. Was ist hier los? Nazar mit neuer Frisur. Sieht noch edler aus. Lädt mich ein. Zum Essen mit allen um fünf. Ich bin eben erst zurückgekommen. Sage ich. Überflüssigerweise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Kühlschrank in der Küche liegt ein Brief für mich. Aus der Schweiz. Die Todesanzeige von Beat M. Adressiert von meiner Freundin, seiner ersten Frau und Mutter seiner Kinder. Die Welt drückt auf meine Schultern. Niemand konnte damals, als sie sich aus heiterem Himmel trennten, weil Beat eine neue Partnerin hatte, was auch keiner begriff, niemand konnte damals wissen oder ahnen, dass Beat schnell leben muss. Im Trab. Galopp. Zweispurig. Um Schritt zu halten. Womit, weiß bis heute keiner von uns. Aber jetzt verstehen wir, dass ihm wenig Zeit vergönnt war. Er starb an Allerseelen an Herzversagen – mit 47 Jahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Zimmer unter dem Dach zieht mir der Laptop 72 neue emails aus dem Netz. W. ist glücklich in Guangzhou angekommen. Berichtet, dass er ein kurzärmeliges Hemd trage. Tagestemperatur durchschnittlich bei 24 Grad. Ich antworte, dass ich vor fünf anrufe. Weil wir uns um fünf in der Küche zum ukrainischen Barszcz versammeln.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113242915854051813?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113242915854051813/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113242915854051813' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113242915854051813'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113242915854051813'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/ukrainischer-barszcz.html' title='Ukrainischer Barszcz'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113226268999855804</id><published>2005-11-11T11:11:00.000+01:00</published><updated>2005-11-17T22:27:20.633+01:00</updated><title type='text'>Martin ff</title><content type='html'>Heute ist Feiertag. In Polen. Und in gewissen Schweizer Kantonen. Deshalb ist das Begräbnis von Onkel W. in Büren erst morgen. Im Kanton Solothurn arbeitet heute niemand. Dort wird der Heilige Martin gefeiert. Und der Martinsgans der Hals durchgeschnitten. Aber morgen wird gearbeitet. Deshalb komme ich noch rechtzeitig. An. Um mich zu verabschieden. Von ihm. Wie es sich gehört. &lt;br /&gt;So zu reisen, mag ich überhaupt nicht. In der Nacht aus Warschau zurückgekommen. Mit dem letzten Bus in die Villa. Ein paar wenige Stunden geschlafen. Heute um 13 Uhr Flug nach Berlin. Übernachtung in der Wohnung beim Erzengel. Morgen früh hebt um 6:45 mein Flugzeug von Berlin-Schönefeld ab. Nach Basel. Ich habe keine Ahnung, wie ich um diese Zeit an den Flughafen komme. Aber irgendwie wird es schon werden. Um 8:10 soll ich auf dem Euro-Airport in Basel landen – das heißt auf französischem Boden. So war das immer schon. Irgendwie werden sie mich einreisen lassen. In mein Land. Danach mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Und mit dem ersten besten Zug nach Liestal. Ein frühes Mittagessen bei Mutter. Nach zwei Jahren. Ich bin immer irgendwo. Nur nicht da. &lt;br /&gt;Dann mit dem Auto nach Büren. Eine kleine Viertelstunde Fahrt. In Büren verbrachte ich wohl meine glücklichsten Momente. In meiner Kindheit. Wer weiß. Angeblich führt uns unser Gedächtnis andauernd an der Nase herum. Soviel für den Moment. Offensichtlich ruft mich die Schweiz gerade jetzt. Und gerade jetzt widersetze ich mich ihr nicht. Ich treffe sie nach dem Heiligen Martin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113226268999855804?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113226268999855804/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113226268999855804' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113226268999855804'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113226268999855804'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/martin-ff.html' title='Martin ff'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113244240516194295</id><published>2005-11-10T19:16:00.000+01:00</published><updated>2005-11-20T00:27:02.253+01:00</updated><title type='text'>General Juliusz Bijak</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/bijak.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/bijak.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Warszawa. Erst heute entdeckte ich, dass hinter dem Nationalmuseum an der Aleje Jerozolimskie sich das Polnische Militärmuseum versteckt. Dass dort im grünen Garten (sofern man dies so nennen darf) Panzer, Flugzeuge, Helikopter und verschiedenes archaisches, leichteres wie schwereres Geschütz aufgefahren ist. Nie bin ich bisher die paar Schritte Richtung Brücke gegangen, obwohl ich viele Jahre lang hier ganz in er Nähe wohnte, arbeitete, nachdachte, herumspazierte, seinerseits sogar Schlange stand und dies und das erledigte. Heute betrat ich das Museum auf der Suche nach General Bijak. Auf der Suche nach seinem Porträt, einem von Jacek Malczewski gemalten Ölbild. Die Frau an der Kasse wies mich freundlicherweise darauf hin, dass ich mich besser zuerst erkundige – dort in dem Zimmerchen direkt gegenüber – ob dieses Ölgemälde im Museum vorhanden sei, bevor ich sechs Zloty für den Eintritt bezahle. Und in der Tat. Ist das Bild nicht da. Nicht in diesem Museum. Und niemand weiß, wo es sein könnte. Vielleicht in Rogalin. Meint die Chefin der Abteilung Ölgemälde, vom diensthabenden Zuständigen telefonisch in das Zimmerchen „direkt gegenüber“ gerufen, für das kein Eintritt entrichtet werden muss. Vielleicht in Rogalin. Dort befindet sich die größte Sammlung von Malczewskis Gemälden. Ich habe keine Ahnung, wo Rogalin ist. Bei Poznań, erklärt die Ölbildfrau unaufgefordert. Das schaff’ ich heute auf keinen Fall mehr … murmle ich. Und der Diensthabende nimmt telefonisch die Nachricht entgegen, von jemand Unsichtbarem aus den unterirdischen Gängen des Archivs, dass in diesem Museum nichts von General Bijak vorhanden sei. Nicht die kleinste Spur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern gab ich in der Zentralen Militärbibliothek die heute gesparten sechs Zloty für Kopien aus. Für den ausführlichsten Artikel über General Bijak, den ich bislang finden konnte. Zehn Seiten, im Widerspruch zu allen Fakten, die ich bereits gesammelt habe. Aber das ist unwichtig. Viel wichtiger ist, dass der Artikel auch eine Abbildung des Gesuchten zeigt. Eine Reproduktion eines alten Fotos des Generals. In Uniform natürlich. Im Generalskragen. Qualität sehr schlecht. Aber auch das macht nichts. Dies ist das einzige Foto überhaupt – außer der furchterregenden Stilisierung in Öl von Malczewski – das ich kenne. Das einzige vielleicht, das existiert. Wer weiß. Auf diesem Foto jedenfalls sieht Bijak endlich aus wie ein Mensch. Und endlich verstehe ich, warum die Schweizerin Lina Bögli sich in ihn verliebte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Punkt. Sobald ich wieder in Krakau bin, muss ich einen schriftlichen Antrag formulieren, auf Einsicht in die „schmale Personalakte“ des Generals Juliusz Bijak, die sich im Zentralen Militärarchiv in Rembertów befindet. Um einen konkreten Termin ersuchen, und mir ein Plätzchen im Lesesaal reservieren lassen. Und dann nochmals herkommen. Soviel hat sich diesmal in Warszawa geklärt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113244240516194295?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113244240516194295/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113244240516194295' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113244240516194295'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113244240516194295'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/general-juliusz-bijak.html' title='General Juliusz Bijak'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113131996446670885</id><published>2005-11-06T22:31:00.000+01:00</published><updated>2005-11-20T00:23:31.316+01:00</updated><title type='text'>Zehn Jahre Einsamkeit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/boeglikrakausmall.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/boeglikrakausmall.0.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Manchmal bekommen Theaterstücke Beine und laufen durch die Welt. „Lina Böglis Reise“* wurde gestern in Krakau aufgeführt. Ich fragte mich, was kann der Regisseur Christoph Marthaler, mir, Judith Arlt, noch sagen über diese Frau, Lina Bögli? Da niemand antwortete, ging ich hin. Um es zu erfahren. In der „Hala na Rajskiej“. In der Halle an der Paradiesstraße. Einer vergessenen Requisitenkammer des Stary Teatr. Im Bus 192 ist meinem Kopf die Einsicht abhanden gekommen, dass Theater nicht nur von Sprache lebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal wirkt die Schwerkraft und der Mensch kommt nicht vom Fleck. Ich bin Schweizerin, lebe in Berlin, suche seit Jahren Spuren von Lina Bögli und ihrem Geliebten, General Julius Bijak. In Kwiatonowice. In Neuhaus. In New Holland. Ihr Großneffe Paul schloss mich im März in seine Arme und sagte: „Da bist du ja endlich!“ Himmel auf Erden. Wo bin ich hingekommen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es hat lange gedauert. Auf roten Plastikstühlen. Einer provisorischen Zuschauertribüne. Nichts für Menschen mit Rückenschmerzen. Aber neuerdings üblich. In stillgelegten Fabriken und leergeräumten Hotels. Wird Theater gemacht. In Basel am Badischen Bahnhof hätte ich das Stück nicht ernst genommen. Die Lieder als Kitsch verlacht. Die Texte als hoffnungslos banal. Im Berliner Prater hätte mich das Stück zu Tode gelangweilt. Ich wäre in der Pause Bier trinken gegangen. Wie so viele andere auch. Und nicht wieder gekommen. In Krakau hingegen gab es keine Pause. An der Paradiesstraße berührte mich das unauflösbare Dilemma der Hauptfigur an einer Stelle, die ich bisher selbst nicht kannte. An mir. Auf der Bühne stand eine kleine Frau im hochgeschlossenen schwarzen Kostüm. Die disziplinierte Erzieherin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Und um sie herum wucherte die Sehnsucht. Das Heimweh. Die Schweiz. Die Schweiz als Radio. Die Schweiz zum An- und Ausschalten. Die Schweiz als Druckknopf. Die Schweiz als Briefträger. Die Schweiz als See- und Landweg. Die Schweiz als Leiden über Leiden statt Leiden statt Leiden schafft Land und Leute. Die Schweiz als Gottfried Gotthard. Die Besitzgier eines Alpenpassübergangs. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit der Antike kennen wir Personifizierungen. Personifizierte Ängste. Personifizierte Träume. Personifizierte Triebe. Amor und Psyche. Neu ist die Ausweitung des Raumes. Der Requisitenkammer. Tiefenpsychologie auf Orgelpfeifen. Trauermarsch am Stehpult. Der Liebeskummer wird ausgelagert. Modernes Outsourcing. Die Leidensfähigkeit läuft neben dem Taktstock einher. Die Bühne als Innenraum. Das ist überhaupt nichts Neues.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um zehn Jahre entsetzlicher Einsamkeit spürbar zu machen, genügt ein Glas Wasser. Ein roter Apfel. Und drei singende Knaben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* Lina Böglis Reise. Regie: Christoph Marthaler. Dramaturgie: Andrea Schwieter. Musik: Clemens Sienknecht. Darsteller: Catriona Guggenbühl, Michael von der Heide, Albi Klieber, Clemens Sienknecht, Graham F. Valentine. &lt;br /&gt;5. und 6. November 2005, baz@rt.de/ch Stary Teatr Kraków Hala, 20.30&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113131996446670885?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113131996446670885/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113131996446670885' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113131996446670885'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113131996446670885'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/zehn-jahre-einsamkeit.html' title='Zehn Jahre Einsamkeit'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113101043469675733</id><published>2005-11-02T20:43:00.000+01:00</published><updated>2005-11-03T14:31:59.096+01:00</updated><title type='text'>Winterzeit</title><content type='html'>Die Winterzeit hat nichts mit dem Winter zu tun. Sondern gilt gemeinhin als Normalzeit. Das wird heutzutage leicht vergessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sommerzeit hat infolgedessen nichts mit dem Sommer zu tun. Und muss logischerweise als Nichtnormalzeit verstanden werden. Als Unzeit. &lt;br /&gt;Dazwischen, zwischen der Normalzeit und der Unzeit liegt die sogenannte Zeitumstellung. Sie liegt. Steht. Ruht. Klappt auf. Oder zu. Rennt rückwärts. Hastet vorwärts. Springt im Kreis. Oder im Quadrat. Je nach Design. Zeitgeist. Oder persönlicher Vorliebe. In der Küche über dem Tisch hängt üblicherweise eine kreisrunde Uhr. Darüber wurde schon fast so viel sinniert wie über die Erbsünde. &lt;br /&gt;Die Zeit hängt in der Küche und die Umstellung gehört dem Pfarrer. Seit am Sonntag die Zeit wieder in die Normalität eingetreten ist, und nicht in den Winter, beten die Menschen in diesem Land. Und meiner bemächtigt sich jeweils gegen 19 Uhr eine unwiderstehliche Müdigkeit. Ich lege mich dann für ein kurzes Stündchen hin und die Zeit wird ein aktiver Bestandteil meines Schlafes. Das muss mit Krakau zu tun haben, denn in Krakau, erzählte mir Herr Krakowski vorhin, ich war gerade wieder aufgewacht, geschehen die absonderlichsten Dinge.&lt;br /&gt;Die Statistiken hingegen besagen, dass es am Montag nach der Zeitumstellung zu mehr Unfällen auf der Straße kommt als an jedem anderen Montag des Jahres. Deswegen haben die Brandenburger nun auf diesen Montag einen Feiertag gelegt. Und die Polen auf den Dienstag nach dem Montag nach dem Sonntag. So dass weder am Sonntag, noch am Montag, noch am Dienstag, noch am Mittwoch auf Zeit gearbeitet werden muss. Und sich niemand der Gefahr aussetzt, von einer planmäßig überfüllten Straßenbahn überfahren zu werden. &lt;br /&gt;Bären, habe ich gelesen, fressen sich vor der Winterruhe täglich bis zu einem halben Kilogramm zusätzliches Körpergewicht an. Der Winter ist dick und schläfrig. Die Zeit hat nichts mit dem Wetter zu tun. Die Zeit ist souverän und Körpertemperaturunabhängig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In manche Texte schleichen sich ungeahnte Konturen. Wie in das raschelnde Laub im Park. Es liegt bereits knöcheltief. Im richtigen Winter, unter einer dicken Schneedecke, wird die Zeit endgültig nichts mehr verloren haben. Eisblumen sind keine Umlaute. Und nackte Äste keine Sekundenzeiger. Gestern war ich den ganzen Tag auf dem Friedhof und habe kein einziges Wort geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt; zum Gedenken an Beat Mohler &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113101043469675733?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113101043469675733/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113101043469675733' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113101043469675733'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113101043469675733'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/11/winterzeit.html' title='Winterzeit'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113078462355059611</id><published>2005-10-28T21:15:00.000+02:00</published><updated>2005-11-01T22:49:37.100+01:00</updated><title type='text'>Martin</title><content type='html'>Plötzlich tritt ein Martin nach dem anderen in mein Leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzte Woche, als ich morgens auf den Bus wartete, hing ein rosa Flugblatt an der Wand hinter der Bushaltestelle. Etwas schief. Mit gelbem Klebstreifen angebracht. Aber deutlich lesbar. Dass man sich ab sofort im Kulturklub Wola an der Königin Jadwiga-Straße 215 zu Chen Tai Ji Chuan-Kursen einschreiben könne. Ich stand ja auf der Königin Jadwiga-Straße. Und fühlte die bittere Morgenluft auf der Brust. Ich hatte aber keine Ahnung, auf welcher Höhe, unter welcher Nummer. Ich mich gerade befand. Eine Bushaltestelle ist kein Haus. Obwohl der Mensch da mittlerweile auch ein Dach über dem Kopf und eine Holzbank unter dem Hintern hat. Das Haltestellenhäuschen hingegen besitzt keine Hausnummer. Und dann erblickte ich plötzlich zum ersten Mal – wie oft wartete ich hier bereits auf den Bus? – auf der anderen Straßenseite zwei goldene Täfelchen mit den Nummern 211 und 209. Also kann die 215 nicht allzu weit entfernt sein. Ein Bus unterbrach meine numerologischen Betrachtungen. Überfüllt, schon zu dieser frühen Stunde, schwankte der 192-er vom Flughafen an den Straßenrand. Hielt einen Moment inne und nahm uns alle mit. Keuchte schwer und fuhr wieder los. Schon zu dieser frühen Stunde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend ging ich mich erkundigen. Der Kulturklub öffnet erst um 15:00 Uhr. Ob ich zu einer Probestunde kommen könne. Und mich danach entscheiden. Ob ich mich für den Kurs einschreibe oder nicht. Japan hat mich Vorsicht gelehrt. In allen Lebensbereichen. Nicht nur in Bezug auf Tai Chi. Und man sagte mir, dass Martin das „Training“ leite, ein erfahrener Lehrer. Dienstags und donnerstags.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein ganz anderer Martin übersetzt einen Auszug meines Japanischen Tagebuchs ins Englische. Diese Notwendigkeit ergab sich hier plötzlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und mein Bruder, auch Martin – hat heute Geburtstag. Er ist älter als ich, also kenne ich ihn, seit ich auf der Welt bin. Er vollendet genau in dieser Stunde, in diesem Moment sein erstes halbes Jahrhundert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern ging ich mutig zu dem mir bislang unbekannten Martin. Ich durchquerte den Park unter der Villa mit schnellen Schritten, denn es ist dunkel überall, dunkel überall. Und schon war ich da. Im ersten Stock des kleinen Landhauses. Etwas oberhalb der Haltestelle „Sielanka“ [Das (Dorf-)Idyll]. Unten spielte jemand Klavier. Ansonsten war es wohltuend still. Ich atmete auf. In Berlin versammeln sich die wunderlichsten Leute zum Tai Chi. Hauptsächlich fortgeschrittenen oder mittleren Alters. Die auf der Suche nach irgendetwas sind für ihre zweite, bessere Lebenshälfte. Ich weiß es selber nicht. Wonach wir alle suchen. Schauspieler. Musiker. Künstler. Tänzer. Schriftsteller. Journalisten. Lehrer (außer für Rockmusik, Blockflöte, Posaune oder Klavier auch für Mathematik und Chemie). Verleger. Fotografen. Und eine Richterin. Sie ist vielleicht die normalste von uns allen. An der Königin Jadwiga-Straße ist alles anders. Es kamen zwei Jungs. Einer mit einem langen, wunderschönen dunkelbraunen Zopf – ein schüchterner, etwas gehemmter Teenager, aber sehr aufmerksam. Der andere deutlich jünger. Rundlich. Ungeduldig. Ausgelassen. Sie haben schon drei sogenannte Trainingsstunden hinter sich. Das heißt, sie sind Anfänger. Und ich bin von der ersten Stunde an im Rückstand. Und die Älteste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das warme Gefühl blieb noch lange in den Knien, nachdem ich den dunklen Park wieder durchquert hatte. Lange hieß uns Martin nur stehen. In den ersten Qi gong-Stellungen. Der dicke Junge hielt das nicht aus. Aber er klagte nicht. Weinte nicht. Begehrte nicht auf. Martin berichtigte vorsichtig unsere Körperhaltungen. Richtete das Rückgrat gerade. Die Arme. Die Schultern. Die Hüften. Das Becken. Loslassen. Loslassen. Alles loslassen. Ich lerne bei der Gelegenheit die Wörter für jeden Körperteil. Die Form beginnt mit einem Schritt nach links. Ich war sprachlos. In Berlin geht der erste Schritt nach rechts. Nach Osten. Aber spielt es eine Rolle? Die verschiedenen Meister haben die Welt in verschiedene Zonen eingeteilt. Und damit ungesunde Rivalitäten im Kampf um die beschränkte Anzahl von Kunden unterbunden. Und so machen wir gehorsam den ersten Schritt nach links. Oder nach rechts. Um niemandem auf die Füße zu treten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In diesem Land. Bin ich überall die Älteste. Im Bus. Auf der Straße. Im Kino. Auf dem Weg nach Hause. In der Villa. Im Theater. Im ersten Stock. In der Kneipe „der achte Tag der Woche”. Bei der Lesung mit dem diesjährigen Nike-Preisträger. Auf der Buchmesse. Auf dem Fahrrad. An der Rudawa. An der Weichsel. In der Straßenbahn. Unter dem Wawel. Bei Polakowski.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt warte ich auf den vierten Martin. Den neuesten Stipendiaten in der Villa. Er wird mich erlösen. Denn er ist älter als mein Bruder. Schon in wenigen Tagen oder wenigen Stunden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113078462355059611?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113078462355059611/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113078462355059611' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113078462355059611'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113078462355059611'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/martin.html' title='Martin'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113059532253608191</id><published>2005-10-26T22:14:00.000+02:00</published><updated>2005-10-29T16:19:09.540+02:00</updated><title type='text'>Die Welt in schwarz und in weiß</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/49_thumbnail.0.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/400/49_thumbnail.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wir führen ein Pinguinleben. Im Rhythmus regelmäßiger Trennungen. W. kam angeflogen. Und ist schon wieder weggeflogen. Er kann, wie gesagt, im Gegensatz zu fluguntauglichen Vögeln problemlos fliegen. Mich hingegen quält der erste herbstliche Schnupfen. Und ich verstehe gewisse Präfixe im Polnischen nicht. Warum beispielsweise „gelandet“ und „gestartet“ auf den Anzeigetafeln (und überall sonst, wo Schrift existiert) mit der gleichen Vorsilbe „wy" gebildet werden („wystartował”, „wylądował”). Aber jetzt sehe ich, dass das im Deutschen genauso ist. Obwohl es auch hier für ankommen, anreisen, Einreise usw. andere Vorsilben gibt. Wie auch immer. W. ist in einer orangefarbenen easy-jet-Maschine „gestartet” und hat mir so seinen schwarzen Rücken zugekehrt. Und wie bei den Kaiserpinguinen dauert es zwei Monate, bis wir uns wieder sehen. Und er mir mit seinem weißen Bauch entgegenkommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Flughafen fahre ich direkt zu meiner zweiten Polnischstunde. Hier werden die grauen Zellen aufgefrischt. Und das Hirn bekommt Nahrung. Die weiße Seite der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danach direkt nach Kazimierz. Der Himmel glüht im Westen. Zur literarischen Namenstagsperformance zweier Nazar. Des einen Nazar, der bei uns in der Villa wohnt. Und eines anderen. Pinguinleben. Die Bar ist schwarz wie die Nacht. Die Sprachen wirbeln in Pfeifenrauchschwaden wie die Engel auf biblischen Wölkchen. Ukrainisch. Russisch. Polnisch. Deutsch. Englisch. Am besten gefällt mir die poetische Phrase unseres Nazar, die er in allen verfügbaren Sprachen vorträgt: „Gott ist ein unbestimmtes Fürwort.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und deshalb müssen sich Pinguine unter solch widrigen Umständen lieben, begatten und ernähren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113059532253608191?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113059532253608191/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113059532253608191' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113059532253608191'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113059532253608191'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/die-welt-in-schwarz-und-in-wei.html' title='Die Welt in schwarz und in weiß'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-113058662291998069</id><published>2005-10-25T23:49:00.000+02:00</published><updated>2005-10-29T16:20:44.560+02:00</updated><title type='text'>Die Reise der Pinguine</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/penguins.1.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/200/penguins.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang kam und brachte mir verschiedene seltsame Dinge mit. Aus Berlin. Stapel alter Zeitungen. Aus einer anderen Welt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann fuhren wir Straßenbahn. Es zog uns ins Kino. Wir wollten den Film „Der Marsch der Pinguinie“ sehen. Seit einiger Zeit bin ich Pinguinverrückt. Und finde, dass wir viel zu wenig an Pinguine denken, über sie sprechen. Sie sind uns gleichgültig. Die Welt funktioniert bestens ohne sie. Zum Beispiel gibt es kaum Kinderspielzeug in Form von Pinguinen. Es ist mir bis heute nicht gelungen, einen Quietschepinguin aus Plastik für die Badewanne zu kaufen, der einen typischen Piguinlaut von sich gibt, wenn das Kind ihn in seiner kleinen Faust einschließt. Es gibt nur gelbe Quietscheentchen. Und die Kinder lernen in ihren ersten Badetagen, dass in der Badewanne nur eine Waltdisneyente schwimmen kann. Ich wünsche mir einen Badewannenpinguin. Obwohl ich weder ein Kind bin noch eines habe. Noch zur Zeit in der Villa in einer Badewanne baden kann. Aber ich habe eine Engelin mit Gießkanne. Pinguine sind fluguntaugliche Vögel. Sie rudern mit den Flügeln im antarktischen Meer und steuern mit den kurzen Beinen und den Schwimmflossen zwischen den Zehen. Meine Krakauer Engelin kann auch nicht fliegen. Sie hängt hier über mir, unter dem Dach, und scheint ganz zufrieden zu sein. Sie schreitet eher durch die Luft. Mit entschiedenen Schritten. Beinen. Marschiert sie. In ihren Filzstiefeln. Als dass sie schwebt. Auf Flügeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fuhren also mit der Straßenbahn. Mit der Nummer 1. Im Rucksack saß mein Pinguin. Mein kleiner weicher Stoffpinguin, den ich vor einigen Jahren geschenkt bekam. In London. Im Naturkundemuseum. An der Themse. Von eben jenem Wolfgang. Mit dem alles begann. Und jetzt fahren wir zusammen ins Kino. In eine unwirtliche Welt. An einen Unort. In ein riesiges Einkaufszentrum. Mit Geschäften, die überall anzutreffen sind. Mit Fressbuden, die überall anzutreffen sind. Mit Kinos, die überall anzutreffen sind. Mit Filmen, Waren, Bigmacs, Imax’s, None’s ... Ein französischer Film, synchronisierte Version. Also polnisch. Wolfgang ist begeistert. Die Sprache wird ihn nicht berühren. Er las in der Zeitung, während er nach Krakau flog (Wolfgang kann im Gegensatz zu den Pinguinen fliegen), dass die Bilder schön sind und der Text dumm. Dass die Wörter eine rührselige Hollywoodstory erzählen wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein leerer Saal. Gut gekühlt. Am Anfang sitzen nur wir drei drin. Dann kommt noch eine Familie mit einem richtigen Kind. Und tatsächlich – die Wörter, die synchronisierten Texte unter den Bildern, versuchen eine menschliche Liebesgeschichte zu bilden. Mit der langen, auszehrenden Reise am Anfang, einem zweihundertkilometerlangen Marsch zum Brutplatz, mit anschließendem Liebestanz, Liebesgesang, Liebesberührung, Liebeserfüllung, dem Versprechen ewiger Treue, mit dem Warten auf das Ei, mit der rituellen Übergabe des Eis an den Vater, der es ausbrütet, austrägt, in der unteren Bauchfalte. Und schon müssen sich die Liebenden trennen. Die Mutter watschelt zurück zum Eismeer, denn sie ist hungrig und erschöpft. Sie kehrt nach zwei Monaten zurück, um das Küken zu füttern und den ausgehungerten Vater abzulösen. Angeblich – so sagen es die Wörter, nicht die Bilder – erkennen die Mütter in der Ansammlung von einigen Tausend Pinguinen ohne Probleme den richtigen Partner und das eigene Küken, das während ihrer Abwesenheit aus dem Ei geschlüpft ist. Christliche Tugenden in der Antarktis. Und so weiter. Der Vater wankt von dannen, denn nun braucht er dringend Nahrung. Die Weisheit der Pinguinküken gipfelt in der Feststellung, dass die Welt aus einer schwarzen Seite und einer weißen Seite besteht. Die schwarze Seite bedeutet Abschied, Trennung, Schmerz. Und die weiße Seite bedeutet Rückkehr. Vereinigung. Im Kreis der Familie. &lt;br /&gt;Dies ist eine poetische Sicht der Welt. Und die Poesie ist menschlichen Geschlechts. So wie der Kitsch. Oder die Romantik. Ich bin mir nicht sicher, ob auf dem antarktischen Packeis Zeit für Poesie ist. Oder Platz für einen malerischen Sonnenuntergang. Dort geht es eher um Leben oder Tod. Ausschließlich. Um Hunger und Futter. Um nichts anderes. Um Wärme und Kälte. Um Widerstandsfähigkeit. Wie viel Zeit verbringen Kaiserpinguine in ihrem Leben mit untätigem Warten. Auch Langeweile ist menschlichen Geschlechts. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir hingegen kehren in die Normalität zurück. In der Nacht. Mit unserem kleinen weichen Pinguin im Rucksack.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-113058662291998069?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/113058662291998069/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=113058662291998069' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113058662291998069'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/113058662291998069'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/die-reise-der-pinguine.html' title='Die Reise der Pinguine'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112998592068307304</id><published>2005-10-21T21:09:00.000+02:00</published><updated>2005-10-26T22:19:13.766+02:00</updated><title type='text'>Polnischstunde</title><content type='html'>Heute früh um neun hatte ich die erste Polnischstunde – die erste seit sicher zwanzig Jahren! Wann genau ich aufhörte, Stunden zu nehmen und einen Lehrer zu haben, weiß ich nicht mehr. Auch nicht, wann genau ich anfing. Vielleicht 81 oder 82. Sass ich im Kurs von Felek. In einem stickigen Vorlesungssaal der Universität Basel. Ich verstand nichts. Überhaupt nichts. Felek schrieb uns stundenlang Ausnahmen an die Tafel. Und ließ sie uns abschreiben, Ins Heft. In den Kopf. Ins Gedächtnis. Damals gab es noch nicht einmal Computer. Die Augen brannten. Von solchen und anderen Ausnahmen. Der Hals brannte. Von Zisch- und anderen Lauten. Felek war stolz (und ist es wahrscheinlich immer noch), dass er mehr Ausnahmen kannte als die Polen selbst. Felek verdanke ich viele Dinge in meinem Leben. Wirklich. Aber nicht meine polnischen Sprachkenntnisse. Felek verdanke ich fast alles, mit Ausnahme der Sprache. Felek schickte damals uns alle, die sich mit der Absicht trugen, nach Polen zu fahren, für längere oder kürzere Zeit, zu den Krakowskis in Krakau. Und so klopfte auch ich eines Tages zum ersten Mal an die Tür an jener und keiner anderen Straße in Krakau und behauptete in gebrochenem Polnisch, dass mich Felek schicke … Und das genügte. Für alles und für immer. Seit Oktober 83 studierte ich in Warschau. Ja. Und besuchte regelmäßig die Kurse am Polonicum. Bei einem Mann, dessen Gesicht ich deutlich vor mir sehe, dessen Name sich aber nicht mehr verbalisieren will. Sprachkurse für Ausländer. Damals brachte ich kaum einen Satz über die Lippen. Ich kam am Namenstag von Tadeusz in Warschau an. Das wusste ich damals so wenig wie alle anderen Dinge. Nach 85 hatte ich bestimmt nie wieder einen Lehrer, noch eine Stunde – bis heute früh um neun Uhr. Mathematisch gesehen, heißt das, dass ich zwei, drei, höchstens vier Jahre Polnisch lernte. Und ich habe die Frechheit, zu schreiben. In dieser Sprache. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht träumte ich zum ersten Mal. Die Engelin wachte, wie immer. Unter dem Dach. Mit der vollen Gießkanne in der linken Hand. Seit ich hier bin, habe ich einen leichten Schlaf. Locker wie frischer Schnee. Betäubend wie Watte. Farblos. Ohne Alltäglichkeiten. Ohne Verletzung, Hysterie, Neid, Aggression. Heute wachte ich auf und wusste sofort, dass ich zum ersten Mal geräumt hatte, dass es mich gibt. Der Traum präsentierte mir ein deutliches Bild aus den ersten Tagen, als ob dies das wichtigste Moment meines Krakauer Lebens wäre, und brachte darüber hinaus alle Gefühle, Welten und Zeiten durcheinander. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt lerne ich. Alles, ich nicht Felek verdanke. Im vorletzten (polnischen) Blogeintrag sollte ich vielleicht das Wort „ochronę” durch „borowiki” ersetzen. Aber wer weiß, ob das nicht wieder anders herum unkorrekt ist. Und irgendwann in der Zukunft werde ich mich der unübersetzbaren Poetik von „powsinoga“ oder „drapichrust“ annehmen müssen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112998592068307304?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112998592068307304/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112998592068307304' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112998592068307304'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112998592068307304'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/polnischstunde.html' title='Polnischstunde'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112983458935322281</id><published>2005-10-18T20:55:00.000+02:00</published><updated>2005-10-20T20:56:29.363+02:00</updated><title type='text'>Nach dem Vollmond</title><content type='html'>Seit gestern lese ich im Bus. Das heißt, ich bin nicht mehr immer auf der Hut. Wie ein verwundetes Tier. &lt;br /&gt;Seit heute steige ich um. Unbekümmert. Vom Bus in die Straßenbahn. Oder nehme an der Haltestelle „Sielanka” [Das (Dorf-)Idyll] den leeren 134 (er brachte die erste Fuhre Kinder in den Zoologischen Garten und holt jetzt neue Passagiere aus der Stadt). Mutig. Statt auf den überfüllten 192 vom Flughafen zu warten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern lärmte der Gärtner mit seinem an den schweren Rucksack montierten Schlauch erbärmlich. Den lieben langen Tag. Pustete er rund um die Villa alle Blumenbeete, Rosenrabatte, Gehwege, Fahrwege, Parkplätze und Rasenflächen frei von dem Ballast, den die müden Buchen übers Wochenende abgeworfen hatten. Und da es die letzten Nächte nieselte, ging ihm das nicht mehr so einfach von der Hand. Feuchtigkeit. Fäule. Nässe. Schwere. Er schleppte tatsächlich den entsetzlich röhrenden Motor auf dem Rücken herum. Von früh bis spät. Ich wollte sichergehen. Und schlich ihm nach. Er bemerkte mich nicht. Er hörte nichts. Weder hupende Autos noch tapsende Bären. Auf seinen Ohren lagen Schoner. Dicke. Goldgelbe, Wie riesige Sonnenblumen. Zu beiden Seiten des Kopfes.&lt;br /&gt;Heute ist es totenstill. Ich sitze mit Nazar, dem Dichterperformer aus Lemberg, in der Küche. Er trinkt Kaffee. Ich Kräutertee. &lt;br /&gt;„Der Gärtner hat heute wohl frei”, sage ich. Um irgendetwas zu sagen.&lt;br /&gt;„Nein”, widerspricht Nazar. Entschieden. „Er arbeitet. Ich beobachte ihn von meinem Zimmer aus. Er hat alle faulen Blätter auf einen großen Haufen geblasen. Jetzt zieht er sie auf eine kilometerlange Nylonschnur auf. Die spannt er durch alle Bäume im Park. Hängt Blätter auf wie wir tropfende Wäsche. An die Sonne. Zum Trocknen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern Nachmittag im Kino Ars „Lawa”. Mit etwa fünf anderen Verlorenen Seelen. Der Film hat mich sehr angestrengt. Auch der Vollmond. Und meine Tage. Das ist mir wieder einmal wunderbar gelungen. Das erste Kopfweh in Krakau. Lawa ist der letzte Film, den Konwicki gemacht hat. Regie geführt. Drehbuch geschrieben. Gustaw Holoubek spielt den alten Visionär und Dichter (denselben, der momentan auf dem Krakauer Marktplatz so einsam ist), der nach Litauen zurückkehrt. Wie jung der Schauspieler in dieser Rolle aussieht.&lt;br /&gt;Heute denke ich den ganzen Tag darüber nach, warum der letzte Film von Konwicki (Lawa) so gänzlich anders ist – eine ganz andere Art von künstlerischem Resümee sozusagen – als das letzte Buch von Konwicki (Pamflet na siebie – Pamphlet über mich selbst). Und warum denke ich darüber nach? Es gibt hier ganz und gar nichts zu vergleichen. Was hat das zu bedeuten?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112983458935322281?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112983458935322281/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112983458935322281' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112983458935322281'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112983458935322281'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/nach-dem-vollmond.html' title='Nach dem Vollmond'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112971426362502296</id><published>2005-10-15T11:29:00.000+02:00</published><updated>2005-10-19T19:43:45.413+02:00</updated><title type='text'>Blaues Tal</title><content type='html'>&lt;a href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/Niedzica11.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/400/Niedzica1.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foto:  © W.M. Krakowski&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frau Krakowska und ich im Herbst. Aufstieg durch das blaue Tal. Das Foto "wir oben angekommen" befindet sich im polnischen Blog.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112971426362502296?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112971426362502296/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112971426362502296' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112971426362502296'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112971426362502296'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/blaues-tal.html' title='Blaues Tal'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112966009868890284</id><published>2005-10-14T20:08:00.000+02:00</published><updated>2005-10-19T19:44:25.860+02:00</updated><title type='text'>Niedzica</title><content type='html'>Herr Krakowski rief an, als ich im EMPiK* stand, im Erdgeschoss, in der Abteilung Ausländische Presserzeugnisse, neben der Kasse. &lt;br /&gt;„Fährst du mit nach Niedzica?” fragte er. &lt;br /&gt;Typisch Herr Krakowski! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freitag, halb fünf nachmittags, dichter Sprühregen über die Stadt, und ich bin verabredet mit einem Menschen, den ich noch nie im Leben gesehen habe. Ich kenne nur seinen Namen: Ernst. Herr Ernst verspätet sich offenbar. Aber das ist normal in diesem Land. Sogar unter Ausländern. Wir akklimatisieren uns schnell. Ich bin verabredet mit Herrn Ernst. Aus Rücksicht auf das Wetter im Erdgeschoss von EMPiK und nicht vor der Marienkirche. In der Abteilung Ausländische Presserzeugnisse. Wo immer ein furchtbares Gedränge herrscht. Neben der Kasse. Wo die Leute dicht hintereinander anstehen. Ich fühle mich hier nicht wohl. Lesen mag ich nicht. Weder den &lt;span style="font-style:italic;"&gt;Spiegel&lt;/span&gt;, noch den &lt;span style="font-style:italic;"&gt;Stern&lt;/span&gt;. Es gibt eine sogenannte goldene Regel (meine eigenen Erfahrungen haben sie aufgestellt): wartest du am Bahnhof auf eine bekannte oder unbekannte Person, dann setzt dich nie auf eine Bank! In der Menge wird man dich weder finden noch erkennen. Warten ist keine passive Tätigkeit. Sondern eine aktive. Ein sitzender Mensch sieht nicht danach aus, als würde er etwas oder jemanden erwarten. Ein sitzender Mensch weiß meistens nicht, was mit sich selbst und der dazu gewonnenen Zeit anfangen. Am Bahnhof. Während er auf den Zug wartet, der eineinhalb Stunden verspätet eintrifft. Zum Beispiel. Übertragen wir das Muster des Wartens vom Bahnhof auf die Abteilung Ausländische Presseerzeugnisse im Krakauer EMPiK: versinke nicht in einem Text! Hinter den Zeitungsseiten wirst du unsichtbar. Unbemerkbar. Hörst sofort auf zu existieren. Am Bahnhof gelingt das Warten entschieden besser. Denn dort gehört es hin. Im EMPiK hingegen, am Freitagnachmittag, während es draußen nieselt, wirkt das Warten – und dazu noch auf Herrn Ernst – in vielerlei Hinsicht verdächtig. Nicht nur, dass ich andauernd jemanden anremple, stoße, berühre, andauernd jemandem den Griff zur Zeitung oder zum Geldbeutel versperre. Sondern der Sicherheitsdienst. Beobachtet mich mit scharfen Blicken. Registriert genau jede meiner Bewegungen. Jeden meiner unsicheren Schritte. Und sieht, dass ich weder lese noch kaufe. Nur schaue. Beobachte. Rund herum. Das ist schließlich seine Aufgabe, nicht meine! Mein Mobiltelefon meldet sich. Der Mann vom Dienst hört mit, ohne Anstrengung. Jedes Wort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich stehe hier und warte auf jemanden, den ich nicht kenne. Im Ernst.” &lt;br /&gt;„Ohohooo!”, grinst Herr Krakowski in meinem linken Ohr. Weit und Breit.&lt;br /&gt;„Was für eine Überraschung …” &lt;br /&gt;„Wir wussten selber nicht, ob ...“ &lt;br /&gt;„Kein Problem. Nur ...&lt;br /&gt;„Es geht auch später. Um Mitternacht.” &lt;br /&gt;„... ich muss ihn zuerst treffen. Erkennen. Im Ernst. Herrn Ernst. Ich ruf dich in einer Stunde zurück.“&lt;br /&gt;„Okey.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich fuhr ich mit. Mit Herrn Krakowski und Frau Krakowska.&lt;br /&gt;Sie holten mich in der Villa ab nach acht. Und ab ging’s nach Niedzica. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Fortsetzung folgt&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;* EMPiK = größte Buchhandelskette in Polen&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112966009868890284?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112966009868890284/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112966009868890284' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112966009868890284'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112966009868890284'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/niedzica.html' title='Niedzica'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112950004647891397</id><published>2005-10-13T22:13:00.000+02:00</published><updated>2005-10-17T00:01:42.650+02:00</updated><title type='text'>Der Dreizehnte</title><content type='html'>Nachmittags fängt es an zu regnen. Leichtes Nieseln. Bedeckt dann die ganze Nacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend im Kino Ars, im Reduta-Saal. Dies ist der einzige Kinosaal in Polen (oder auf der ganzen Welt?), in dem weder gegessen noch getrunken werden darf. „Schau dir den Film in Ruhe an” – so wirbt das Kino mit diesem einen Saal. Das heißt: ohne Popcornkauen, ohne Bierrülpser, ohne Flaschenklirren. &lt;br /&gt;In solcher Ruhe verlief die Veranstaltung unter dem Titel „Mein Konwicki: Inspiration und Interpretation.” Erstklassige Gesprächspartner. Gießen sich gegenseitig klares Wasser aus einer Karaffe ein. Sie dürfen. Denn sie müssen reden. Ins Mikrophon. Wajda. Lubelski. Trzaskalski. Und der Direktor. Des Kinos? Eher des Buchinstituts, das diese, sowie andere Veranstaltung organisiert. Konwicki ist nicht da. &lt;br /&gt;„Aus gesundheitlichen Gründen”, erklärte der Mann, den der Chairman mit „Herrn Direktor” anspricht. &lt;br /&gt;Vielleicht stimmt das sogar. Gestern sprach ich mit meinem Meister. Er schien, für sein Alter, ganz gesund. Aber jeder weiß, dass er abergläubisch ist. Und an einem Dreizehnten nie im Leben in einen Zug steigt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Mein Konwicki” – das ist meine Erfindung. Das ist der Titel meines Buches. So wie „Zwierzoczłekoupiór” (der Erfinderhund) die Erfindung Konwickis ist. Und gleichzeitig der Titel seines Romans ist. Und so weiter. Jeder von uns besitzt etwas. Und trägt es bei. Zum populärwissenschaftlichen geistigen Eigentum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gespräch verläuft ausgesprochen freundlich, soweit es meinen Meister betrifft. Wajda stellt gleich zu Beginn klar, dass Konwicki durch nichts ersetzt werden könne. Durch keinem Stellvertreter. Mit keiner Anekdote. Keinem einzigen Scherz. Keiner noch so langen Aufzählung all seiner Verdienste. Er ist nicht da, und das ist schade! Denn er fehlt uns hier. Dann gesteht er, später, spontan, im Laufe des Gesprächs, ein, dass sich immer alle vor ihm gefürchtet hätten. Und immer noch fürchten. Fügt er nach kurzem Schweigen hinzu. Und ich fühle mich plötzlich unter meinesgleichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während der Pause gelingt es mir, Herrn Wajdas Hand zu drücken. Und ihm zu danken für die feinfühligen Worte. Und mich vorzustellen als Autorin des Buches, das ich die ganze Zeit in der Hand halte. „Mein Konwicki”.&lt;br /&gt;„Mein Konwicki?” wundert er sich. „Dieses Buch kenne ich ja gar nicht.”&lt;br /&gt;Vielleicht stimmt das sogar. Ich weiß, dass die Auflage vergriffen ist. Und dies ist mein persönliches Exemplar, das ich nicht einmal Ihnen schenken kann. Leider. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann verschwinden die Gesprächspartner im Dunkel. Und über die Leinwand läuft „Der letzte Sommertag“, schwarz-weiß, asketisch, 1958 an der Ostsee gedreht. Irena Laskowska, die Hauptdarstellerin, traf ich zufällig im Mai in Warschau. Dank der Einladung von Krystyna H. Zu einem exzellenten Brunch im Hotel Polonia. Sie schämte sich sehr, als ich ihr erzählte, dass ich sie aus dem “Letzten Sommertag“ kenne. Mit beiden Händen bedeckte sie ihr Gesicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stadt ist ganz nass. Mein letzter Bus fährt an Werktagen um 22:40 Uhr vom Matejko-Platz los.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112950004647891397?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112950004647891397/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112950004647891397' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112950004647891397'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112950004647891397'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/der-dreizehnte.html' title='Der Dreizehnte'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112920232237704238</id><published>2005-10-11T23:59:00.000+02:00</published><updated>2005-10-13T13:18:42.386+02:00</updated><title type='text'>Handschuhe</title><content type='html'>In der Früh Nebel. Die Hände erstarren während meiner Übungen im Park. Ab morgen werde ich nur noch mit Handschuhen mein Zimmer verlassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Mittag Sonne. Mittagessen mit R. Nach dem Tee zeigt sie mir, wo ihre Katze begraben ist. Nicht der Hund. Sie hatte ihre Katze mitgenommen, als sie ihr Stipendium in der Villa antrat. Vor Jahren. Und die alte Katze starb in Krakau. Lieber so, tröstete ich sie damals, als anders. Stell dir vor, was geschehen wäre, wenn die Katze hätte in Berlin bleiben müssen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum ersten Mal fährt mir ein leichter Schauer über den Rücken. Verstört. Überlege ich mir, im Gespräch mit R., bei Bigos und Fisch, was ich hier eigentlich zu tun habe. Ohne Katze. In Handschuhen. Im Zimmer unter dem Dach. Ich wollte immer schon unter dem Dach wohnen. Eine neue Prosa beginnen. Poetische Prosa. Mein Gott, was soll das heißen? Reine Langeweile. Oder – um Konwicki zu zitieren „das nächste Buch, das keiner braucht“. R. versichert mir, dass die Zeit schnell vergeht. Und wohin? Wohin? Wohin? Sanatoriumsbelletristik. Zauberberg. Seit gestern steht auf dem Parkplatz vor der Villa ein altmodisches weißes Auto mit Schweizer Nummernschild. BL 153 83. Es ist ein Auto aus meinem Heimathalbkanton Basellandschaft, das sehe ich. Das heißt aus der Landschaft rund um die Stadt Basel herum. Und wohin? Wohin? Wohin?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gelang mit, einen eingeschriebenen Brief abzuschicken. Von der Post an der Straße, die nach der Königin Jadwiga benannt ist. Und eine Zweimonatskarte für alle Nacht- und Tageslinien von Bus und Tram zu kaufen, ohne Schlange zu stehen. Nun fühle ich mich als vollwertige Bewohnerin dieser Stadt. Als Belohnung holte ich mir am Kiosk die „Wróżka” [Die Wahrsagerin]. Den ganzen Oktober werde ich gesund, reich und glücklich sein! Ich habe nur dunkelrote, dh sehr positive Herzchen, Dollarzeichen und Sonnenstrahlen. R. übrigens auch, denn das war heute unser Geburtstagsschmaus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Nebel kehrt gegen Abend zurück. Woher nur? Woher? Woher? Ich liebe die schwere Nachtluft. Im Radio Zeit für Jazz.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112920232237704238?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112920232237704238/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112920232237704238' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112920232237704238'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112920232237704238'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/handschuhe.html' title='Handschuhe'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112905746565744143</id><published>2005-10-10T14:03:00.000+02:00</published><updated>2005-10-11T21:04:25.666+02:00</updated><title type='text'>Die Sprache</title><content type='html'>Montag – und in Japan Feiertag. Bei uns auch. Aber wo ist das? Bei uns? Der allerliebste rundliche Berliner wacht in Stralsund auf, während ich mich in Gorlice bereits auf einen der letzten Sitzplätze im Privatbus quetsche, der uns fürsorglich nach Krakau bringen wird. Um 11 Uhr sitze ich an meinem Computer am Schreibtisch unter dem Dach. Wenige Minuten später klingelt mein Zimmertelefon. Wir feiern 142 Monate Ehe, d.h. wie gehabt 142 Monde. Am Abend hängt über dem Krakauer Marktplatz der Halbmond. Einen ganz kurzen Augenblick nur zeigt er sich, während ich an der Ecke der Schuhmacherstraße auf A. warte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der japanische Abreißkalender ist mit mir nach Krakau gekommen. Der Kalender für nur einen Tag. Für jeweils den heutigen. Die Zeit fällt von ihm ab, wie die bunten Blätter von den Bäumen im Park. Jeden Tag befreie ich ihn vom gestrigen, dünnen, durchsichtigen, schmalgesichtigen Papierchen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das heutige Kalenderblatt zeigt eine rote Zehn. Also Montag, der Zehnte des laufenden Monats – und Feiertag. In Japan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sprache hat bereits gewonnen. Ich schreibe, denke, spreche, schweige, schlafe polnisch. Und übersetze ins Deutsche. Alles. Träume. Staunen. Ungeschickte Sätze. In Kwiatonowice rechte ich flüsterndes Laub unter dem alten Kastanienbaum zusammen. Auch er ließ seine unhaltbar gewordenen Früchte auf meinen Kopf platzen. Aus Trotz sammelte ich sie ein, einen ganzen Korb voll, schüttete sie in meinen Rucksatz. Und trug sie in mein Zimmer unter dem Dach. Brachte sie meiner Engelin und Wasserspenderin als Opfer dar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verstehe, zum Beispiel, nicht die grammatische Logik in folgendem Satz: „Badacze stosujący metodę biograficzną zwracają uwagę, że dzienniki osobiste są materiałem trudnym do pozyskania.” (wörtlich und unschön: Die biographische Methode anwendenden Forscher weisen darauf hin, dass persönliche Tagebücher schwer zu beschaffende Untersuchungsmaterialien sind.). Das Problem besteht nur in den beiden ersten Wörtern des polnischen Satzes. „Badacze” (Forscher) ist in meinem Grammatikverständnis ein Substantiv im Plural, „stosujący” (anwendend) hingegen eine Verbform (oder eine Adjektivform, weiß der Teufel, hier liegt wahrscheinlich der Hund begraben) im Singular. Mein höchstpersönliches Montagsrätsel: Warum ist das so? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bat Kasper – wen sonst hätte ich in diesem Land bitten können? – mir einen Polnischlehrer oder eine Polnischlehrerin zu besorgen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112905746565744143?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112905746565744143/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112905746565744143' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112905746565744143'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112905746565744143'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/die-sprache.html' title='Die Sprache'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112905997831856325</id><published>2005-10-09T21:45:00.000+02:00</published><updated>2005-10-11T21:46:18.326+02:00</updated><title type='text'>Kwiatonowice</title><content type='html'>Ich schreibe mit geschwellter Brust. Mit gestelzten Wörtern. In Kwiatonowice befinden wir uns über dem Herbstnebel. Hochtrabende Gedanken. Hier bin ich näher am Himmel als in meinem Krakauer Dachzimmer. Näher der Sonne als irgendwo auf der Welt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kam vorgestern, nachdem ich bei Frau Krakowska zu Mittag gegessen hatte (fürstlich: Fisch mit grünen Nudeln in Form von Herbstblättern), mit Stasiuk hier an. Und werde morgen, dessen bin ich mir ganz sicher, mit Malicki zurückkehren. Natürlich mit den Büchern dieser beiden Herren. Malicki schreibt so, wie ich nicht darf – nach Meinung meiner gestrengen Korrektoren Maria K. aus Schöneberg in Berlin. Ein Beispiel. „Dziwny naród, ci gruźlicy. Mówiłam. Czarodziejska góra. Dziewczyny. Pobudliwe. Nad. Tak. Był też radiowęzeł. ...” (s. 115 – in meiner Übersetzung: „Ein seltsames Volk, diese Tuberkulösen. Wie gesagt. Zauberberg. Mädchen. Empfindlich. Über. Ja. Es gab dort auch eine Drahtfunkzentrale ...”). Oder: „Byłem biało-czerwony. Mały Polak. Usiany bąblami. Tak. Wiem. Opowiadał tę historię dr Flisikowski, ilekroć nas odwiedzał. ...” (s. 62 – dito: „Ich war weiß-rot. Ein kleiner Pole. Übersät von Bläschen. Ja. Ich weiß. Diese Geschichte erzählte Dr. Flisikowski jedesmal, wenn er uns besuchte. …“ ) Und: „Wszedł pod stół i wydłubał. Tak. Wtedy. Stąd spirytus. ...” (s. 86 – dito: „Er kroch unter den Tisch und klaubte etwas hervor. Ja. Damals. Daher der Spiritus. ...”). So genannte Einwortsätze. Oder, einfacher ausgedrückt, übermäßiger Gebrauch von Punkten. Schreiben mit Hilfe von Interpunktionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wenn dir das jemand zu normalen Sätzen zusammenfügt, dann schreibst du ein durchaus schönes Polnisch”, seufzte die Berliner Maria und ließ alle Punkte, Kommas, Gedankenstriche, Ausrufezeichen usw. stehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kasper will Pilze sammeln gehen. Wir fahren in das Land der Lemken. Dort verabschiedet sich mein Mobiltelefon. Kasper versucht aus dem Wald mit mir Kontakt aufzunehmen. Ich stehe vor der Holzkirche in Kwiatoń. Sie riecht wunderbar in der Sonntagssonne. Wie still es hier ist. Denke ich. Während Magda erfährt, dass sie aus verschiedenen Gründen geschlossen sei (Renovierung, Diebstähle, der Priester hält gerade eine Heilige Messe im Nachbardorf ab, Gerüste usw.). Und Kasper das Signal empfängt „kein Anschluss unter dieser Nummer”. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was bedeutet das, dass wir uns über dem Herbstnebel befinden? Wir ertrinken in den Farben des Waldes. Im Glanz der Sonne. Des Himmels. Des Autodaches. Wir leben in einer beweglichen Welt. Alles ist hier. Schreibe ich mit geschwellter Brust.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112905997831856325?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112905997831856325/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112905997831856325' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112905997831856325'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112905997831856325'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/kwiatonowice.html' title='Kwiatonowice'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112898256394903662</id><published>2005-10-07T23:15:00.000+02:00</published><updated>2005-10-11T18:32:12.400+02:00</updated><title type='text'>Radio</title><content type='html'>Im Zimmer unter dem Dach ist es sehr still. Obwohl frühmorgens die Gärtner den Park säubern. Bäume beschneiden. Laub wegpusten. Mit einem dröhnenden Schlauch, der nicht saugt, wie der Staubsauger zu Hause, sondern bläst. Aber mir ist es im Zimmer mit der Engelin, die kein Wort von sich gibt, mit ihrer Gießkanne voll Regenwasser in der linken Hand, viel zu still.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich rief Frau Krakowska an – wen sonst hätte ich in Krakau anrufen können? Und fragte, ob sie nicht zufällig ein Radio habe, das keiner brauche. Das sie mir für drei Monate ausleihen könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hat und kann. Brachte es mir am Morgen in die Villa. Ein Radio ans Bett. Mit Wecker. Alarm. Buzzer. Slumber. Und verschiedenen Programmen. Ich durfte keines hören. Sie nahm mich mit. Zurück in die Stadt. Zum Essen. Einkaufen. Teetrinken. Eben typisch Frau Krakowska. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Nachmittag wollte ich nach Kwiatonowice fahren. Der Busbahnhof befindet sich wegen Bauarbeiten nun an der Nullo- oder Zistersienserstraße. Direkt vor dem Haus von Frau Krakowska.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112898256394903662?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112898256394903662/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112898256394903662' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112898256394903662'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112898256394903662'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/radio.html' title='Radio'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112898170773712722</id><published>2005-10-05T06:39:00.000+02:00</published><updated>2005-10-12T11:18:31.450+02:00</updated><title type='text'>Engelin mit Gießkanne</title><content type='html'>Ich habe eine Engelin geschenkt bekommen. Sie fiel wie Manna vom Himmel. Die Krakauer Engelin mit Gießkanne. Sie ist keine ätherische Gestalt. Sondern verfügt über ausgeprägt weibliche Attribute. Trägt ein geblümtes Kleid und eine Schürze mit riesigen Taschen. In der linken Hand hält sie eine Gießkanne. Meine Engelin ist Linkshänderin. Auf den Rücken geschnallt, wie ein überdimensionierter Rucksack, wie eine Fallschirmspringerin, Flügel aus grobem Leinen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun schützt mich die Krakauer Engelin mit Gießkanne. Sie bewacht mein Fenster, das nicht Teil der Wand ist, sondern des Daches. Mein Fenster zum Himmel. Ich wohne unter dem Dach. In der Früh wache ich auf und starre in den Himmel. Tagsüber schreibe ich und starre in den Himmel. Ich denke und starre in den Himmel. Schweige und starre in den Himmel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Engelin gießt meine Gedanken wie Frühlingsregen. Der Baum, der über das Haus und über mein Vorstellungsvermögen hinaus gewachsen ist, wirft seine dürren Blätter ab. Auf mich. Und in der Nacht seine ungenießbaren schweren Früchte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112898170773712722?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112898170773712722/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112898170773712722' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112898170773712722'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112898170773712722'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/engelin-mit-giekanne.html' title='Engelin mit Gießkanne'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-17276623.post-112828658554491362</id><published>2005-10-02T22:53:00.000+02:00</published><updated>2005-10-12T11:20:45.723+02:00</updated><title type='text'>Angekommen</title><content type='html'>Ich bin in Krakau angekommen. Mein erster Eindruck: der Geruch der Erde. Als ich vor der Villa Decius stand und in den Abendhimmel guckte. Feuchte Erde in der Nase. Und Herbstlaub auf der Gesichtshaut. Vor Jahren kam ich ähnlich, wenn auch ganz anders, irgendeinmal zum ersten Mal in den Tropen an. Das war mein erster Gedanke. In Krakau. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erschöpfung der Ankunft ist in einer Nacht nicht wegzuschlafen. In der Früh suchte ich den Nebel im Park, fand Chopin in Bronze und absolvierte mein erstes Tai Chi auf holprigem Waldboden. Danach rückte ich Möbel, fand Kabel, war plötzlich im Internet und schon auf dem Fahrrad in die Stadt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hunger. Mittagessen. Pierogi und Surówka. Der halbe Marktplatz ist aufgerissen. Mickiewicz, der Dichter, steht verloren zwischen aufgetürmten neuen Steinen. Das Gedrängel auf der bereits „modernisierten“ anderen Hälfte ist riesengroß. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Sprache holpert. Wie der Herbstboden unter den Stadtschuhen. Wie der Krakauer Marktplatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch ein paar Stunden, und das Polnische hat mich. Ich wohne unter dem Dach und höre die Kastanien von den Bäumen fallen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/17276623-112828658554491362?l=judith-krakau.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://judith-krakau.blogspot.com/feeds/112828658554491362/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=17276623&amp;postID=112828658554491362' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112828658554491362'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/17276623/posts/default/112828658554491362'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://judith-krakau.blogspot.com/2005/10/angekommen.html' title='Angekommen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
